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Mangel an Gewerbeflächen bremst Firmen-Zuzüge

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Neben Ikea in Nieder-Eschbach gäbe es viel Platz für weitere Firmen-Ansiedlungen. Doch Widerstand vor Ort und von Frankfurts Grünen bremst hier das Wachstum - und damit den Zuzug von Firmen in die Region. Unternehmen, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen gehen anderswo hin, etwa nach Berlin und ins Saarland. FOTO: Peter Jülich
Neben Ikea in Nieder-Eschbach gäbe es viel Platz für weitere Firmen-Ansiedlungen. Doch Widerstand vor Ort und von Frankfurts Grünen bremst hier das Wachstum - und damit den Zuzug von Firmen in die Region. Unternehmen, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen gehen anderswo hin, etwa nach Berlin und ins Saarland. © peter-juelich.com

2021 nur sechs Ansiedlungen nach 204 Anfragen - Defizit in Frankfurt wiegt besonders schwer

Frankfurt -Intensiv wirbt Frankfurt auf internationalem Parkett um neue Unternehmensansiedlungen. Doch während sich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) mit einer großen Zahl an Anfragen brüstet, ist die Zahl realer Ansiedlungen überschaubar. Ein zentrales Problem bremst das Marketing aus: Flächen fehlen.

Davon aber war in der Mitteilung nicht die Rede, welche die Stadt in den letzten Tagen des vorigen Jahres publizierte: "Frankfurt Rhein-Main auch in schwierigen Zeiten im Fokus internationaler Unternehmen". OB Feldmann lobte als Aufsichtsratsvorsitzender der "Frankfurt/Rhein-Main GmbH International Marketing of the Region" (FRM), dass die Standortexperten 2021 mit 204 Ansiedlungsanfragen sogar zehn mehr als im Vorjahr erhalten hätten - trotz der Pandemie. Der OB sagte, dass er mit Delegationen in Krakau, Tel Aviv und Vietnam war. "Das anhaltende Interesse internationaler Unternehmen an unserer Region zeigt klar, wie attraktiv der Wirtschaftsstandort Frankfurt Rhein-Main ist."

Doch von den 204 Anfragen waren nur 49 mit einer direkten Standort- und Immobiliensuche verbunden, räumt der OB wenig später in einer schriftlichen Antwort auf eine Frage Christiane Loizides ein, wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU-Römerfraktion. Und von diesen 49 konkreten Anfragen hätten nur sechs mit einer Ansiedlung abgeschlossen werden können.

Menges: Es fehlt an großen Flächen

Die Firmen ließen sich in Frankfurt, Offenbach, Eschborn und Brensbach (Odenwald) nieder. Viel besser war die Erfolgsquote laut Feldmanns Angaben auch 2020 nicht: 42 von 194 Firmen hätten auch nach Immobilien gefragt, bei sieben habe die Ansiedlung geklappt. Die zentrale Lage, die perfekte Erreichbarkeit durch den Flughafen und der weltweit bekannte Name Frankfurt lockten unverändert Interessenten an, sagt FRM-Geschäftsführer Eric Menges. Aber: "Die Flächen sind ein Riesenthema." Zwar gehe es bei der Mehrzahl der Anfragen zunächst um kleine Flächen, wenn Firmen in Frankfurt oder der Region erstmals in Deutschland oder Europa Fuß fassen wollten. "Oft benötigen sie Büroflächen mit Lager oder Showroom."

Aber: "Da folgt oft mehr", sagt Menges. Die Standorte wüchsen, würden etwa zu Regionszentralen für Europa. Dann aber stoßen die Betriebe an das Problem, das sich auch bei Großanfragen ergebe, sagt Menges: Es fehle an großen Flächen für Firmenansiedlungen. "Das ist nicht nur ein Frankfurter Problem, aber auch ein Frankfurter Problem." Nach passenden Flächen suchte die FRM für die Firmen nicht nur in der Metropole. "Die Anfragen gehen an alle 30 Mitglieder raus, von Limburg bis in den Odenwald und von Rheinhessen bis an den bayerischen Untermain", sagt der Geschäftsführer. "Aber große Flächen sind einfach nicht da."

Grüne und Bürger oft contra Gewerbegebiet

Das Flächenproblem wirke dabei gleich mehrfach. Zum einen suchten Firmen oft in ganz Deutschland und forderten mehrere Optionen. Gebe es nur eine, sei die Chance gering, dass die Region Frankfurt zum Zuge komme. Schließlich stehe sie bei vielen internationalen Ansiedlungen in Wettbewerb zu Metropolregionen wie London, Paris, Berlin. Dass Tesla sein Europa-Werk nach Grünheide bei Berlin gebaut habe und Intel mit seiner Chipfabrik nach Magdeburg gehe, hänge in erster Linie mit der Verfügbarkeit großer Flächen zusammen, erläutert Menges. An jedem der Standorte entstehen 12 000 Jobs.

Gebremst werde die internationale Vermarktung durch den Flächenmangel schon, bevor es überhaupt Anfragen gebe, erklärt der FRM-Chef. Und das liege am Mangel an Gewerbeflächen konkret in Frankfurt. So sichteten potenzielle Interessenten von sich aus oft zunächst nur das Angebot in der Stadt, da die Region Rhein-Main international nicht bekannt sei - und auch nicht, dass die Stadt mit ihren engen Grenzen nur ein kleiner Teil der Region sei. Erkenne ein Unternehmen dann, dass es in der Stadt Frankfurt keine Flächen gebe, komme die Region Frankfurt gar nicht erst in die Standortauswahl, sagt Menges.

Kommt es dennoch zur Anfrage, verhindert dann der Flächenmangel Ansiedlungen. Zuletzt ließ sich ein Batteriehersteller laut Menges im Saarland statt in Rhein-Main nieder. Er will zwei Milliarden Euro investieren und 2500 Mitarbeiter einstellen. Ein Elektroauto-Hersteller will für 2,5 Milliarden Euro ein Werk mit 9000 Beschäftigten bauen. "Die suchen auch noch", sagt Menges.

Langfristig schädlich für den Standort

Sehr viel Nachfrage gebe es aus der Logistikbranche wegen der zentralen Lage Frankfurts. "Wir kriegen sie nicht unter", seufzt der FRM-Chef. Entweder fehlten Flächen oder es gebe Widerstand. "Die Logistik ist extrem wichtig für den Wirtschaftskreislauf, aber nicht beliebt bei Bevölkerung und Politik." Widerstand gibt es konkret in Frankfurt. Seit Jahren gelingt es der Politik nicht, neue Gewerbegebiete bereitzustellen. Gegen das einzige größere Gebiet in Nieder-Eschbach am Bad Homburger Kreuz gibt es vor Ort Widerstand und auch von den Grünen - die als größter Koalitionspartner die Grundrichtung der städtischen Politik bestimmen.

Der Flächenmangel sei "schade für unser Geschäft" und "für die internationale Wahrnehmung der Region nicht so toll", sagt Eric Menges. Schließlich ist die FRM rein aufs Auslandsmarketing des Wirtschaftsstandorts fokussiert. Der Geschäftsführer warnt vor langfristigen Folgen: "Es ist nicht gut, wenn wir bei diesen globalen Firmen immer nur Absagen geben können." Irgendwann fragten diese dann nicht mehr in Frankfurt an. Dennis Pfeiffer-Goldmann

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