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Mann in Frankfurt überrollt: SUV-Fahrer soll für acht Jahre in Haft

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Von: Matthias Gerhart

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Markierungen der Spurensicherung erinnern kurz nach der Tat im Bahnhofsviertel daran, dass der SUV-Lenker hier einen Mann absichtlich zum Krüppel gefahren hat.
Markierungen der Spurensicherung erinnern kurz nach der Tat im Bahnhofsviertel daran, dass der SUV-Lenker hier einen Mann absichtlich zum Krüppel gefahren hat. © Bernd Kammerer

Im Prozess um einen SUV-Fahrer, der einen Mann überrollt hatte, sind nun vor Gericht die Plädoyers gehalten worden. Die Staatsanwältin findet klare Worte.

Frankfurt -Acht Jahre Haft wegen heimtückischen Mordversuchs, dazu eine Führerscheinsperre von vier Jahren sowie die Einziehung des 2,5 Tonnen schweren SUV-Fahrzeugs als "Tatwerkzeug": Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll so das Urteil gegen einen 22 Jahre alten Mann türkischer Herkunft aus dem Landkreis Augsburg ausfallen, der Anfang April vergangenen Jahres gemeinsam mit mehreren Kumpels eine Spritztour nach Frankfurt mit folgenschweren Konsequenzen für einen 53 Jahre alten Passanten unternommen hatte.

Handy gezückt - da rollte der 22-Jährige einfach über den Mann

Im Bahnhofsviertel war der SUV auf der Suche nach einem Liebes-Domizil falsch herum in die Elbestraße eingefahren, was den Unmut einiger Fußgänger, darunter auch den des später lebensgefährlich verletzten Mannes, hervorrief. Der 53-Jährige stellte sich vor den langsam fahrenden Wagen und zückte eine Kamera, um den Falschfahrer aufzunehmen. Dies stellte sich im nächsten Moment als überaus leichtfertig heraus. Der Angeklagte dachte nämlich gar nicht ans Anhalten, sondern nahm den Kontrahenten stattdessen auf die Motorhaube, um ihn kurz darauf mit seinem schweren Fahrzeug zu überrollen. Seither ist das Opfer auf den Rollstuhl als Fortbewegungsmittel angewiesen.

In dem seit Mitte März laufenden Prozess vor der Schwurgerichtskammer hatte der Angeklagte kleinlaut den äußeren Geschehensablauf eingeräumt, sich allerdings keinen Reim mehr auf das eigene Fehlverhalten machen können. Zu aufgeheizt sei die Stimmung schon während der Anfahrt nach Frankfurt gewesen. In der Stadt gab es denn auch Schwierigkeiten mit einem Motorradfahrer, der von dem Angeklagten körperlich angegangen wurde, nachdem er nicht das Feld geräumt hatte.

Opfer mutwillig zum Krüppel gefahren

Darüber hinaus fand man im Vergnügungsviertel offenbar nicht sofort die gesuchten Liebesadressen. "Jedenfalls war es nicht die putzige Landpartie von Schwaben an den Main", fasste es der Vertreter des als Nebenkläger vor Gericht vertretenen Opfers gestern in seinem Plädoyer zusammen. Der Angeklagte habe seinen Mandanten "mutwillig zum Krüppel gefahren", lautete die Zusammenfassung des Rechtsanwalts.

Die Staatsanwältin sah einen heimtückischen Mordversuch vor allem deshalb, weil die "Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers gezielt ausgenutzt wurde". Daran ändere auch das geringe Tempo nichts. "Wer einen anderen Menschen mit einem 2,5 Tonnen schweren Fahrzeug überrollt, muss von dessen Tod ausgehen", hieß es. Die Verteidigung freilich rückte vom Mordvorwurf ab und beantragte lediglich eine geringere Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Die von Richter Urs Böcher geleitete Strafkammer will am 27. April das Urteil verkünden. (Matthias Gerhart)

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