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Bürgermeister Olaf Cunitz (l.) weihte den Siegfried-Gößling-Weg ein, gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Hufeland-Hauses Markus Förner und der Witwe Brigitte Gößling.

Siegfried-Gößling-Weg erinnert an Leiter des Hufeland-Hauses

Ein Mann, der Maßstäbe setzte

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Bekannt ist Siegfried Gößling fast nur in Fachkreisen, und doch hat er viel für Frankfurts alte Menschen getan: Unter seiner Leitung setzte das Hufeland-Haus bereits in den 1970er Jahren bundesweit Maßstäbe. Jetzt wurde ihm ein Weg gewidmet.

Es ist ein kleiner Weg, der zwischen dem Hufeland-Haus und der Autobahn A 661 den Hang hinunter führt, der nun den Namen von Siegfried Gößling führt. Zu klein, mag denken, wer Gößlings Bedeutung für die Pflege und Betreuung alter Menschen kennt. Und doch passend, machte er das Hufeland-Haus in den rund 20 Jahren, in denen er es seit 1971 leitete, zu einem Vorbild der Altenpflege.

„Wir sollten den Menschen helfen, so lange es geht, dort zu leben, wo sie sich zu Hause fühlen: In den eigenen vier Wänden“, erklärt Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) bei der feierlichen Benennung des Siegfried-Gößling-Wegs. Dafür stehe Gößlings Ansatz, dafür sei das Hufeland eine „wichtige Infrastruktur“.

Die Altenpflege der 1970er Jahre „litt unter einer eklatanten Ziellosigkeit“, wie der heutige Hufeland-Geschäftsführer, Markus Förner, erzählt. „Altwerden und Altsein schien mit allen Folgeerscheinungen ein unabwendbares Schicksal zu sein.“ Gößling hingegen habe erkannt, dass die Aktivierung des Menschen, Reha-Maßnahmen und eine gesunde Ernährung sehr wohl beeinflusse, wie alt ein Menschen werde und wie er im Alter lebe.

Idee und Begriff der „aktivierenden Pflege“, Senioren zu einem möglichst eigenständigen Leben zu verhelfen, seien stark von Gößling geprägt, so Förner. Nicht nur durch wissenschaftliche Publikationen, sondern auch durch Neuerungen, die er im Hufeland-Haus einführte und die zu ihrer Zeit deutschlandweit einmalig waren. Geradezu eine Sensation sei die 1973 entstandene Tagespflege des Hufeland-Hauses gewesen, die heute zur Normalität gehört: Die Menschen wohnen daheim, verbringen den Tag aber im Heim in Gesellschaft, mit zahlreichen Aktivitäten.

Neu waren auch die hauseigene Ergo- und Physiotherapie, so Förner. Das betreute Wohnen, dessen sich moderne Seniorenwohn- und -pflegehäuser so gerne rühmen, ging hier bereits vor 41 Jahren in Betrieb. Hinzu kam die mobile Pflege und die Verpflegung der alten Menschen mit Essen daheim. Nur ein Jahr später begann 1975 der Bau des Hilfezentrums. Dort entstanden nicht nur ein kleines Therapiebecken, sondern auch dringend nötige weitere Räume für die wachsende ambulante und teilstationäre Pflege. „Ein Zentrum für alle Belange alter Menschen – das gab es bis dahin noch nie in der Bundesrepublik“, sagt Förner.

Auch dass das „Alten- und Krankenheim der Inneren Mission“ der evangelischen Kirche zehn Jahre nach der Eröffnung 1975 den Namen „Hufeland-Haus“ trug, war für Gößling Programm, erklärt Förner. „Christoph Wilhelm Hufeland war Arzt und Forscher des 18. Jahrhunderts. Unter anderem war er der Leibarzt von Goethe, Schiller und Herder.“ Er war Leiter des preußischen Gesundheitswesens. „Und er vertrat als Erster: Es ist nicht von Gott gegeben, ob man im Alter gesund ist. Gesunde Ernährung und geistige Regsamkeit etwa seien wichtig.“ Ein Ansatz, der glänzend zu Gößling gepasst habe.

Das Hufeland-Haus entwickelte Gößling nach holländischem Vorbild. Mit Margarethe Dieck saß er in den 1980er Jahren dem Fachbereich Soziale Gerontologie und Altenarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie vor. Er war am Heimgesetz beteiligt, das 1975 in Kraft trat, und schrieb dazu mehrere Kommentare. Siegfried Gößling starb am 21. April 2010 im Alter von 78 Jahren.

Nicht nur international genoss Gößling einen guten Ruf, betont Ortsvorsteher Werner Skrypalle (SPD). „Er gab den Seckbachern die Möglichkeit, im Alter ein selbstbestimmtes Leben daheim zu führen.“ Das Hufeland-Haus beteiligt sich aktiv am Stadtteilleben.

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