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Prozess

Mann misshandelt Ex-Lebensgefährtin

  • vonMatthias Gerhart
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Verbrannt, verprügelt, mit dem Elektroschockgerät malträtiert: Frankfurter Landgericht muss klären, ob 32-jähriger Peiniger in die Psychiatrie gehört.

Frankfurt -Massive Übergriffe auf die ehemalige Lebensgefährtin, dazu haufenweise gefährliche und verbotene Waffen sowie 50 Gramm Heroin in seiner Wohnung. Auf dem Richtertisch des Landgerichts türmen sich die Akten in der Sache eines 32 Jahre alten Mannes mit türkischen Wurzeln. Nach der letzten Tat sowie der Wohnungsdurchsuchung wurde dem psychischen Zustand des Beschuldigten Rechnung getragen und er einstweilig in das psychiatrische Krankenhaus in Haina in Mittelhessen eingewiesen. Der dreitägige Prozess vor der Strafkammer soll nun klären, ob dieser Aufenthaltsort auch in Zukunft für den mehrfach vorbestraften Mann gelten soll.

Der 32-Jährige ging mit Elektroschockgerät auf Ex-Freundin los

Nachdem es bereits in der Vergangenheit wiederholt zu Gewalttaten und Obszönitäten gekommen war - einmal hatte der Mann in einer Usinger Bäckerei die Hose heruntergezogen und eine Schreckschusswaffe gezeigt -, lauerte er nach dem Ergebnis der Ermittlungen am 11. November 2019 vor einer Arztpraxis der ehemaligen Lebensgefährtin auf, die dort in Behandlung war. Aus ungeklärtem Anlass ging er die junge Frau noch auf dem Bürgersteig mit einem Elektroschockgerät an und verletzte sie damit.

Allein der Besitz des Gerätes war bereits strafbar, führte Vorsitzender Richter Urs Böcher in der Verhandlung aus. Nach dieser unangenehmen Begegnung kam es im März vergangenen Jahres zum zweiten Übergriff. Leichtfertiger Weise hatte die Frau dem früheren Freund Zutritt in ihre Wohnung in der Frankfurter Innenstadt gewährt. Dort kam es offenbar nach einem Streit erneut zu Übergriffen, die am kommenden Tag mit einer Untersuchung im Krankenhaus endeten. Der Einsatz eines Feuerzeugs führte zu Verbrennungen ersten Grades. Durch Schläge und Tritte war das Gesicht entstellt. Darüber hinaus wurde die Frau von ihrem Peiniger mit heißem Wasser verbrüht.

Waffen und Drogen gefunden

Die Polizei entschied sich für einen "Besuch" des Beschuldigten in dessen Wohnung in Usingen. Die Durchsuchung lohnte sich - es kamen ein Butterfly-Messer, eine Machete, ein Schlagstock sowie ein weiteres Schlagwerkzeug "mit ganz fiesen Stacheln", wie Richter Böcher ausführte, zum Vorschein.

Eine Feinwaage wies auf die zweite große Leidenschaft des Wohnungsinhabers hin: den Drogenkonsum, dem er offenbar bereits seit seinem elften Lebensjahr gefrönt hatte. In einem Tütchen fand man schließlich das Rauschgift.

Am ersten Prozesstag verhielt sich der Angeklagte vor Gericht so, als ginge ihn das Ganze gar nichts an. Zwischen ihm und der früheren Freundin sei es zu keinem Zeitpunkt zu Gewalttätigkeiten gekommen. Warum die Krankenhausärzte die massiven Verletzungen festgestellt hatten, konnte er sich nicht erklären. Immer wieder grinste er unter seiner Schutzmaske und grüßte die im Zuschauerraum sitzende Verwandtschaft. Ursache seiner psychischen Schwierigkeiten war wohl ein bereits 2008 erlittener Verkehrsunfall, der zu einem sechswöchigen Koma und damit verbundenen Hirnschädigungen geführt hatte.

Die Strafkammer will Ende der Woche das Opfer im Zeugenstand vernehmen. Nach zwei weiteren Verhandlungstagen soll Ende Februar das Urteil verkündet werden.

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