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Manni schluckt den meisten Müll

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Von: Matthias Bittner

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Als autonom fahrender Kehrroboter erregt Manni bei seinen Einsaätzen auf dem Bahnhofsvorplatz die Aufmerksamkeit. Anna Maelicke (rechts) und Marcel Lukas, beide Bahnangestellte, begleiten den Pilotversuch, der eventuell ausgeweitet werden soll. FOTO: Enrico Sauda
Als autonom fahrender Kehrroboter erregt Manni bei seinen Einsaätzen auf dem Bahnhofsvorplatz die Aufmerksamkeit. Anna Maelicke (rechts) und Marcel Lukas, beide Bahnangestellte, begleiten den Pilotversuch, der eventuell ausgeweitet werden soll. © Sauda

Bahn testet vor dem Frankfurter Hauptbahnhof autonom fahrenden Kehrroboter

Kehrroboter Manni nimmt den Mund ziemlich voll: Er säubert den Bahnhofsvorplatz und kann Abfall bis zur Größe einer Getränkedose schlucken. Und er spricht sogar. "Vorsicht, ich beginne meine Aufgabe" oder "Vorsicht, ich fahre rückwärts", kündigt er an, wenn er sich in Bewegung setzt. Zusätzlich blinkt eine orangefarbene Warnleuchte. Fährt er eine Kurve, wird das durch Blinker angezeigt. Die meisten Menschen staunen nicht schlecht, wenn sie die autonom fahrende Maschine bemerken. Was sie dann als nächstes brennend interessiert: Ob Manni sie wohl rammt, wenn sie plötzlich seinen Weg kreuzen, berichtet Marcel Lukas vom Management des Frankfurter Hauptbahnhofes.

Mit Sensoren und Kameras

Die Sorge, dass Manni jemanden über den Haufen fährt, braucht niemand zu haben. Er ist ausgerüstet mit fünf Kameras, zwei Laser- und zehn Ultraschallsensoren sowie zwei GPS-Antennen. Er erkennt damit Hindernisse, bremst bei Bedarf und bleibt stehen. Ist der Weg wieder frei, setzt er seine geruhsame Fahrt wieder mit maximal 3 km/h fort. "Es gab jedenfalls noch keinen Zwischenfall", sagt Lukas.

Manni ist Hauptakteur eines neun Monate dauernden Pilotprojektes der Deutschen Bahn (DB) in Frankfurt. Dabei will man testen, ob die Reinigung von Betriebsflächen mit autonom fahrenden Maschinen eventuell eine Option für die Zukunft sein kann, wie Anna Maelicke von der DB-Konzernentwicklung sagt. Die Bahn arbeitet mit dem Start-Up Spring Mobility zusammen. Die Berliner haben Manni entwickelt. Für die Dauer seines Einsatzes bezahlt die DB eine Leasingrate an das Start-Up.

Noch bis Ende Februar ist Manni auf dem rund 12 000 Quadratmeter großen Bahnhofsvorplatz im Einsatz. Allerdings nicht zu den Hauptverkehrszeiten, sondern je nach Bedarf zwischen 14 und 22 Uhr. Begleitet wird er stets von einem "Aufseher" des Reinigungsdienstes, der im Notfall eingreifen und Manni mit einer Fernsteuerung manövrieren kann. So war das auch schon in der B-Ebene des Hauptbahnhofes, wo Manni zuvor gekehrt hat und auch noch Desinfektionsmittel versprühte.

Damit der Kehrroboter seinen Einsatz eigenständig bewältigen kann, wird zunächst der Rand des betreffenden Gebietes abgefahren. Währenddessen tasten die insgesamt zwölf Sensoren die gesamte Fläche ab und erstellen davon eine Karte, die abgespeichert wird. Anhand dieser kartografischen Daten sucht sich Manni dann den besten Weg aus, um die Fläche zu reinigen. Allerdings: Die Prozedur vor dem eigentlichen Einsatz muss tagtäglich wiederholt werden. Denn der Bahnhofsvorplatz verändert sich von Tag zu Tag. "Elektroroller beispielsweise stehen immer woanders herum", erklärt Lukas. Und auf solche Details will Manni gut vorbereitet sein. Angetrieben wird der rund 400 Kilogramm schwere Kehrroboter von einem Elektromotor. Die Batterien reichen für fünf Stunden, dann müssen sie aufgeladen werden. Sein Müllbehälter hat ein Fassungsvermögen von 60 Litern. Laut Lukas ist das ausreichend für den gesamten Unrat auf dem Bahnhofsvorplatz.

Andenken an einen einstigen Mitarbeiter

Bislang sind die Erfahrungen mit Manni grundsätzlich positiv. Einige Schwachpunkte wurden aber ausgemacht. So seien etwa enge Gänge wegen des Wendekreises problematisch. Was er laut Lukas gar nicht mag, sind längere Abfallteile, die er schwer schlucken kann.

Der Name Manni für den Kehrroboter ist übrigens das Ergebnis einer Umfrage unter Bahnmitarbeitern, wie Lukas erzählt. "So hieß ein ehemaliger Bahn-Mitarbeiter. Ihm wurde nach dem Ausscheiden damit quasi ein Andenken gesetzt". Matthias Bittner

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