Florian Pfab in seiner Praxis in München.
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Florian Pfab in seiner Praxis in München.

Frankfurt

Gegen Corona: SGE-Mannschaftsarzt entwickelt besonderes Kaugummi

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Florian Pfab ist Mannschaftsarzt von Eintracht Frankfurt und hat den Covidgum erfunden, der die Viruslast von SARS-CoV-2 in der Ausatemluft um über 90 Prozent senken soll.

Frankfurt - Mit Kaugummi gegen Corona-Viren: Der Mannschaftsarzt von Eintracht Frankfurt, Florian Pfab (45) hat den Covidgum erfunden. Seit wenigen Tagen ist der erste antivirale Kaugummi in einigen Frankfurter Apotheken und deutschlandweit online zu kaufen. Im Kaugummi, der ein zertifiziertes Medizinprodukt ist, sind natürliche ätherische Öle und Extrakte eingearbeitet, die die Viruslast von Sars-CoV-2 in der Ausatemluft nach dem Kauen für zwei Stunden um mehr als 90 Prozent senken sollen. Eine Impfung gegen Corona ersetze das aber nicht, betont Pfab im Interview.

Herr Pfab, wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, einen Covidgum zu entwickeln? Sie sind eigentlich Sportmediziner und kümmern sich um die Eintracht-Fußballer, wenn diese verletzt sind …

In der Fußballsommerpause 2020 war ich selber an Corona erkrankt. Ich bin mit den gängigen Hygienemaßnahmen eigentlich sehr vertraut. Und trotzdem hatte ich mich angesteckt. Deshalb habe ich mich mit der Thematik beschäftigt, was zusätzliche Schutzmaßnahmen sein könnten. Zu diesem Zeitpunkt waren Mundspüllösungen mit einer stark antiseptischen Wirkung schon en vogue und vom Robert-Koch-Institut empfohlen. Das war für mich der Kern der Idee. Der Kaugummi ist einmal die praktikablere „To-go-Version“, und man muss ihn nur kauen und kann zudem entspannt weiteratmen. Anders als beim Gurgeln. Wichtig war mir, dass der Kaugummi nur natürliche Inhaltsstoffe enthält, die nicht gesundheitsschädlich sind. Also haben wir natürliche ätherische Öle und Extrakte eingearbeitet. Dazu gehören beispielweise Zimtöl, Pfefferminzöl, Ingwer, Ginseng, Quercetin und Spermidin aus Weizenkeimen. Alles Stoffe, die in wissenschaftlichen Experimenten einen antiviralen, also gegen einen Virus gerichteten Effekt gezeigt haben.

Eintracht Frankfurt in der Corona-Krise: Keine Atmosphäre ohne volles Stadion

Aber gab es nicht auch noch einen emotionalen Auslöser?

Das auch. Eintracht Frankfurt hat eine unheimlich beeindruckende Atmosphäre in einem vollen Stadion, eine Gänsehautatmosphäre, die man verspürt. Die Geisterspiele haben sicherlich emotional zur Idee beigetragen.

Der Kaugummi ersetzt aber jetzt nicht die Corona-Schutzimpfungen und auch nicht das Boostern ...

Nein, das Impfen ist die absolute Basis der Covid-Bekämpfung. Der Covidgum ist eine Ergänzung der bekannten Hygienemaßnahmen wie Maske, Abstand, Hände desinfizieren und lüften.

Praktisch heißt das, wenn jemand an Covid1-9 erkrankt ist, aber es noch nicht merkt, und beispielsweise den Kaugummi im Stadion kaut, eben unwahrscheinlicher den Nebenmann im Stadion ansteckt?

Genau, die Wahrscheinlichkeit ist eben sehr hoch, dass mit diesen antiseptischen Substanzen im Kaugummi die Viruslast im Mund-Rachen-Bereich sinkt und man dadurch weniger ansteckend ist.

Eintracht Frankfurt: Mannschaftsarzt erklärt den Kaugummi gegen Corona

Können Sie erklären, wie genau der Kaugummi funktioniert?

Wenn man den Kaugummi kaut, lösen sich die antiseptisch wirksamen Substanzen aus dem Kaugummi heraus und verbinden sich mit dem Speichel. Der Speichel wiederum benetzt die ganze Mundhöhle. Und so werden die antiseptischen Wirkstoffe im Atem-Rachen-Trakt verteilt. Wir haben eine Pilotstudie am Institut für Klinische Forschung Pneumologie Frankfurt in Auftrag gegeben. Bei allen Patienten sank die Viruslast signifikant und durchschnittlich innerhalb der ersten Stunde nach Kauen um 90 Prozent. Bei einigen Teilnehmern war zudem zu verschiedenen Messzeitpunkten keine Viruslast nachweisbar. Insgesamt hielt die Wirkung circa zwei Stunden an.

Zur Person

Prof. Dr. med. habil Florian Pfab MBA HCM ist 1976 in München geboren. Er studierte Humanmedizin an der Universität Regensburg und promovierte zum Dr. med. mit summa cum laude.

Er absolvierte eine Ausbildung an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum rechts der Isar, TUM. Seine sportmedizinische Ausbildung machte er an der Abteilung für Unfallchirurgie der Universität Regensburg, der Sportorthopädie des Massachusetts General Hospitals (Boston, USA), der Abteilung für Prävention. Rehabilitation und Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar der TU München und beim FC Bayern München.

Pfab war als Gastprofessur an der Harvard Medical School. Er hat Lehraufträge an der TU München und der Universität Regensburg. Pfab war Leiter der medizinischen Abteilung des FC Ingolstadt 04 von 2010 bis 2019.

Seit 2019 ist er der Leiter der medizinische Abteilung bei Eintracht Frankfurt Fußball AG. Weiterhin hat er eine Praxis in München. rose

Getestet wurde das an Covid-19-Infizierten?

Richtig. Das waren Menschen, die an Corona erkrankt waren und über ihre Atemluft das Virus ausgeschieden haben. Man hat sie in ein Lungenfunktionsgerät ausblasen lassen, wo ein Luftfilter davorgeschaltet war. Dieser wurde wiederum hinsichtlich des Ausmaßes der Viruslast untersucht: Und zwar eben vor und nach dem Kauen des Kaugummis.

Schützt der Kaugummi auch vor Viren, die über die Nase übertragen werden können?

Wir haben bislang nur die Viruslast in der Ausatemluft gemessen: Der Covidgum enthält hhprozentige ätherische Öle. Deswegen ist anzunehmen, dass auch die Nase belüftet wird, aber das haben wir bislang nicht gemessen. Theoretisch ist es aber sehr wahrscheinlich, dass der Covidgum auch im Nasenbereich wirkt.

Covidgum und Maske? „Jede Hygienemaßnahme senkt die Viruslast“

In welchen Situationen sollte man ihn kauen, nur bei 2G-Veranstaltungen ohne Maske, oder bringt er auch was, wenn man Maske trägt?

Wir haben noch nicht den Effekt von Covidgum und Maske zusammen getestet. Es ist aber davon auszugehen, dass jede der Hygienemaßnahmen die Viruslast senkt und die Kombination der verschiedenen Hygienemaßnahmen noch effektiver ist. Ansonsten ist er in Fußballstadien oder im öffentlichen Nahverkehr sinnvoll. Aber eben auch in Situationen relevant, wo Leute auf engem Raum zusammensitzen, wie bei Meetings und Familienfeiern. Also überall dort, wo man zusätzliche Schutzmechanismen einbauen möchte. Auch Schulen wären ein super Einsatzbereich. Ich weiß nicht, ob in Schulen grundsätzlich Kaugummikauen überhaupt erlaubt ist? Aber bei der aktuellen Situation wäre Kaugummikauen in der Schule absolut zu rechtfertigen.

Bis zur derzeitigen Produktion von fünf Millionen Kaugummis im Monat sind eineinhalb Jahre vergangen. Warum hat das so lange gedauert?

Es war ein längerer Prozess, weil es unglaublich schwierig war, diese ätherischen Öle so in den Kaugummi reinzupacken, dass es nicht anpappt. Für große Kaugummifirmen war Covidgum zunächst auch nicht so interessant. Also habe ich mit mich mit zwei Partnern entschlossen, das selber in die Hand zu nehmen.

Kauen jetzt auch die Eintracht-Spieler fleißig?

Wir haben den Kaugummi in unser Hygienekonzept als eine von vielen Hygienemaßnahmen mit aufgenommen, und zwar in Absprache mit dem Gesundheitsamt.

Während des Spiels kauen die Spieler dann auch?

Nein, nur in Alltagssituationen. Auf dem Spielfeld ist die Gefahr, dass sie sich beim Kaugummikauen verschlucken, einfach zu groß. (lacht ) (Interview: Kathrin Rosendorff)

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