Ein Netz unter der Decke schützt die Besucher in der Maria-Hilf-Kirche vor herabfallendem Putz. foto: Holger Menzel
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Ein Netz unter der Decke schützt die Besucher in der Maria-Hilf-Kirche vor herabfallendem Putz.

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Maria-Hilf hat mehr als einen Dachschaden

  • VonGernot Gottwals
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Bistum Limburg unterstützt die Sanierung des 1951 geweihten Gotteshauses

Alles Gute kommt von oben, heißt es in einer Redewendung. Das mag für den lange ersehnten Regen vom Himmel gelten, nicht jedoch für den Dachschaden einer Kirche. Daher muss sich die Gemeinde Maria Hilf, die in diesem Jahr bereits Renovierungsmaßnahmen ihrer denkmalgeschützten Kirche vorbereiten wollte, zunächst an ein grünes Schutznetz vor Putzteilen in der Kirchhalle ihres Gotteshauses gewöhnen.

"Zunächst wollten wir mit der Vorplanung zur Sanierung unserer Außenfassade beginnen, die inzwischen deutliche Setzrisse aufweist", berichtet Christina Fromm vom Verwaltungsrat Maria Hilf. Da hierfür ein Gerüst gestellt werden müsste, erwies es sich als sinnvoll, auch das Dach zu begutachten. Bei dieser Gelegenheit stellte der zuständige Architekt zum Ende des vergangenen Jahres einen Feuchtigkeitsschaden fest. Beim jüngsten Termin mit dem Landesdenkmalamt und der Kirchenbauingenieurin des Bistums Limburg wurde nun ein Bodengutachten empfohlen, um festzustellen, ob die Setzrisse durch das Wurzelwerk umliegender Bäume verursacht wurden.

"Über die Jahre ist Feuchtigkeit in das Kirchendach eingesickert. Dadurch sind die Zugeisen in den Hohlblocksteinen von sechs auf vier Millimeter abgerostet", erläutert Klaus Müßig vom Pfarrgemeinderat. Deshalb wurde besagtes Netz bereits kurz vor Ostern angebracht, um die Gemeinde während der Gottesdienste vor abbrechenden Teilen des Deckenputzes zu schützen.

Nun muss zusätzlich eine umfangreiche Dachsanierung eingeplant werden, die wohl frühestens zum Ende des nächsten Jahres in Angriff genommen werden kann. "Das Dach muss abgenommen und neu eingedeckt werden", erklären Fromm und Müßig. Und das wird teuer: Nach einer ersten Kostenschätzung dürften sich die Kosten auf mindestens 450 000 Euro belaufen.

Die gute Nachricht: Das Bistum Limburg unterstützt notwendige umfangreiche Sanierungsmaßnahmen wie das Decken von Kirchendächern bis zu 90 Prozent. Nun bleibt zu klären, mit welchen Zuwendungen Maria Hilf noch für die Sanierung der Außenfassade rechnen kann. Hier wurden schon einmal Kosten von rund 60 000 Euro für die Sanierung der Risse ohne Verputz kalkuliert. Fromm hofft auch hier auf eine Unterstützung zu 90 Prozent durch das Bistum.

Nötig wäre zudem auch eine Reinigung der Chorwand, was mit 1200 Euro pro Quadratmeter veranschlagt wurde. Denn die ursprüngliche Farbfassung in der Bemalung durch Hans Leistikow ist an manchen Stellen kaum noch erkennbar. Dabei gehört die Chorwand zusammen mit den ebenso von Hans Leistikow geschaffenen Chorfenstern und dem Baldachin (Ciborium) über dem Kruzifix zur prägenden Kirchenkunst im Innenraum des von Alois Giefer und Herrmann Mäckler 1950 bis 1953 anstelle einer vorherigen Notkirche errichteten Gotteshauses.

So lassen sich die Dreiecke der Bemalung an der Chorwand als Symbole der Dreifaltigkeit deuten, ergänzen sich aber auch zu sechszackigen Davidsternen und geben der Kirche im Bauhausstil, die vor allem innen eher in den Proportionen einer Industriehalle wahrgenommen wird, eine besondere sakrale Wirkung.

Für die Pfarrei Maria Hilf stehen nun weitreichende Verhandlungen mit dem Bistum Limburg über Kosten und Zuschüsse an. "Wir müssen schauen, welche Rücklagen wir zur Verfügung haben, denn uns sind durch Corona auch einige Einnahmen durch die Vermietung unseres Gemeindesaales weggefallen", stellt Müßig fest. Doch auch dem Bistum würden durch die Pandemie entsprechende Einnahmen bei den Kirchensteuern fehlen, weshalb sich die Zusage von Kostenübernahmen allgemein verzögere.

Somit bleibt abzuklären, welche Priorisierung die vorgesehenen Maßnahmen bekommen. Fromm rechnet allerdings damit, dass an der Chorwand nur eine einfache Trockenreinigung auf eigene Gemeindekosten möglich ist. Oder die Reinigung muss bis zu einem späteren Zeitpunkt warten.

Gernot Gottwals

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