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Der 87-jährige Patient ist wohlbehalten im St. Elisabethen-Krankenhaus angekommen. Die Pfleger gehen äußerst behutsam mit ihm um.

Vom Nordend nach Bockenheim

Marienkrankenhaus zieht um

Ärzte, Pflegekräfte und Patienten des St. Marienkrankenhauses stehen vor einer großen Herausforderung: Die gesamte Klinik zieht derzeit um – bei laufendem Betrieb. Und der Name verschwindet ganz.

Mit dem Umzug des St. Marienkrankenhauses nach Bockenheim geht eine Ära zu Ende. 110 Jahre lang war die Klinik in der Richard-Wagner-Straße ansässig. Viele Frankfurter sind hier zur Welt gekommen. Wenn am kommenden Montag die letzten Kisten abtransportiert sind, wird das Marienkrankenhaus Geschichte sein. Zwar ziehen die medizinischen Abteilungen sämtlich in den Neubau auf dem Gelände des St. Elisabethen-Krankenhauses um – beide Kliniken gehören zur Dernbacher Gruppe Katharina Kasper –, doch der Name Marienkrankenhaus wird verschwinden. Auf dem 14 000 Quadratmeter großen Areal im Nordend sollen Eigentums- und Mietwohnungen, eine Tiefgarage und zwei Kitas entstehen (siehe Infobox).

Ein Krankenhaus-Umzug ist kein Pappenstiel. „Das ist nicht nur unglaublich aufwendig, sondern auch schwierig“, sagt der Ärztliche Direktor Professor Joachim Bargon, „so etwas haben wir noch nie gemacht.“ Herausfordernd sei auch, dass der Krankenhausbetrieb während des zweiwöchigen Umzuges weiterlaufen muss. „Wir können nicht alles lahm legen“, sagt Oberärztin Frauke Rieger. Und es müsse schnell gehen.

Dies war denn auch der Grund gewesen, weshalb sich die Klinik ein Darmstädter Umzugsunternehmen an die Seite gestellt hat, das bereits in Stuttgart ein komplettes Krankenhaus von A nach B umgesiedelt hat. Gemeinsam mit den Profis sei in den vergangenen viereinhalb Monaten der Umzug akribisch geplant worden. Insgesamt müssen

5000 Kubikmeter Einrichtung

, Medizintechnik und andere Habseligkeiten umzusiedeln. „Da packen alle mit an“, sagt Oberärztin Frauke Rieger. Zum Vergleich: Die Einrichtung einer Drei-Zimmer-Wohnung beläuft sich auf gerade einmal 35 Kubikmeter.

Die Verwaltung und EDV haben bereits ihre neuen Räume in Bockenheim bezogen. Am Montagabend wurde auch der Kreißsaal im Marienkrankenhaus geschlossen. „Das letzte Baby kam nachmittags per Notkaiserschnitt zur Welt. Mutter und Kind sind wohlauf und durften die Klinik bereits verlassen“, erklärt Sprecherin Cornelia Färber. Der neue Kreißsaal im St. Elisabethen-Krankenhaus wird den Betrieb am morgigen Freitag um 7 Uhr aufnehmen.

Transportiert werden müssen aber nicht nur Ultraschallgeräte, Medikamente oder Operationstische, sondern auch schwer- und todkranke Patienten. „Eine heikle Angelegenheit“, sagt Rettungssanitäter Carsten Frerichs, der am Mittwochmorgen mit zwei Kollegen einen älteren Patienten von der Intensiv-Station des Marienkrankenhauses ins St. Elisabethen-Krankenhaus gebracht hat. Der 87-jährige Kranke war vor drei Tagen mit Herzproblemen eingeliefert worden. „Das ist eine kritische Situation“, erklärt Frerichs. Während der Fahrt habe man den Patienten deshalb auch permanent überwacht, also die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen, Blutdruck und Herztöne kontrolliert.

Außerdem sind die Rettungskräfte „schön langsam gefahren“. Für die knapp fünf Kilometer lange Strecke nach Bockenheim habe der Rettungswagen deshalb auch 15 Minuten gebraucht. Mit Blaulicht und Martinshorn hätte er für denselben Weg nur fünf Minuten benötigt. Außerdem sei man nur auf Straßen gefahren, die gut ausgebaut und nicht holprig gewesen seien. „Für den Patienten soll der Transport so angenehm wie möglich sein“, unterstreicht Frerichs.

Im St. Elisabethen-Krankenhaus angekommen wurde der Patient direkt auf die alte Intensivstation gebracht. Denn die neue, die im sechsgeschossigen Neubau untergebracht und einmal 16 Betten haben wird, ist noch nicht fertiggestellt. Ebenso wie das Bettenhaus. Sie können erst Anfang des kommendes Jahres bezogen werden, erklärt Bargon, der die Zusammenlegung der beiden Kliniken vor allem aus wirtschaftliche Gründen für sinnvoll hält. Bislang habe es an beiden Standorten jeweils eine Röntgenabteilung und einen eigenständigen Operationsbereich gegeben. „Das kann sich heutzutage keiner mehr leisten“, betont er.

Die Zusammenlegung hat aber auch ganz praktische Gründe: „Wir sparen uns und unseren Patienten viele Wege“, sagt Rieger. Letztere sollen künftig aus Bockenheim, Rödelheim, Hausen und dem Europa-Viertel ins St. Elisabethen-Krankenhaus kommen, das ab dem kommenden Jahr auch ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) beherbergen wird.

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