Bauprojekt an der Taunusanlage

Marienturm: Hochhausbau ohne Mieter

  • VonGünter Murr
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Anfang 2019 wird im Bankenviertel an der Taunusanlage ein neues Hochhaus stehen. Am Freitag wurde der Grundstein für den Marienturm gelegt.

Es kommt derzeit in Frankfurt nicht allzu häufig vor, dass der Grundstein für ein neues Hochhaus gelegt wird. Derzeit würden in Frankfurt vergleichsweise wenig Büros gebaut, sagte kürzlich Andreas Schulten, Vorstand des Beratungsunternehmens Bulwiengesa. „Wir werden steigende Mieten haben“, folgert er.

Zu den wenigen Flächen, die in den kommenden Jahren auf den Markt kommen, zählt die „Marieninsel“ an der Taunusanlage. Dieses Projekt besteht aus dem 155 Meter hohen Marienturm sowie dem etwa 40 Meter hohen Marienforum. Beide Gebäudeteile bieten Platz für jede Menge Büros. Mieter gibt es dafür noch nicht. „Wir bauen spekulativ“, sagte der Projektentwickler Markus Brod vom Bauherrn Pecan Development am Freitag bei der Grundsteinlegung. „Wir glauben an den Standort.“

Lange Geschichte

Pläne, auf dem Grundstück, das von der kleinen Marienstraße umschlossen wird, ein Hochhaus zu errichten, gibt es schon seit mehr als zehn Jahren. Im Hochhausrahmenplan ist sogar ein mehr als 200 Meter hoher Turm vorgesehen. Doch lange Zeit ist daraus nichts geworden. Das Grundstück sei schwer zu entwickeln gewesen, sagte Brod, der seit 2012 mit dem Projekt befasst ist. Es habe zwei verschiedene Eigentümer und eine Auseinandersetzung mit Nachbarn gegeben. „Aber wir haben uns davon nicht abschrecken lassen.“

Seit dem vergangenen Sommer wird bereits an der Baugrube gearbeitet – unter sehr beengten Verhältnissen. „Es ist eine Herausforderung, mitten in der Stadt zu bauen“, sagte Brod. Direkt neben der Baugrube befindet sich das Hochhaus T 11, auf der anderen Seite wurde erst im vergangenen Jahr das Hochhaus Taunusanlage 8 fertiggestellt. Dazwischen stehen jetzt vier Kräne. Die niedrigeren Bauteile an der Mainzer Landstraße sollen bereits im ersten Quartal 2018 fertig sein, das Hochhaus ein Jahr später.

Die Neubauten entstehen nach Plänen der Berliner Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann, deren Büro sich 2013 in einem Architektenwettbewerb durchgesetzt hat. „Unser hohes Haus fügt sich ein in die Reihe der Hochhäuser an der Taunusanlage“, sagte Thomas Müller. Es habe gleichzeitig aber auch einen „stabilen Fuß“, der es in seinem Umfeld verwurzle. Außerdem gebe es ein „Geschenk an die Stadt“: Das Hochhaus trete zurück, um an der Marienstraße Raum für einen Platz zu schaffen. „Er wird den Ort entscheidend prägen und mit Gastronomie und Einzelhandel ein neuer Anziehungspunkt werden“, ist der Architekt überzeugt.

Leuchtende Lichtkrone

Im Turm selbst sind ein öffentlich zugängliches Restaurant, eine Kindertagesstätte und ein Fitnessstudio vorgesehen. Eine „Lichtkrone“ soll nachts weit in die Stadt leuchten. Die Innengestaltung stammt von der Mailänder Designerin Patricia Urquiola. Man strebe eine „ästhetisch anspruchsvolle Arbeitsumgebung“ an, betonte Brod. Zur Gesamtinvestition sagte er nichts. Bekannt ist nur, dass der Auftrag der Baufirma Hochtief ein Volumen von 138 Millionen Euro hat. Investor ist ein Immobilienfonds.

Um die Genehmigung für das Hochhaus zu bekommen, musste sich der Investor verpflichten, rund 150 Wohnungen in der Innenstadt zu bauen, ein Drittel davon gefördert. Dieser Aspekt gefällt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) besonders gut. „In dieser Stadt kann man gutes Geld verdienen“, sagte er bei der Grundsteinlegung. „Es ist aber auch wichtig, Verantwortung zu übernehmen und Wohnungen zu bezahlbaren Preisen zu bauen.“ Er appellierte an die Immobilienbranche, sich in diesem Segment stärker zu engagieren.

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