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Noch ist nicht klar, was im Zoogesellschaftshaus unterkommt. Klar ist: Das ehrwürdige Gebäude muss mal auf Vordermann gebracht werden.

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Das Zoogesellschaftshaus, marode, aber begehrt

„Ein Leuchtturm für den Naturschutz“ soll es werden, Experten mehrerer Häuser sollen sich dort austauschen: Das neue Zentrum, das die Zoologische Gesellschaft schaffen will, braucht ein Domizil. Das Wunschobjekt verplant bereits die Kulturdezernentin.

Die Zeit ist reif, findet Christof Schenck. Reif für mehr Engagement gegen den Verlust der biologischen Vielfalt auf der Erde. Von Frankfurt als Metropolregion mit internationaler Ausstrahlung könnte dabei eine besondere Wirkung ausgehen. Deshalb ist die Zeit reif für ein neues wissenschaftliches, international ausgerichtetes Projekt, das die altehrwürdige Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) an den Start bringen will.

„Es geht um nicht weniger, als um einen Beitrag für die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen“, sagt Schenck, Geschäftsführer der ZGF und studierter Biologe. Dafür will er Wissenschaftler und Institutionen miteinander vernetzen, junge Wissenschaftler ausbilden und in den Dialog treten mit Bildungseinrichtungen und nicht zuletzt auch mit der Stadtgesellschaft. „Frankfurt Conservation Center“ heißt das Projekt, das die Planungsphase bereits hinter sich hat. Schenck möchte es zum international beachteten „Leuchtturm für das Thema Naturschutz“ machen, zu einem Forum für wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskussionen.

Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, der Goethe-Uni und Experten der KfW-Stiftung sollen unter einem Dach interdisziplinär zusammenarbeiten. Das, sagt Schenck, ermögliche einen intensiveren und kontinuierlichen Austausch. „Es geht freilich auch um eine Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit“, so Schenck.

Am liebsten würde er das Frankfurt Conservation Center dort sichtbar werden lassen, wo auch die Zoologische Gesellschaft ihren Sitz hat: im Zoogesellschaftshaus an der Bernhard-Grzimek-Allee 1. Dass in dem Repräsentativbau etwa 150 Mitarbeiter Platz finden und Seminar- und Vortragsräume eingerichtet werden, ist nur schwer vorstellbar. An Platz mangelt es nicht, aber der Bau ist arg heruntergekommen, mithin renovierungsbedürftig.

„Großartige Chance“

Das Gebäude gehört der Stadt. Die hat ganz eigene Pläne mit dem Haus. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) würde dort gerne ein Kinder- und Jugendtheater etablieren. Die Koalition habe die Einrichtung eines eigenständigen Kinder- und Jugendtheaters beschlossen, erklärt Hartwig. Im Zoogesellschaftshaus sei diese Idee umsetzbar. „Es wäre eine großartige Chance für Frankfurt, weil an diesem Ort die Verbindung von Kultur und Natur herstellbar ist“, so die Kulturdezernentin.

Freilich könnte auch ein Kinder- und Jugendtheater nicht ohne weiteres ins Zoogesellschaftshaus einziehen. Nicht allein, dass der Putz von den Wänden fällt und Heizungen mitunter eher schwachbrüstig ihren Dienst tun. Auch der Brandschutz ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Das alles weiß auch die Kulturdezernentin: „Das Haus müsste so oder so saniert werden. Aber das ist erst der nächste Schritt.“ Denn Hartwig plant bereits. Längst wurde eine Massenstudie erstellt und die Abteilung arbeitet an einen verfeinerten Raumprogramm mit der Option auf Modifikationen. Hartwig: „Im nächsten Schritt wird dieses Projekt mit den Koalitionspartnern besprochen.“ Mit den Ergebnissen geht es dann weiter in die Gremien.

Neubau im Zoo

Christof Schenck dürfte dieser Anspruch, den die Stadt mit der Fortgang der Planungen an einem Kinder- und Jugendtheater nicht gänzlich unvorbereitet treffen. Er ist bereits einen Schritt weiter. Er hat einen Plan B. Sollte das Frankfurt Conservation Center nicht im Zoogesellschaftshaus unterkommen, könnte er sich als Alternative einen Neubau direkt im Zoo vorstellen. In dessen Ostteil stehen einige abgängige Gebäude. „Die könnte man abreißen und an der Stelle neu bauen, nach besten energetischen Kriterien“, so Schenck. Dort wäre das Frankfurt Conservation Center dann auch ein „Leuchtturm für den Zoo“.

Auch der müsste dann verbessert werden. Schenck wünscht sich möglichst rasch Klarheit. „Wissenschaftler sind immer ungeduldig“, meint er. „Die Stadt muss klar Position beziehen.“ Denn auch ein Neubau ginge nicht ohne die Stadt, die Eigentümerin des Tiergartens ist. Schenck signalisiert für die ZGF schon mal größtmögliche Kooperationsbereitschaft: „Wir würden uns beteiligen mit einem signifikanten Beitrag.“

von Sylvia A. Menzdorf

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