+
Viele Kommunalpolitiker wollen den Standort Willy-Brandt-Platz für die Städtischen Bühnen erhalten. Doch es ist auch im Gespräch, Oper und Schauspiel zu trennen.

Millionenprojekt

Marode Bühnen: Sanierung bevorzugt

  • schließen

Nach monatelangen Diskussionen hat sich die Koalition aus CDU, SPD und Grünen auf eine gemeinsame Position zu den Städtischen Bühnen geeinigt. Einen Neubau soll es möglichst nicht geben. Stattdessen soll geprüft werden, ob eine abgespeckte Sanierung des Bestandsgebäudes für deutlich weniger als 900 Millionen Euro möglich ist. Die Zeit drängt.

Der Schock war groß, als im vergangenen Juni die Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Städtischen Bühnen vorgestellt wurde. Rund 900 Millionen Euro sollte es kosten, die Mängel in der aus den 1960er Jahren stammenden Theaterdoppelanlage zu beheben. Ein Neubau an gleicher Stelle, so die Experten, würde ungefähr genauso viel kosten.

Doch diese Summe könne man den Bürgern nicht vermitteln, meint Thomas Dürbeck, kulturpolitischer Sprecher der CDU im Römer. „Wir brauchen einen Plan B.“ Das finden auch SPD und Grüne. Dennoch konnten sich die drei Fraktionen monatelang nicht auf eine gemeinsame Position einigen – obwohl schon seit einem halben Jahr ein Entwurf für einen gemeinsamen Antrag vorliegt.

Am Freitag meldeten die drei Partner schließlich Einigkeit. Sie wollen prüfen lassen, ob der Bühnenkomplex so saniert werden kann, dass es Bestandsschutz gibt und damit nicht die neuesten Bauvorschriften angewendet werden müssen. Möglich werden soll das durch die Auslagerung der Werkstätten. Damit würde der erste vor wenigen Jahren errichtete Anbau im Süden des Schauspieltrakts frei und könnte technische Einrichtungen aufnehmen, für die in einer Variante der Machbarkeitsstudie ein kleines Hochhaus vorgesehen ist.

Im geräumigen Malersaal wäre möglicherweise sogar Platz für eine Probebühne, die sonst ebenfalls in einem Neubau auf einem günstigen Grundstück außerhalb der Innenstadt untergebracht werden könnte. Die Fraktionen wollen auch wissen, wie sich eine Auslagerung wirtschaftlich auswirkt. Die Vermutung ist: Mehrkosten im laufenden Betrieb könnten durch geringere Investitionskosten mehr als kompensiert werden.

Bei diesen Untersuchungen wollen sich die Fraktionen nicht auf die Kompetenzen von Stadtverwaltung und Bühnen verlassen. Es sollen auch externe Fachleute hinzugezogen werden. Noch vor der Sommerpause, so die Hoffnung, soll ein Ergebnis vorliegen.

„Wir können nicht ewig warten“, betont Dürbeck. Ihm dauert die Debatte schon viel zu lang. „Wir müssen endlich für Planungssicherheit sorgen.“ Über die Gründe der Verzögerung gibt es unterschiedliche Angaben. Manche Vertreter der Koalition verweisen auf die Oberbürgermeister-Wahlen, andere auf einen offensichtlichen Konflikt: SPD und Grüne wollen auf jeden Fall am Standort Willy-Brandt-Platz festhalten, wollten dazu auch bereits jetzt einen Beschluss fassen.

Doch die CDU will sich alle Optionen offen halten – für den Fall, dass sich eine Sanierung doch als unwirtschaftlich erweist und ein Neubau wieder in den Fokus rückt. Nach Ansicht Dürbecks könnte dieser auch an einem anderen Ort entstehen.

Sebastian Popp, kulturpolitischer Sprecher der Grünen, hält davon nichts. „Mir hat noch keiner ein geeignetes Grundstück genannt“, sagte er. Es müsse jetzt eine „neue Dynamik“ in die Diskussion kommen. Popp betont, dass es sich bei der Bühnen-Sanierung um eine Investition für die nächsten 30 oder 40 Jahre handelt. Dieser Aspekt ist auch Renate Wolter-Brandecker wichtig, der kulturpolitischen Sprecherin der SPD. „Wir sind gegen eine Mini-Lösung, bei der wir nach zehn Jahren wieder von vorne anfangen müssen.“ Im Zweifelsfall würden die Politiker also lieber etwas mehr Geld ausgeben – und hoffen dabei auch auf Hilfe vom Land.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare