Feiernde Menschen und Hintergrund, Müll im Vordergrund auf dem Friedberger Platz in der Nacht.
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In Frankfurt werden die nächtlichen Corona-Auflagen gelockert. Auch auf öffentlichen Plätzen wie dem Friedberger Platz trafen sich die Massen.

Maskenloser Feierspaß

Massen feiern Corona-Lockerungen in Frankfurt – Polizei greift ein

  • VonSabine Schramek
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In Frankfurt werden die nächtlichen Corona-Auflagen gelockert, und direkt ist die Hölle los. Ein Überblick, wie das Wochenende verlaufen ist.

Frankfurt – Als am Freitag um 15.54 Uhr die Mitteilung der Stadt veröffentlicht wurde, dass bereits ab Mitternacht ein Teil der Corona-Allgemeinverfügung aufgehoben wird, schlägt die Meldung ein wie eine Bombe. So plötzlich hatten Marktbeschicker und Gastronomen ebenso wenig damit gerechnet wie die Bürger. Von jetzt auf gleich werden Getränkelager überprüft und Personal mobilisiert, um in der lauen Frühsommernacht auf den Besucheransturm gerüstet zu sein. "Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein. Das sind doch Fake News", laufen Whatsapp-Nachrichten Sturm.

Doch die Selbsteinsicht der Stadt beruht auf einem Verwaltungsstreitverfahren. Rusbeh Tussi, streitbarer Betreiber des Adlibs, Karlson und Velvet Clubs hat Klage gegen das Ausschankverbot ab Mitternacht erhoben. Am Freitagvormittag hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt die Stadt zu einer Stellungnahme aufgefordert. Die Kammer verweist darin auf die vom RKI veröffentlichte 7-Tage-Inzidenz, die seit dem 5. Juni unterhalb des Schwellenwertes von 35 liegt und in Frankfurt bei 25,8 (Stand 11. Juni). Wörtlich an die Stadt heißt es: "Wird vor diesem Hintergrund an der angegriffenen Regelung festgehalten?"

Die Entscheidung der Stadt Frankfurt fällt prompt mit Taten durch Lockerungen. Dabei beruft sich die Stadt genau auf die Zahlen, die das Verwaltungsgericht Frankfurt in die Aufforderung zur Stellungnahme angibt. Die Sorge, dass ein Urteil nicht zugunsten der Stadt fällt, ist offenbar zu groß. Tussi hatte bereits im Oktober erfolgreich beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel gegen die damalige Sperrstunde geklagt.

Lockerungen der Corona-Auflagen in Frankfurt: Razzia in Shisha Lounge

Die Terrassen der Bars und Restaurants in der Stadt sind um Mitternacht brechend voll. Ebenso Parks und Plätze. Lachen und Gläserklirren klingt durch die Nacht. Auch auf der Zeil. Parallel dazu in der Allerheiligenstraße stehen Dutzende von Streifenwagen. Razzia in einer Shisha Lounge.

"In den letzten Monaten wurde mehrfach im Viertel geschossen", erinnert der Einsatzleiter der Polizei an das aktuelle Dauerproblem. Vor einer Woche wurde ein 23-Jähriger angeschossen, im Januar und März gab es hier ebenfalls versuchte Tötungsdelikte. "Der Einsatz ist eine präventive Maßnahme", so der Beamte. Mehrere Männer werden durchsucht. Auch die Gewerbeaufsicht ist dabei und misst CO2-Werte. Gegen 1 Uhr stehen Einsatzwagen vor dem Gericht und rasen mit Blaulicht zum Friedberger Platz. Er ist so voller feiernder Menschen, dass kaum noch Gras zu sehen ist. Müll türmt sich überall. Kaum ein Flecken ohne Glasflaschen. Dass Alkoholkonsum auf öffentlichen Flächen weiterhin ab Mitternacht untersagt ist, haben die Leute offenbar nicht mitbekommen.

Die Polizei räumt den völlig vermüllten Platz. Die Straße Richtung Louisenplatz ist voller zerbrochener Flasche. Die Betrunkenen torkeln darüber hinweg. Mit dem Wagen dauert es zwanzig Minuten vom Friedberger Platz zum Louisenplatz zu fahren, weil die Straße so voll ist mit Leuten, die widerwillig gehen. Auch hier wartet die Polizei, löst die Party auf.

Feiern fast wie vor Corona: Frankfurt lockert Auflagen

In der Nacht auf Samstag ist jeder Park und jeder Platz voll. Nur im Bahnhofsviertel und in Alt-Sachsenhausen ist es relativ beschaulich und ruhig. "So schnell stellen sich die Leute offenbar nicht darauf um, dass die Ausschanksperre weggefallen ist", vermutet Olli Thies, Betreiber der "Klapper 33". Er hat keine Außenplätze und jeder Gast muss einen Vollimpfnachweis mit sich führen, einen Genesen-Bescheid oder einen aktuellen Test. Wer das hat, loggt sich via QR-Code ein. Dann darf in der Bar getrunken werden.

Gegen 4.30 Uhr gehen die letzten Gäste nach Hause - die Gassen sind ohne Müll. In der Nacht auf Sonntag ist das Feier-Viertel brechend voll und laut. Das Kopfsteinpflaster in der Kleinen Rittergasse ist vor lauter Menschen kaum zu erkennen. Wer Maske trägt, fällt auf. Nicht nur hier. Das Bahnhofsviertel wirkt fast wie vor der Pandemie, in der Innenstadt ist kein freier Platz zu finden.

Trotz der Mengen an Menschen sei alles den Regeln entsprechend und völlig entspannt verlaufen, meldet die Polizei am Sonntag auf Nachfrage, kurzum: keine besonderen Vorkommnisse. Die 7-Tage-Inzidenz in Frankfurt liegt am Sonntagmorgen laut RKI bei 26,9 und 205 Corona-Fällen in den letzten sieben Tagen. Ob sich der maskenlose Feierspaß positiv oder negativ auf die Krankheitsfälle auswirkt, bleibt abzuwarten. (Sabine Schramek)

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