Maulkorb für Ante Rebic

Bleibt er? Geht er? Ante Rebic darf derzeit nichts dazu sagen. Die Vertrags-Verhandlungen mit der Eintracht laufen.

Vor dem ersten Training nach der glorreichen WM ließen ihn die Kollegen hochleben, danach musste mit den Fans für Selfies posieren. Der kroatische Dampfhammer genoss die Aufmerksamkeit und die ihm dargebrachte Zuneigung sehr wohl, auch wenn er ja etwas anderes gewohnt war zuletzt: gewaltiger Empfang auf dem Römer nach dem Pokaltriumph mit der , großer Bahnhof in Zagreb und Split nach der Vizeweltmeisterschaft mit Kroatien, zudem, und für ihn besonders wichtig, Ehrerbietung in seinem Heimatort Imotski, einem kleinen Ort hinter den Hügeln des mächtigen Biokovo-Gebirges. Ante Rebic, der Rückkehrer, der kleine Frankfurter WM-Star, war gut drauf an seinem ersten Arbeitstag an alter Wirkungsstätte, im Training selbst machte er gestern – zack, zack – gleich zwei schöne Tore. Nur den anberaumten Termin mit der Presse ließ er sausen.

Eigentlich war mit dem 24-Jährigen ein Gespräch für die Mittagszeit anberaumt, die Reporter waren in doppelter Mannschaftsstärke erschienen. Vielleicht würde er ja etwas Erhellendes sagen, der Mann vom linken Flügel: Bleibt er, geht er? Oder auch: Wie lange bleibt er, oder wann geht er? Doch dann wurde das Interview kurzfristig aus dem Programm genommen. Rebic-Agent Fali Ramadani, hieß es, wolle nicht, dass sich sein Klient zum jetzigen Zeitpunkt äußere, vielleicht später in der Woche. Vielleicht auch nicht. Man stehe schließlich noch in Gesprächen mit der Eintracht, die nicht abgeschlossen seien.

Der Eintracht-Vorstand um Fredi Bobic habe dem Schweige-Anliegen des bei der Eintracht bestens verdrahteten Beraters entsprochen. Fali Ramadani hat in Frankfurt gleich vier Spieler geparkt, neben Rebic noch Mijat Gacinovic, Luka Jovic und Taleb Tawatha, zudem betreut er Ex-Eintrachtler Haris Seferovic und Filip Kostic, den er gerne beim Traditionsverein vom Main unterbringen würde. Weshalb genau aber Rebic ein Maulkorb angelegt wurde, ließ sich nicht en detail eruieren. Ob es ein Signal ist, dass womöglich doch noch ein Wechsel bevorsteht?

Der „Independent“ hatte erst am Dienstagabend berichtet, Manchester United habe die Fühler nach dem Kroaten ausgefahren und sei bereit, 40 Millionen Euro zu überweisen. Trainer José Mourinho ist händeringend auf der Suche nach einem Flügelspieler, zumal ihm jetzt auch noch Chelsea-Außen Willian einen Korb gegeben hat. Doch ist das realistisch? Eher nicht. Rebics Wechsel auf die Insel müsste bis heute Abend, 18 Uhr, über die Bühne gehen, dann schließt in England das Transferfenster. Schwer vorstellbar auch, dass der Profi dann gestern noch seinen Dienst in Frankfurt angetreten hätte.

Allerdings: Manchester United zählt zu den Lieblingsklubs des Angreifers, der vor einiger Zeit im kleinen Zirkel kundgetan hat, sich einen Wechsel am ehesten zu United oder eben Bayern München vorstellen zu können. Dort winkte aber sein Mentor ab. „Es gibt da nichts zwischen dem FC Bayern und Ante Rebic“, sagte Trainer Niko Kovac der „Sportbild“. „Ante ist eine starke Persönlichkeit und ein toller Spieler, der sich in den letzten zwei Jahren bei Frankfurt und bei der WW super entwickelt hat. Wenn man sich aber unseren Kader anschaut, sieht man, dass wir eine sehr hohe Qualitäts-Dichte auf seinen Positionen haben. Eine Verpflichtung macht für uns daher keinen Sinn.“ Und Kovac, der am Sonntag mit den Bayern im Supercup in Frankfurt auf die Eintracht treffen wird, schob mit einem Augenzwinkern nach: „Stand jetzt, wie auch Stand morgen.“

Klar ist, dass die Eintracht mit Rebics Berater über eine neue Gehaltsstruktur verhandelt, sie würde, als Zeichen der Wertschätzung, das Salär gerne anheben, freiwillig. Drei Millionen Euro per annum könnten für den Flügelspieler dann rausspringen. Weniger als an anderen Standorten, sehr viel mehr als bisher. Reicht das aus, um ihn in Frankfurt zu halten?

Trainer Adi Hütter soll sich intern eindeutig positioniert und einen Verkauf ausgeschlossen haben. Das ist nachvollziehbar, der Österreicher braucht den Draufgänger Rebic für sein Spiel. Die Frage wird natürlich sein, ob sich der Stürmer auch jetzt noch mit Haut und Haaren auf die Eintracht einlässt, schließlich neigt er, wie Ex-Trainer Kovac betonte, sehr wohl dazu, die Nase ein wenig weiter oben zu tragen, wenn es für ihn mal so richtig rund läuft. Und zuletzt lief es ziemlich rund für Ante Rebic, der bis zum 31. August, wenn das Transferfenster schließt, noch ein Spekulationsobjekt bleiben wird.

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