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Medizinischer Luxus für Tiere

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Von: Melanie Taylor

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Tierphysiotherapeutin Meike Nagel und Hündin Keli (5) beim Trockenlauftraining in der Tierarztpraxis in Niederrad
Tierphysiotherapeutin Meike Nagel und Hündin Keli (5) beim Trockenlauftraining in der Tierarztpraxis in Niederrad © Leonhard Hamerski

Auch im Bewegungsapparat von Hund, Katze und Pferd kann es knirschen. Letzte Hilfe bieten da manches Mal Spezialisten aus Niederrad.

Wassergymnastik

zählt zu den Dauerbrennern, wenn man gleichzeitig die Muskulatur stärken und die Gelenke schonen will. Das gilt schon lange für die Therapie bei Menschen mit Knie- oder Hüftproblemen. Und es gilt auch für des Menschen besten Freund: den Hund. Tierphysiotherapeutin Meike Nagel nutzt das Wassertreten jedenfalls sehr gerne, um Wauzis mit Gelenkproblemen Erleichterung zu schaffen. Durch das Wasser lastet nicht so viel Gewicht auf den vier Pfoten. Und das bedeutet für ihre Patienten weniger Schmerz und damit bessere Aussicht auf Genesung. „Das Schöne ist, wenn man sieht, dass es dem Hund besser geht“, sagt die 29-Jährige. Daraus ziehe sie ihre Motivation.

Maike Nagel zählt zum „tierärztlichen Orthopädieteam Frankfurt“ und bringt mit ihren Kollegen sowohl Kleintiere als auch Pferde wieder auf Trab. Zur Verfügung haben sie dabei eine erstaunliche Vielfalt an Therapieformen und -geräten: Chiropraktik, Osteopathie, Ganganalyse auf dem Laufband, Magnetfeldtherapie und vieles mehr zählen zum Angebot in der Niederräder Praxis.

Gerade bei Hunden komme all das immer häufiger zum Einsatz, wie Alexandra Keller erklärt. Die Tierärztin hat sich auf Orthopädie spezialisiert und die Praxis 2005 gegründet. „Es wird allgemein bewusster, dass nicht alles operativ zu klären ist“, sagt sie. Vieles lasse sich etwa mit einer manuellen Therapie und gezielten Übungen verbessern. Zudem sei gerade die Physiotherapie im Nachgang von Operationen eine gängige Behandlungsart mit teils sehr guten Erfolgen.

Letzte Hoffnung

Dass Keller, der Pferdearzt Wolfgang Mayrhofer und ihre Kollegen Leben retten, ist keine Seltenheit: „Manchmal sind wir die letzte Station“, sagt die Tierärztin. Dann ruhe die ganze Hoffnung der Halter auf ihnen. Keller und Nagel erinnern sich etwa an eine ältere Dame, die vor ein paar Jahren mit ihrem Dackel zu ihnen kam. Er hatte einen Bandscheibenvorfall und starke Schmerzen. Die Physiotherapie sei seine letzte Hoffnung gewesen, so Keller. Wenn die Behandlung nicht angeschlagen hätte, hätte sich die Halterin wahrscheinlich schweren Herzens dafür entschieden, ihren Hund einschläfern zu lassen.

Die Therapie schlug schnell an und der Dackel erholte sich. „Die Frau war total glücklich“, sagt Meike Nagel. Doch immer können die Tierärzte und -therapeuten aus Niederrad nicht helfen. „Es kommt ganz klar auf die Verletzung an“, sagt Keller. Zudem seien natürlich nicht alle Tiere gleich behandelbar. Doch die Tiermedizin zieht in vielen Feldern nach: Dies ist abzulesen an den vielen Spezialisierungen: Augen- und Zahnärzte sind laut Keller ebenso wie Kardiologen keine Seltenheit mehr. Möglich machen dies Weiterbildungen. Die Therapien sind nach Aussage von Keller durch Studien abgesichert. Allerdings: Die Tierphysiotherapeutenausbildung sei bislang nicht einheitlich klar geregelt. So ist Meike Nagel eigentlich ausgebildete Tierarzthelferin und hat dann eine Fortbildung absolviert.

Wassergymnastik

Dass es in der Tiermedizin solche Fortschritte gibt, liegt wohl auch daran, dass damit Geld zu machen ist. Bekanntlich geben die Halter immer mehr für Futter, Spielzeug usw. aus. Dass die Liebe zum Tier bei seiner Gesundheit nicht aufhört, ist dann nur schlüssig.

Auch Alexandra Keller hat die Erfahrung gemacht, dass viele Tierliebhaber heute mehr investieren. Hinzu komme, so die Tierärztin, dass es auch immer mehr Krankenversicherungen für Tiere gebe, welche die Therapien übernähmen.

Selbstverständlich sind

Wassergymnastik

und Co. auch heute noch nicht. „Was wir hier bieten, ist Luxus für die Tiere“, sagt Keller. Ein Hundelaufband, wie derzeit in einer Fernsehwerbung zu sehen, ersetzt nicht den Spaziergang: Die Hunde benötigten auch optische und physische Reize, erklärt Keller. An Bäumen nach den Düften von Artgenossen zu schnuppern, tut wohl jeder Hundeseele gut.

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