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So stellt sich die Fraktion „Die Fraktion“ künftig die Kaiserstraße im Bahnhofsviertel in Frankfurt vor: als Tor zur Stadt mit ganz viel Grün und wenig Autos.

Stadtplanung

Plan für Bahnhofsviertel ohne Autos: Weniger Parkplätze, neuer Stadtplatz und viele Bäume

  • vonGernot Gottwals
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Die Fraktion „Die Fraktion“ hat ein Verkehrskonzept für das Frankfurter Bahnhofsviertel entwickelt. Sie will das Quartier rigoros verändern.

Frankfurt – Die Kaiserstraße als einladendes Portal zur Innenstadt, umsäumt von Bäumen und frequentiert von Passanten an einem neuen Stadtplatz: Geht es nach der Fraktion "Die Fraktion"- ein Zusammenschluss aus Die Partei, Piraten und Freien Wählern -, dann könnte aus dieser Vision Realität werden. Denn in ihrem neuen Verkehrskonzept soll das Bahnhofsviertel konsequent zu einem fußgänger- und radfahrfreundlichem Stadtteil ohne Autoverkehr entwickelt werden.

Frankfurter Bahnhofsviertel könnte autofrei werden

"Derzeit präsentiert sich das Bahnhofsviertel noch als ein Quartier aus der Autofahrer-Ära", sagte Nico Wehnemann, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion, am Dienstag (01.12.2020) bei der Präsentation des Verkehrskonzepts, das zusammen mit dem Architektur- und Stadtplanungsbüro "Drei Eins" erarbeitete wurde. Dieses legt den Fokus nicht nur auf die Umgestaltung der Straßenzüge in der Taunus-, Kaiser- und Münchener Straße, sondern bettet das Bahnhofsviertel in die Verkehrswende zur zunehmend autofreien Innenstadt einschließlich Mainkai mit ein.

Dafür soll die Kaiserstraße in einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich umgestaltet und für den Durchgangsverkehr zur Gallusanlage am östlichen Ende gesperrt werden. In der Taunusstraße sollen alle Parkplätze bis auf die Ladezonen wegfallen, um einen Zweirichtungsradweg zu ermöglichen. Dadurch soll eine Radverbindung in die Innenstadt entstehen, die über die Eschersheimer Anlage auch das Nordend erschließt.

Weniger Spuren für Autofahrer im Bahnhofsviertel Frankfurt

In einem zweiten Schritt erfolgt der Wegfall einer weiteren Fahrspur, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Auch in der Münchener Straße, die zu einer verkehrsberuhigten Anliegerstraße werden soll, sollen Parkplätze gestrichen oder in Ladezonen umgewandelt werden, um eine bessere Durchlässigkeit der drei hochfrequentierten Straßenbahnlinien 11, 12 und 14 zu erzielen.

Frankfurt: Durchgangsverkehr im Bahnhofsviertel soll begrenzt werden

Durch diese Maßnahmen sollen insgesamt 460 von derzeit 1000 oberirdischen Parkplätzen wegfallen. Davon werden 140 Parkplätze in Handwerkerstellplätze in den Ladelieferzonen umgewandelt. Der Wegfall werde jedoch für Anwohner und Geschäftskunden durch eine hervorragende Infrastruktur von Parkhäusern, Tiefgaragen und Innenhöfen ausgeglichen. "Derzeit sind noch 90 000 Autos auf der Gutleut- und Taunusstraße unterwegs. Doch der Durchgangsverkehr soll künftig durch Einbahnstraßen aus dem Quartier herausgehalten werden", sagte Beatrice Baltabol, Stadt- und Verkehrsplanerin bei "Drei Eins".

Wehnemann erinnerte daran, dass seine Fraktion bereits im Januar 2019 einen Antrag zum lang diskutierten Thema eines verkehrsberuhigten Bahnhofsviertels in den Römer eingebracht habe, den die Koalition aus CDU, SPD und Grünen aber mehr als 14 Monate immer wieder zurückstellen ließ. "Doch wir präsentieren kein Traumschloss", so Wehnemann. "Viele Maßnahmen wie die Umwandlung von Fahrspuren in Radwege durch entsprechende Markierungen lassen sich schnell und kostengünstig umsetzen." Mehr Aufwand erfordere freilich die Umwandlung von Straßenfläche in einen urbanen Platz wie auf der Kaiserstraße.

Die Kaiserstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Auch mehr Bäume fürs Bahnhofsviertel in Frankfurt

"Das Bahnhofsviertel umfasst eine Fläche von 542 Hektar, wovon 28,9 Prozent Verkehrs- und nur 4,8 Prozent Grünfläche sind", erläuterte Landschaftsarchitektin Rebecca Faller, Mitglied der Initiative Radentscheid. Zudem gebe es in dem Quartier 585 Pkw pro 1000 Einwohner. Aber das neue Verkehrskonzept eröffne Straßenräume für zusätzliche Baumpflanzungen. Und Nico Wehnemann ergänzte: "Wenn der das Rad, Busse und Bahnen zur Alternative für das Auto werden, brauchen Geschäftsleute kaum noch Parkplätze." (Gernot Gottwals)

Zur gleichen Zeit wird in Frankfurt die Situation der Drogenkranken im Bahnhofsviertel diskutiert.

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