Mehr als eine halbe Chance

Seit 2005 ist eine duale Ausbildung in Teilzeit gesetzlich möglich: Eine Chance für Alleinerziehende, sich trotz Familienpflichten zu qualifizieren. Doch das Angebot ist bei Unternehmen kaum bekannt.

Der Frankfurter „Verein zur beruflichen Förderung von Frauen“ (VbFF) betrat einst Neuland: 2001 führte er bundesweit die erste Frau zu einem Berufsabschluss in Teilzeitausbildung. Bis heute folgten rund 210 weitere, darunter viele alleinerziehende junge Mütter, die wegen ihrer Kinder keine reguläre Ausbildung beginnen könnten. Doch trotz aller Erfolge sagt Projektleiterin Barbara Walzok: „Ausbildung in Teilzeit ist und bleibt ein zähes Geschäft.“

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugendsozialarbeit bemüht sich beharrlich, die Teilzeitausbildung populärer zu machen. Die gesetzliche Grundlage für das duale System besteht seit 2005. Dabei wird die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit im Betrieb reduziert. Berechtigt ist, wer ein eigenes Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen betreut. Die Ausbildungsdauer muss sich dabei nicht zwingend verlängern.

2013 hatten in der Gruppe der 16- bis 25-Jährigen Arbeitslosen 122 000 keinen beruflichen Abschluss. Zeitgleich waren aber nur knapp 4200 Menschen in einer Teilzeitausbildung: Der Bedarf müsste also weit größer sein. „Wir hören in Firmen beim Gespräch über Teilzeitausbildung immer wieder: ,Das geht doch gar nicht‘“, sagt Elke Bischoff, Projektleiterin beim VbFF kopfschüttelnd. Vor allem Frauen in Handwerksberufen unterzubringen, sei sehr schwierig. Ganz anders sei die Situation im medizinischen Bereich: „Hier nehmen die Arbeitgeber gerne Mütter.“

Der Verein kümmert sich aktuell um 88 Frauen in Teilzeit-Ausbildung. Angeboten wird sie für alleinerziehende Mütter bis zum Alter von 27 Jahren (kaufmännischer Bereich). Hier ist der Verein auch Ausbildungsbetrieb. Außerdem gibt es noch ein Angebot für Mütter über 40 Jahre in allen Berufen.

„Unser Anspruch ist es, den Frauen so viel Unterstützung zu bieten, wie sie brauchen, um ihre Ausbildung zu schaffen“, sagt Walzok vom VbFF. Dazu gehören etwa Sprachkurse für Ausländerinnen sowie Hilfen zur Prüfungsvorbereitung. All das trägt Früchte: 66 Prozent der Absolventinnen haben nach ihrer Lehre gleich eine Stelle gefunden, 19 Prozent sind auf Jobsuche. Und: „Die Durchschnittsnoten unserer Frauen sind besser als der Durchschnitt der Prüflinge bei der Industrie- und Handelskammer.“

Walzok vermisst vor allem Plätze auf dem Land. Der Verein mache zwar viel Werbung für die Idee, „doch die Verbreitung erfolgt nur im Schneckentempo“. Die beiden Teamleiterinnen appellieren an die Arbeitgeber, flexibler zu sein. Das lohne sich, sagt Bischoff: „Die jungen Frauen wollen ihre Chance nutzen und knien sich rein.“

Katarzyna Gagorowsko (23) zum Beispiel durchläuft eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beim Personaldienstleister Tempo-Team: „Es ist schon ein großer Unterschied, ob man sechs oder acht Stunden täglich von daheim fort ist“, sagt sie. Ihre vierjährige Tochter geht in die Kita.

Auch Katharina Hoffmann (23) macht eine solche Ausbildung an 30 Wochenstunden. Den Praxisteil absolviert sie bei der Firma ZSI, mit der der VbFF kooperiert. Die junge Frau fühlt sich gut betreut und findet im Verein stets Hilfe. Auch für ihren Sohn, der bald zwei Jahre alt wird, hat die Alleinerziehende genug Zeit. Sie hofft, in ihrer Firma bleiben zu können. „Ich will auf jeden Fall trotz Kind weiter arbeiten – am liebsten in Teilzeit.“

(epd)

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