Sprüht vor Ideen wenn es um sein geliebtes Viertel geht: Kaweh Nemati, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße (IGUB).
+
Sprüht vor Ideen wenn es um sein geliebtes Viertel geht: Kaweh Nemati, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße (IGUB).

Berger Straße in Frankfurt

Mehr Flair muss her

  • vonSabine Schramek
    schließen

Die untere Berger soll schöner und besser beleuchtet werden

Zwischen Höhenstraße und Anlagenring gibt es nichts, was es nicht gibt. Boutiquen, Bücher und Bio, Tee, Cafés und Bars. Zwischen Nippes über Tierbedarf bis zu Wohnungseinrichtungen reicht das Angebot. Dennoch wirkt sie ein bisschen in die Jahre gekommen. Ideen für noch schöneres Shoppen und Ausgehen gibt es aber reichlich.

Laternen stammen aus den 60ern

Trotz Corona mit all seinen Widrigkeiten ist Kaweh Nemati voller Tatendrang für die Zeit nach der Pandemie. Wenn die denn mal vorbei sein sollte. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße (IGUB) sitzt in seinem Laden "Escatira" am Merianplatz und blickt zwischen pastellfarbener Kleidung nach draußen. "Seit Jahren ist für die optische Aufwertung der Straße fast nichts gemacht worden", sagt er. Außer Fahrradständern, die wie die Pilze an jeder Ecke aus dem Boden schießen, und der Sitzbänke auf dem Merianplatz, die vor drei Jahren auf seinen Wunsch hin erneuert wurden, passiere nichts. Ein besonderer Dorn im Auge sind ihm die endlos hohen Straßenlaternen aus den 60er Jahren. "Laternen sind toll, vor allem dann, wenn sie Licht auf die Straße werfen", meint er leicht ironisch. "Das Einzige, was mal gemacht wurde, ist, dass die Laternenpfähle, die früher hellgrau waren, jetzt anthrazitfarben sind". Er schüttelt den Kopf.

"Ohne die Schaufensterbeleuchtung wäre es nachts hier überall stockfinster", ist er überzeugt und hat sogar Lichtmessungen gemacht. "Die hässlichen Laternen stehen hier seit den 60er Jahren, als hier noch keine Bäume standen. Jetzt beleuchten sie die Baumkronen, nicht die Bürgersteige."

Er wünscht sich Laternen wie auf dem Merianplatz. Laternen, die nicht in Höhe des zweiten Stockwerks von Altbauten scheinen, sondern über den Gewerbeflächen. "Unsere LED-Beleuchtung für Weihnachten haben wir bis Ostern hängen lassen, damit die Straße in diesen trostlosen Zeiten angenehmes Licht für Besucher bereit hält", erzählt Kaweh Nemati.

Er liebt die Bäume und die Straße. Er hat nicht nur zwei Läden hier, sondern wohnt auch im Quartier. "Für mich gibt es nichts Schöneres als die untere Berger Straße", so der umtriebige Vorsitzende der IGUB. Er sorgt sich um seine Straße. "Man muss Straßen aufwerten, bevor es zu spät ist und Kunden ausbleiben und nicht danach", fordert er und nennt Höchst als Beispiel dafür, wie Shisha-Bars und 1-Euro-Läden übernommen haben, weil "viel zu spät investiert wurde".

Mehr Flair wünscht sich auch Claudia Ehrhardt, Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion im Ortsbeirat 3. "Auch Leute von außerhalb fahren extra auf die Berger Straße, um zu bummeln und einzukaufen. Oder um - in den Zeiten vor Corona - die Kneipen, Bars und Lokale zu besuchen." Zum Bergerstraßenfest kommen mehr als 100 000 Besucher. Jetzt sei die Zeit, aufzuwerten. Sowohl sie als auch Nemati sprudeln vor Ideen. "Ideal wäre es, wenn die Fahrbahn auf Bürgersteigniveau angehoben würde", sind sie sich einig. "Das wirkt optisch ruhiger und Fahrer bremsen automatisch ab", so Nemati, der es selbst getestet hat. "Die 30er-Zone wird gerne ignoriert, die hohen Bodenwellen wiederum zwingen Rettungswagen dazu im Kriechtempo zu fahren, wenn sie Verletzte transportieren."

Viel zu schnell unterwegs

Auch eine Rechts-vor-links-Regelung können sich CDU und IGUB gut vorstellen. "Das zwingt alle dazu, langsam zu fahren und aufeinander zu achten", sagen sie. "Autofahrer und Radfahrer, die ebenfalls regelmäßig rasen, als gäbe es kein Morgen." Statt überall Metallpfosten oder Unmengen an Radständern würden sich an unübersichtlichen Ecken auch Pflanzenkübel anbieten. "Alle Schaufenster sind liebevoll dekoriert, zeigen Farbe, Schönes und Gemütliches. Das sollte sich auch im gesamten Straßenbild widerspiegeln", finden sie. Wer zwischen Bethmannpark und Höhenstraße bummelt, versteht die Warnungen von Nemati. Wer den Blick von den Auslagen und Gastro-Terrassen schweifen lässt, sieht, wie viel sympathische Laternen und eine ruhigere Straßenführung positiv verändern würden. Es gäbe viel mehr Wohlfühl- und Sicherheitsgefühl, ohne dass alles umgekrempelt werden müsste. Im Moment planen die beiden, gemeinsam mit Gewerbetreibenden und Anwohnern, einen kleinen Anfang. Sie wollen Blumen pflanzen und die Straße schrubben. Wann, wird rechtzeitig bekannt gegeben. Namati lacht. "Alles, was die Straße schöner macht, sorgt für bessere Laune. Bei Ladenbesitzern, Kunden und den Gästen."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare