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Die Sozialarbeiterin Maria Lüning verdient zwar anständig, fordert aber mehr Anerkennung des Berufs.

Tarifverhandlung

Für mehr Geld – und Ansehen

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Im öffentlichen Dienst stehen weitere Tarifverhandlungen an. Können sich Arbeitnehmer und Gewerkschaften nicht annähern, drohen Streiks. Warum sie mehr Geld und Anerkennung fordern, erzählen der Flughafenmitarbeiter Hakan Bölükmese (39) und Sozialarbeiterin Maria Lüning (45).

Hakan Bölükmese hat keinen leichten Job. Der 39-Jährige ist Ramp-Agent beim Flughafenbetreiber Fraport. Er überwacht die Abfertigung von Flugzeugen. Während die Maschinen am Boden mit Fracht und Koffern ent- und beladen, gereinigt, mit Kerosin betankt und mit Essen beliefert werden, laufen alle Fäden bei ihm zusammen. „Das ist ein hohes Maß an Verantwortung“, sagt er. „Die Arbeitsprozesse müssen alle kontrolliert und die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden.“

Die Verantwortung, die der Ramp-Agent während der Flugzeugabfertigung übernimmt, spiegelt sich aber in der Bezahlung nicht wider – so empfindet es Hakan Bölükmese. Deshalb setzt er sich auch für eine Erhöhung des Gehalts für den öffentlichen Dienst ein. Derzeit laufen die Tarifverhandlungen, die am Montag in Potsdam in die zweite Runde gehen werden. Sollte auch die dritte Runde Ende diesen Monats erfolglos bleiben, gibt es keine Annäherungen – dann drohen Streiks.

Die Gewerkschaften fordern sechs Prozent mehr Gehalt. Auszubildende sollen 100 Euro mehr bekommen und nach der Lehre unbefristet übernommen werden. Zudem wollen die Gewerkschafter keine Eingriffe in der Altersversorgung sehen und eine neue Entgeltordnung verhandeln. „Um gegen den Fachkräftemangel, der vor allem in den sozialen Berufen herrscht, anzukommen, müssen wir die Arbeit im öffentlichen Dienst wieder attraktiv machen“, sagt Jürgen Bothner, Landesbezirksleiter von Verdi.

Das sieht Maria Lüning ebenso. Die 49-Jährige ist seit 23 Jahren als Sozialarbeiterin bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) beschäftigt. Die private soziale Organisation zahlt ebenfalls nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes. „Ich kümmere mich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im betreuten Wohnen“, sagt Lüning. Sie besucht die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zuhause, versucht sie in Schulen oder Firmen unterzubringen oder besucht mit ihnen Ämter.

„Die Arbeit macht wirklich Spaß. Man kann den jungen Menschen viel mit auf den Weg geben und sie für die Zukunft vorbereiten“, sagt Lüning. „Wenn man nur nicht immer um die Bezahlung feilschen müsste.“ Die studierte Sozialarbeiterin verdient monatlich 4033 Euro brutto. „Als alleinstehende Frau komme ich damit über die Runden. Aber unsere Tätigkeit muss aufgewertet werden.“

In Hessen gibt es im öffentlichen Dienst insgesamt 185 000 Beschäftigte. Dazu zählen neben Angestelltern in der Stadtverwaltung, Erziehern, Krankenschwestern und Müllmännern auch Arbeiternehmer, die bei privaten sozialen Organisationen wie der Arbeiterwohlfahrt oder – wie Hakan Bölükmese – bei kommunalen Gesellschaften wie der Fraport AG, der Mainova oder der VGF beschäftigt sind.

„Ich möchte, dass meine geleistete Arbeit anerkannt und wertgeschätzt wird“, sagt Bölükmese. Immerhin sei seine Tätigkeit nicht nur geistig, sondern auch körperlich herausfordernd. „Ich helfe auch den Kollegen, die Koffer auf die Rollbänder zu wuchten, welche die Gepäckstücke in den Flugzeugbauch befördern“, sagt er. Nicht zu vergessen seien zusätzliche Belastungen wie der Schichtdienst oder die Witterungsverhältnisse, denen die Vorfeldmitarbeiter tagtäglich ausgesetzt sind. „Das ist alles sehr belastend. Viel Zeit für die Familie bleibt auch nicht.“ Und Geld ist erst recht nicht viel vorhanden.

Der gelernte Chemielaborant arbeitet seit 1999 bei Fraport. Er fing als Ladearbeiter an, arbeitete sich hoch. In der Entgeltgruppe 6 des öffentlichen Dienstes verdient der Vater von zwei Kindern aber nur 2851 Euro brutto. „Da überlegt man täglich, ob die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich ist.“ Mit dem Gehalt seien selbst Kinobesuche nur selten zu realisieren. Auch für den Familienurlaub alle zwei Jahre müsse kräftig gespart werden. „Aber einmal im Monat gehen wir alle zusammen essen. Das gönnen wir uns.“

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