John Dippell vom BUND macht einen Rundgang über den Preungesheimer Friedhof und schaut nach der Insektenfreundlichkeit. foto: Reinhardt
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John Dippell vom BUND macht einen Rundgang über den Preungesheimer Friedhof und schaut nach der Insektenfreundlichkeit. foto: Reinhardt

Frankfurt: Blume ist nicht gleich Blume

Wie mehr Leben auf den Friedhof kommt

  • vonFriedrich Reinhardt
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Der BUND fordert eine insektenfreundlichere Bepflanzung

In Friedhöfen sieht Julian Langner einen "ökologischen Hotspot", die "einen Betrag zur Biodiversität im Stadtgebiet" leisten. Diesen Aspekt möchte der FDP-Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim) stärken und Friedhöfe insektenfreundlicher gestalten. Aber sind sie das nicht ohnehin, schließlich werden auf den Gräbern doch lauter Blumen gepflanzt? Die kurze Antwort: nicht unbedingt.

Für Insekten sind Blüten nicht gleich Blüten, sagt John Dippell. Der hochgewachsene, hagere Mann pflegt mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die insektenfreundliche Blumenwiese auf der Verkehrsinsel, wo Gießener Straße und Homburger Landstraße ineinanderfließen. Wer dort einmal mit dem Auto oder dem Fahrrad an der Ampel steht, sieht, dass die Luft über den Blüten und Gräsern zu vibrieren scheint von all den Bienen und Schmetterlingen.

Verglichen damit herrscht auf dem Preungesheimer Friedhof Totenstille. Nur vereinzelt sieht man Insekten durch die Luft fliegen oder über den Boden krabbeln. Geht es um die Insektenfreundlichkeit von Pflanzen müsse man grundsätzlich zwischen gefüllten und ungefüllten Blüten unterscheiden, sagt Dippell. Bei letzteren liegen die Staubblätter frei, also die kleinen Stängel, die die Pollen produzieren und an denen die Insekten Nahrung finden. Bei gefüllten Blüten sind diese Staubblätter in Blütenblätter umgewandelt. Bestes Beispiel sind die Rosen, wie sie oft zum Valentinstag verschenkt werden. Für Insekten gibt es da nichts zu holen.

Doch genau darum gehe es bei der Biodiversität, sagt Dippell. Mit den richtigen Pflanzen ziehe man Insekten an, die ziehen dann wiederum etwa Vögel an. "Darum macht es Sinn, möglichst viel an der Basis der Nahrungskette zu tun." Und das ist die Pflanzenwelt.

Dippell läuft langsam an den Gräbern vorbei, beugt sich hier und da hinunter zu den wild blühenden kleinen Pflänzchen auf den Wegen und zählt dabei auf: Hortensien sind für Insekten nicht geeignet, Stiefmütterchen sind auch nicht so gut. Er zeigt auf einen kleinen Nadelbaum. "Eine Zuckerhutfichte, die blüht nicht einmal. Sie hat gar keinen ökologischen Wert." Gut für Insekten seien etwa Margeriten, Korbblütengewächse generell. Schmetterlinge profitierten von Brennnesseln. "Auch Lavendel wird gern von Insekten angenommen.

An der Basis der Nahrungskette

Es geht aber nicht nur um die Pflanzenauswahl auf den Gräbern. "Besser für die Insekten wäre es, wenn man die Rasenfläche seltener mähen würde." Auch Totholz würde Käfern helfen, sich fortzupflanzen.

Und wie wäre ein "Insektenhotel"? "Damit würde man das Pferd von hinten aufzäumen", erklärt Dippell. Erst müsse man für eine ausreichend Nahrung sorgen. Auch verbreiteten sich in Insektenhotels Parasiten, die von den Insekten leben. Dippel überlegt kurz und zieht diesen Einwand wieder zurück. "'Parasit' ist so ein negativer Ausdruck." Denn auch Insektenparasiten gehören zur Artenvielfalt und Biodiversität. Friedrich Reinhardt

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