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Lesepatin Birgit Wenzel zusammen mit der achtjährigen Sofia in der Holzhausenschule.

Schulbildung im Nordend

Mehr Lesepaten braucht die Stadt

Lesen – für Kinder elementar für das eigenständige Erkunden unserer Welt. Deshalb sind die Frankfurter Lesepaten an den Grundschulen beliebt. 300 ehrenamtliche Leselernhelfer reichen aber noch lange nicht aus, meint Projektleiterin Dagmar Haase.

Von Wilke Bitter

Eine himmlische Ruhe herrscht in Christiane Rossmaniths Klassenzimmer in der Holzhausensschule. Ihre Zweitklässler haben gerade Kunst und basteln – passend zum Sommer – Eistüten aus durchsichtigem Krepp-Papier. Alle schnippeln und hantieren mit dem Kleber, bis auf Sofia (8), die liest in der Lese-Lounge der Klasse im Deutsch-Übungsbuch.

„Melek mag Kiwis, deshalb kauft sie gleich fünf davon.“ Bei Sofia sitzt Birgit Wenzel und hilft, wenn schwierige Wörter Sofia ins Straucheln bringen. Wenzel ist eine der Frankfurter Lesepaten und seit über einem Jahr an der Holzhausenschule in Frau Rossmaniths Klasse im Einsatz. „Das funktioniert super“, flüstert Klassenlehrerin Rossmanith, um niemanden zu stören, „die Extra-Übung einmal die Woche können einige Kinder wirklich gut gebrauchen und mit Frau Wenzel haben wir Glück, sie gehört zur Klasse dazu.“

Mit zwei weiteren Lesepaten übt Wenzel an der Holzhausenschule mit Kindern das Lesen, geht gezielt auf das individuelle Können der Grundschüler ein. Für Schulleiterin Josefa Maria Hybner-Kauß und Lehrerin Kerstin Rosanka, die die Paten an der Schule betreut, ist das Engagement der Freiwilligen von unschätzbarem Wert. „Der Lerneffekt, den die wenigen Extrastunden haben, ist toll“, weiß Rosanka aus eigener Erfahrung. „Wir hätten nur gern einfach noch mehr von ihnen, am besten für jede Klasse!“

Den Wunsch der Lehrerin kennt Dagmar Haase, Projektleiterin der Lesepaten, nur zu gut. „Auch an der Kasinoschule in Höchst, der Martin-Buber-Schule in Sachsenhausen, der Kerschensteinerschule in Hausen und der Grundschule Riedberg II werden dringend weitere gesucht“, sagt Haase. Nachdem die Initiative vor fünf Jahren von Sybille und Otto Schneider mit 23 Lesepaten gestartet war, begrüßte Haase auf der Jahresversammlung der Paten vor zwei Wochen den 300. Leselernhelfer. Wegen der immer komplexeren Logistik ist das Projekt seit diesem Jahr unter der Frankfurter Bürgerstiftung organisiert. „Die Mitmacherzahl steigt zwar beständig“, sagt Haase. „Gleichzeitig hören aber immer mehr Lehrer von ihren Kollegen von dem Projekt und wollen auch bedacht werden.“

Allzu hoch seien die Hürden zum Mitmachen nicht, betont Haase. Nach dem obligatorischen Bewerbungsgespräch bei der Projektleitung können die Paten eine Schulstunde in einer Klasse hospitieren. „Danach wissen die meisten, ob sie sich längerfristig engagieren wollen, denn Leute, die zumindest ein Halbjahr dabeibleiben, sind uns am liebsten.“ Auf die Teststunde folge dann ein Workshop an der Volkshochschule, in dem man lernt, sich in die kleinen Leselerner hineinzuversetzen, genau zuzuhören, wo es noch hakt.

„Optional sind dann noch weitere Fortbildungen, entsprechende Kurse vermitteln wir dann auch gerne.“ Während es im Nordend durch die hohe Dichte an Studierenden und ehemaligen Angestellten im Ruhestand insgesamt noch ganz gut aussehe, würden sich die Paten besonders über Zuwachs aus Randgebieten der Stadt wie Fechenheim oder Nied freuen, „weil die meisten Paten natürlich nicht gern weit fahren möchten und vor Ort in ihrem eigenen Stadtteil helfen möchten“, erläutert Haase.

Mehr Infos, wie man zum Frankfurter Lesepaten wird oder im Hintergrund zum Beispiel bei der Logistik helfen kann, finden sich auf der Homepage der Initiative , Projektleiterin und Sprecherin Dagmar Haase erreicht man unter 0 61 72 – 4 48 31.

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