Die Zahl der Grundschüler steigt rasant. So rasant, dass die Stadt mit dem Bau neuer Schulen kaum hinterherkommt. Und auch sonst liegt beim Thema Bildung einiges im Argen... Viel zu tun für die neue Stadtregierung, die am Sonntag gewählt wird.
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Die Zahl der Grundschüler steigt rasant. So rasant, dass die Stadt mit dem Bau neuer Schulen kaum hinterherkommt. Und auch sonst liegt beim Thema Bildung einiges im Argen... Viel zu tun für die neue Stadtregierung, die am Sonntag gewählt wird.

Kommunalwahl in Frankfurt

Mehr Schulen, mehr Kitaplätze, mehr digitale Angebote

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Wie die Parteien Bildungslandschaft auf Vordermann bringen wollen.

Frankfurt -Frankfurts Schulgebäude sind teilweise nach wie vor stark in die Jahre gekommen. Die Fenster und Dächer sind undicht. Auf den Toiletten stinkt's. Die Ausstattung ist veraltet, nur wenige Schulen sind mit mobilen Zugängen zum Internet ausgestattet. Es fehlen Hort- und Kitaplätze. Auch Erzieher sind Mangelware, weshalb einige Einrichtungen erst gar nicht öffnen können.

Auf die neue Stadtregierung kommt in den nächsten fünf Jahren einiges zu. Die Zahl der Kinder in Frankfurt steigt und steigt immer weiter. Die Statistiker der Stadt rechnen damit, dass die Zahl der Knirpse zwischen 0 und 3 Jahren bis 2025 um gut 3650 auf etwa 29 380 wächst. Im selben Zeitraum soll es in Frankfurt gut 4100 Kinder zwischen 3 und 6 Jahren mehr geben. Das sind insgesamt 30 370 Kinder im Kindergartenalter. Die Zahl der Schüler soll um 10 500 auf 73 400 Kinder und Jugendliche steigen.

Doch wo sollen all diese Kinder betreut werden? Wo sollen sie zur Schule gehen? Und wie will man mit allen anderen Dingen, die die Bildung betreffen, umgehen? Wir haben die Wahlprogramme der sechs größten im Römer vertretenen Parteien genau unter die Lupe genommen und geschaut, wie sie die Bildungslandschaft auf Vordermann bringen wollen:

Neue Schulen

Dass Frankfurt neue Schulen braucht, da sind sich alle Parteien einig. Konkret wird allerdings nur die SPD. Die Sozialdemokraten wollen mit 1,5 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren 24 neue Schulen bauen. Dabei soll es sich um nachhaltige Schulen mit Solaranlagen auf dem Dach und begrünten Fassaden handeln. Auch die Grünen verlangen, dass bei Neubauten "auf ökologische Belange" geachtet werden muss. Die Schulen sollen teilweise mit unversiegelten Pausenhöfen geplant werden. Versiegelte Schulhöfe sollen entsiegelt und begrünt werden. Die FDP fordert, dass Lüftungsanlagen und Luftfilter bei Neubauten standardmäßig eingebaut werden. Auch die AfD will Luftfiltergeräte für alle Klassenräume. Wo die neuen Schulen entstehen sollen, bleibt jedoch unklar. Freie, große Areale, die bebaut werden können, sind in Frankfurt nämlich rar. Die CDU immerhin schlägt vor, neue Schulen vermehrt in Bestandsgebäuden einzurichten. Die Christdemokraten sind es auch, die "nach Jahren der randvollen Schulen" mehr Spielraum und deshalb einen Puffer von 105 Prozent Schulplätzen gegenüber dem ermittelten Bedarf erreichen wollen. Neubauten sollen ihrer Ansicht nach "multifunktional" errichtet werden - etwa in Kombination mit Wohnungen oder einem Pausenhof auf dem Dach.

Schultypen

Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien oder Gesamtschulen? Das ist hier die Frage. Während die AfD an dem dreigliedrigen System festhalten will und mehr Gymnasien vor allem im Norden und Osten der Stadt fordert, will die Linkspartei das System abschaffen und Integrierte Gesamtschulen ausbauen, für die Chancengleichheit der Kinder. Die FDP richtet ihr Augenmerk auf den Ausbau von Grundschulen, Gymnasien, Haupt- sowie Realschulen. Der Fokus der CDU liegt auf eigenständigen Realschulen, verbundenen Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien. Die Grünen fordern insgesamt mehr weiterführende Schulen und gymnasialen Oberstufen. Die AfD will außerdem erreichen, dass die Eltern wählen dürfen, welche Grundschule ihre Kinder besuchen. Bisher ist es so, dass künftige Erstklässler einer Schule zugewiesen werden - je nachdem, wo sie wohnen.

Sanierungen

Dass die Schulen zügiger saniert werden sollen, da sind sich die Parteien einig. Die CDU will die Sanierungsmaßnahmen für "maßvolle" Schulerweiterungen nutzen. Die SPD will gar ein neues Aktionsprogramm für die Sanierungen vorantreiben. Das Augenmerk der Sozialdemokraten liegt dabei auf einer flächendeckenden Aufhübschung der Schultoiletten. In diesem Zuge sollen auch die Reinigungsdienste rekommunalisiert werden. Das fordert auch die Linke, die für schnellere Sanierungen auch mehr Fachpersonal bereitstellen will. Die FDP will mehr Sauberkeit der Sanitäranlagen durch Präsenzkräfte vor Ort gewährleisten. Die Grünen wollen, dass alle Schulen bis 2030 klimaneutral sind. Sie wollen Schulprojekte fördern, die energetische und thermische Verbesserungen an den Schulgebäuden vorantreiben.

Ganztag

SPD, Grüne, Linke und FDP machen sich für einen Ausbau der Ganztagsschulen stark. Gleichzeitig fordern sie mehr Hortplätze. Immerhin gilt von 2025 an ein Rechtsanspruch auf die Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern. Die Linke will darüberhinaus die Betreuung im Hort kostenfrei anbieten. Die CDU will ebenfalls mehr Hortplätze schaffen - auch für Kinder der fünften und sechsten Klasse, wenn es an den Schulen keine Ganztagsangebote gibt. Eine Ganztagspflicht jedoch lehnen die Christdemokraten ab. Sie machen sich für "flexible Ganztagsschulen mit freiwilligen Angeboten" stark. Die Betreuung sollte bis "idealerweise" 17.30 Uhr "verlässlich" und "pädagogisch hochwertig" sein.

Digitalisierung

Die Digitalisierung an Frankfurts Schulen hat in der zu Ende gehenden Legislaturperiode für viel Zündstoff gesorgt. In den Wahlprogrammen ist davon nicht mehr viel zu lesen. Bis auf die AfD fordern alle Parteien, dass die Schulen mit WLAN, Laptops, Beamern und Kameras ausgestattet und an das Glasfasernetz angeschlossen werden müssen. Auch IT-Fachkräfte stehen auf dem Wunschzettel. Kinder ohne digitale Endgeräte sollen diese gestellt bekommen. Die AfD hingegen fordert "einen planvollen Einsatz der digitalen Medien als Ergänzung zum Präsenzunterricht" und weist darauf hin, dass durch die Digitalisierung das Schreiben als Kulturtechnik nicht verloren gehen darf.

Schulessen

Die Essensversorgung an Schulen hat nicht in allen Wahlprogrammen Einzug erhalten, obwohl es in der Wahlperiode Streit um die Mensen gegeben hat, nachdem an der IGS Nordend die kleine Cantina Buen Barrio die Ausschreibung gegen den Großkonzern Sodexo verloren hatte. Die Kriterien für die europäische Ausschreibung wurden daraufhin überarbeitet, um kleinen und regionalen Caterern größere Chancen zu gewähren - ohne Erfolg. Nun will die SPD künftig, dass die Stadt die Essensversorgung an den Schulen übernimmt. Das Mittagessen soll kostenlos sein. Für beides will sich auch die Linkspartei starkmachen. Die FDP will die Vergabekriterien für den Schulkantinenbetrieb neu definieren. Die Schulgemeinde soll mehr Mitspracherecht bekommen. Die Grünen wollen das Anlegen von Gemüsegärten in Schulen und Kitas unterstützen.

Kinderbetreuung

Selbstredend - für mehr Betreuungsplätze für kleine Kinder setzen sich alle Parteien ein. Die SPD wird konkret: In den kommenden fünf Jahren sollen 8000 zusätzliche Plätze geschaffen werden. Zudem soll der Besuch von Krippen und Krabbelstuben kostenfrei werden. Das fordert die Linkspartei ebenso wie kostenfreies Mittagessen. Die FDP macht sich für flexiblere Öffnungszeiten stark und kann sich 16- oder gar 24-Stunden-Kitas vorstellen. Grüne, Linke und AfD wollen den Erzieherberuf mit einer besseren Bezahlung aufwerten. FDP und CDU hingegen wollen jährlich mehr Erzieher ausbilden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die Christdemokraten wollen außerdem bezahlbare stadteigene Wohnungen für Erzieher.

Inklusion

Das Thema Inklusion in Schulen spielt nicht bei allen Parteien eine Rolle. CDU, Grüne und AfD immerhin thematisieren es. Während die Grünen das Modellprojekt Inklusion fortsetzen und sich beim Land für mehr Lehrerstunden einsetzen wollen, bezeichnet die AfD die Inklusion als "Illusion". Sie will Förderschulen erhalten und ausbauen. Auch die CDU lehnt die Schließung von Förderschulen ab. Sie fordert darüber hinaus feste Förderschullehrer an Regelschulen. Sie sollen nicht mehr zwischen Schulen pendeln müssen.

. . . und sonst noch?

Zwei Parteien erwähnen die Europäische Schule: Die CDU nennt konkret die Mainwasen in Sachsenhausen als "perfekten Standort". Die FDP plädiert dafür, dass endlich ein geeigneter Standort in Frankfurt gefunden werden muss, ohne konkret zu werden. Eine Abwanderung der Schule in eine andere Stadt wäre für die Freidemokraten "ein Verlust". Sie wollen außerdem, dass beim Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule 20 Prozent der Plätze nach Noten vergeben werden. Die SPD hingegen will, dass alle Kinder schwimmen lernen. Statt weitere Schulschwimmbäder zu schließen, soll geprüft werden, wo neue gebaut werden können. Julia Lorenz

In der Theobald-Ziegler-Schule waren die Toiletten in einem derart jämmerlichen Zustand, dass die Eltern selbst eine Putzfrau als Minijobberin eingestellt haben.

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