+
Depressive Gedanken können wie ein Strudel sein, der einen Menschen nach unten zieht.

Prävention

Mehr Suizide als in anderen Städten: Wie kann man helfen?

Rund 90 Menschen nehmen sich jährlich in Frankfurt das Leben – mehr als im Durchschnitt anderer Großstädte. Suizidales Verhalten ist fast immer Symptom einer psychischen Krankheit. Ein Tagung berät über Lösungswege.

Was lässt sich tun, um einem Suizidgefährdeten zu helfen? Das ist eine Frage, die sich angesichts von rund 90 Selbsttötungen pro Jahr in Frankfurt stellt. Ihn ansprechen, wenn man einen Verdacht hat, antwortet Barbara Schneider, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) und Professorin aus Köln. Aufmerksam sein, den Betreffenden aus den Gedanken herausholen, dann professionelle Hilfe holen. Basiswissen wie dieses vermittelt das Frankfurter Projekt Frappe nicht nur Journalisten, sondern auch Hausärzten, Polizisten, Rettungshelfer, Lehrern. Drei Jahre wird es vom Bund gefördert. Bis zum Jahr 2021 soll die absolute Zahl der Suizide auf 60 sinken.

Ein ehrgeiziges Ziel. Beteiligt sind das Gesundheitsamt, die Uniklinik, das Markuskrankenhaus sowie die Kliniken Höchst und Hohemark. „In Frankfurt finden wir genau solche urbanen Bedingungen vor, die sich auf die psychische Gesundheit auswirken“, sagt Andreas Reif, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Uniklinik, Gastgeber der dreitägigen Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS). Bis einschließlich Sonntag werden die Experten diskutieren, welche Wege es zu gehen gilt. Seit Gründung der DGS vor 45 Jahren sei die Anzahl der Suizide zwar erheblich gesunken, sagt Schneider. Doch seit einiger Zeit stagnieren sie.

Frankfurt liegt im Vergleich zu anderen Großstädten leicht über dem Niveau. Das könnte an den Örtlichkeiten liegen, an der engen Bebauung, an dem von Arbeit stark geprägten Alltag. Auch das ist ein Thema der Herbsttagung. Christiane Schlang von der Uniklinik wird Frappe vorstellen, das auch ergründet, wo die Hotspots in der Stadt liegen. Mit baulichen Veränderungen sei mancherorts die Gefahr entschärft worden, sagt Schlang. Sie bittet aber, nicht den Namen von Örtlichkeiten zu nennen, wegen der Nachahmungsgefahr.

Bei der Tagung präsentiert Frappe erste Ergebnisse. So werden seit April sämtliche Suizid-Versuche in den vier beteiligten psychiatrischen Kliniken der Stadt dokumentiert. Rund 35 sind es durchschnittlich im Monat. „Die Dunkelziffer ist hoch“, sagt Reif. „Schätzungen gehen von 150 aus.“ Lediglich ein Viertel der Fälle wird psychiatrisch behandelt. Diese Quote wollen die Akteure erhöhen. Es geht aber auch um bessere Nachsorge. Oder Angebote gegen Einsamkeit. Als hilfreich haben sich in Berlin wohnortnahe Treffpunkte erwiesen, sagt Michael Witte, Geschäftsführer der DGS. Ältere Menschen könnten hier Kontakte pflegen. Neben den jungen Frauen sind Männer über 65 Jahren die zweite Gruppe, die besonders stark gefährdet ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare