Ob die Toilette für die Straßenbahnfahrer am Haardtwaldplatz künftig öffentlich nutzbar ist, ist unklar. Das würde die Toilettennot im Stadtteil zumindest etwas lindern.
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Ob die Toilette für die Straßenbahnfahrer am Haardtwaldplatz künftig öffentlich nutzbar ist, ist unklar. Das würde die Toilettennot im Stadtteil zumindest etwas lindern.

Notdurft in Niederrad

Mehr Toiletten sind dringend gefordert

  • vonStefanie Wehr
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Im Stadtteil gibt es keine öffentliche Sanitäranlagen, nur am Licht- und Luft-Bad am Main.

Nachdem das städtische Baudezernat unter Jan Schneider (CDU) jahrelang an einem Konzept für öffentliche Toiletten für Frankfurt getüftelt und sage und schreibe 480 Standorte geprüft hat, gibt es immer noch keine Erkenntnisse übers Ergebnis. Der Magistrat muss die angekündigten 18 neuen Standorte absegnen, erst dann werden sie öffentlich gemacht und im Stadtparlament diskutiert, sagt der Sprecher des Bauderzernenten, Günter Murr.

Nirgends wäre eine öffentliche Toilette so dringend nötig wie in Niederrad. Denn dort gibt es bislang gar keine. Wer etwa im Elli-Lucht-Park einen gemütlichen Nachmittag verbringen will, kann nicht allzu viel Zeit mitbringen - denn spätestens, wenn die Blase drückt, muss der Rückweg nach Hause angetreten werden. Eine Toilette gibt es dort nicht.

Der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) hat das längst moniert. Die Antwort der Stadt lautete, das nächste öffentliche WC befinde sich im Licht- und Luftbad, dort könnten die Besucher des Elli-Lucht-Parks ja hinlaufen. Problem: Das Licht- und Luftbad liegt einen strammen Fußmarsch weit weg auf der anderen Seite der Niederräder Uferstraße unten am Main. Niemand wird sich auf diesen Weg weitab des Ortskerns machen, um aufs stille Örtchen zu gehen.

Den toilettenlosen Zustand will die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 5 nicht länger hinnehmen und bringt einen Antrag zur morgigen Sitzung ein. Ein Toilettenkonzept für Niederrad soll her. Es könne nicht sein, "dass es für den ganzen Stadtteil seit Jahren keine Planung für eine öffentliche Toilette gibt", sagt die Antragstellerin Petra Korn-Overländer. Zündstoff in der Debatte gab zuletzt der aufwendig geplante Rennbahn-Park mit Spielplätzen, Sportgeräten, Ruhezonen und Kinderfarm - aber keiner Toilette. Das Grünflächenamt befand sich schlicht nicht für zuständig, ebenso wenig das Baudezernat.

Absurd mutet auch die Tatsache an, dass es auf dem Bruchfeldplatz, dem Treffpunkt im Ortskern an der wichtigsten Einkaufsstraße des Stadtteils, keine Toilette gibt. Der Platz soll in ein paar Jahren umgestaltet werden und soll dann - so will es der Ortsbeirat - eine öffentliche Sanitäranlage erhalten. Bis dahin aber müssen die Leute sich beim Einkauf sputen. Die Möglichkeit zur Erleichterung ist lediglich samstags, am Markttag, gegeben, wenn die Kirche Mutter vom Guten Rat dafür ihre Türen öffnet.

Toiletten, die allerdings für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben, existieren im Stadtteil sehr wohl. Zum Beispiel am Haardtwaldplatz, der viel frequentiert ist wegen des Spielplatzes und der Haltestelle. Beim Kiosk an der Straßenbahnhaltestelle gibt es ein WC, das aber nur Mitarbeiter der VGF nutzen dürfen. "Diese Toiletten betreiben wir an Endhaltestellen", erklärt Karola Brack von der VGF-Pressestelle. Straßenbahnfahrer und auch Busfahrer nutzen den Abort. Trinkhallen- und Kiosk-WCs sollen laut städtischem Toilettenkonzept künftig öffentlich betrieben werden. Ob dies für die Toilette am Haardtwaldplatz auch vorgesehen ist, ist unklar. Stefanie Wehr

Sitzung des Ortsbeirats 5

Der Ortsbeirat 5 tagt Freitag, 11. Juni, ab 19 Uhr im Saalbau Südbahnhof.

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