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Auf dem nördlichen Teil der Königsteiner Straße in Unterliederbach darf nur noch 30 gefahren werden.

Probleme in Unterliederbach

Mehr Verkehr trotz Tempo 30 auf der Königsteiner Straße

Seit knapp eineinhalb Jahren läuft der Verkehrsversuch Tempo 30 auf der nördlichen Königsteiner Straße. Dazu gibt es interessante Daten, die gestern dem Ortsbeirat vorgestellt wurden. Und in einer Straße ist man sehr unglücklich mit der neuen Situation.

Wer aus dem Taunus kommt, kann das Tempo-30-Schild kurz hinter dem Unterliederbacher Ortseingang gut erkennen. Mittlerweile steht 30 auch groß auf der Straße. Der Verkehrsversuch, bei dem auf der Königsteiner Straße zwischen Autobahnabfahrt und Burgunderweg statt 50 nur noch 30 gefahren werden darf, läuft seit dem 17. April 2015. Anwohner wie Wolfgang Stillger sind froh, dass es vor ihrer Haustür endlich etwas ruhiger geworden ist. Das liegt freilich aber nicht daran, dass weniger Autos unterwegs sind. Im Gegenteil: 36 470 Wagen wurden im Juni dieses Jahres pro Tag gezählt – und damit deutlich mehr als vorher. Da habe die Zahl bei rund 33 000 gelegen, berichtete Wolfgang Preising vom Referat Mobilitäts- und Verkehrsplanung gestern Abend im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen). „Es ist nach wie vor sehr viel Verkehr“, sagte er.

Gezählt wurde an vier Stellen. Eben am Ortseingang vor der Hans-Böckler-Straße, in der Hans-Böckler-Straße an der Ecke zur Königsteiner Straße, am Burgunderweg in Höhe der Tankstelle und im Gotenweg nördlich des Burgunderwegs. Große Veränderungen gibt es dabei nicht, obwohl doch vor Beginn des Verkehrsversuchs mit viel Schleichverkehr in den umliegenden Straßen gerechnet wurde – auch, weil das Regierungspräsidium Darmstadt diesen gar nicht genehmigt hätte, wenn man nun nicht auch von der Königsteiner Straße und den Seitenstraßen nach links Abbiegen dürfte. Dies erklärt für Preising auch, dass in der Hans-Böckler-Straße nun etwas mehr Autos unterwegs sind, rund 3000 pro Tag: „Davon profitieren ja auch die Anwohner.“ Die können nun ohne Umweg direkt in beide Richtungen auf die Hauptverkehrsstraße einbiegen.

Was in der Hans-Böckler-Straße also offenkundig nicht passiert ist, obwohl es dort besonders befürchtet wurde, sehen viele Anwohner auf der anderen Seite der Königsteiner Straße. In der Engelsruhe seien deutlich mehr Autos unterwegs als vorher, zudem werde gerast. Nur hier wurde nie gezählt und auch nie die Geschwindigkeit kontrolliert. Preisings Versuch zu sagen, dass es den Schleichverkehr nicht gebe, was die Zahlen an der Gotenstraße belegten, konterte der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Höchst/Unterliederbach Hans-Christoph Weibler: „Der Gotenweg wird nicht tangiert. Die Leute fahren weiter bis nach Sossenheim.“

Auch SPD-Ortsbeirat Alexander Schott sagte, dass ihm mehrfach von dem Problem berichtet worden sei. Inklusive Teutonenweg dürfe es „keine Rennstrecke parallel zum Sossenheimer Weg“ geben. Und auch wenn Wolfgang Stillger den erhöhten Verkehr in der Engelsruhe mit den vielen Neubauten dort zu erklären versuchte, blieben Anwohner bei ihrer Meinung. „Da wird mit 60 oder 70 durchgerast. Als Radfahrer hat man Angst“, sagte etwa eine Dame. Schott und Weibler forderten denn auch ein Zählung in der Engelsruhe und am Besten gleich auch im benachbarten Chattenweg.

„Wir können uns die Linksabbieger angucken“, versprach Preising. Grünen-Fraktionschef Thomas Schlimme hielt das für überflüssig: „Wir wollen den Schleichweg nicht. Wir sollten also gucken, dass man den Weg nach Sossenheim weniger effektiv macht.“ Über solche Lösungen darf der Ortsbeirat nun also nachdenken. Das gilt auch für die Raserei, schließlich würden Beschwerden darüber von vielen Stellen des Ortsbezirks vorgetragen, wie Schlimme sagte. „Wegen all dem muss man den Verkehrsversuch aber nicht in Frage stellen.“

Dass mittlerweile zumindest auf der Königsteiner Straße tatsächlich langsamer gefahren wird, belegen die Zahlen der Blitzer. Markus Kalb, beim Straßenverkehrsamt in der Abteilung Verkehrssicherheit beschäftigt, berichtete, dass seit der Einführung von Tempo 30 auf der Königsteiner Straße 40 mal geblitzt wurde. 45 000 Autos seien dabei in 94 Stunden kontrolliert, 7343

Verkehrssünder erwischt

worden. Das macht insgesamt 16,1 Prozent. Allerdings ist diese Zahl von 2015 auf 2016 von 21 auf 14 Prozent gesunken. Das stadtweite Mittel in Tempo-30 Zonen läge bei 13,4 Prozent. „Wir nähern uns also an.“

Für Anwohner wirkt das trotzdem extrem. „Da blitzt es wie in einer Disco“, sagte einer. Kalb erklärte dies mit der hohen Verkehrsdichte, erntete aber auch Kopfschütteln als er erklärte, dass nachts nicht geblitzt werde, weil es keinen Nachtdienst gebe. Mit seiner Meinung, dass dies auf Dauer nicht sein dürfe, stand Schlimme nicht allein. „Nachts werden die Straßen hier zu Rennstrecken“, sagte eine weitere Anwohnerin – und erhielt Applaus als sie ankündigte: „Zur Not würde ich auch die Messungen übernehmen.

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