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Mehrere Hunde sterben in Frankfurt

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Von: Judith Dietermann

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Hunde und Herrchen trauerten gemeinsam: Bei einer Mahnwache im Bonifatiuspark wurde der verstorbenen Vierbeiner gedacht.
Hunde und Herrchen trauerten gemeinsam: Bei einer Mahnwache im Bonifatiuspark wurde der verstorbenen Vierbeiner gedacht. © rainer rüffer

Unbekannte verstecken Lockmittel unter Bänken im Riedberger Bonifatiuspark - Polizei ermittelt

Der Riedberg befindet sich in Schockstarre: Seit Freitagmorgen sind mehrere Hunde vergiftet worden und verstorben. Unter den Bänken im Bonifatiuspark hatten Unbekannte Giftköder ausgelegt, bereits gegen neun Uhr morgens teilte die Tierklinik in Kalbach der Polizei mit, dass mehrere Hunde mit Vergiftungserscheinungen eingeliefert worden seien. Von denen viele, trotz sofortiger Hilfe, nicht gerettet werden konnten. Von neun vergifteten und vier verstorbenen Hunden berichtete die Polizei gestern.

„Es sind sogar mindestens sieben, wenn nicht sogar zehn Hunde, die es nicht geschafft haben. Die Stimmung ist gedrückt, wir finden keine Worte“, sagt Beate Matzollek. Auch sie war am Freitagmorgen, gegen halb neun im Bonifatiuspark unterwegs. Mit ihren beiden Hunden - 14 Jahre und elf Monate alt. Die „zum Glück“ beide angeleint waren. Bei jeder Bank hätten sie an der Leine gezogen und versucht, unter die Sitzfläche zu gelangen, berichtet Matzollek, die seit mittlerweile 18 Jahren auf dem Riedberg wohnt und deswegen viele Hundebesitzer kennt.

Irgendwann sei sie neugierig geworden und hätte unter eine der Bänke geschaut. Ein „komisches Etwas“, das wie ein Haferflockenball aussah, fand sie dort. Zunächst habe sie sich dabei nichts gedacht, bis sie diese Bällchen auch unter den anderen Bänken fand. „Da wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Als mich dann auch noch eine Freundin anrief, die nach dem morgendlichen Spaziergang im Bonifatiuspark mit ihrem Hund in der Tierklinik in Kalbach saß, war mir alles klar“, sagt sie.

Beate Matzollek reagierte sofort: Sie lief nach Hause, sperrte ihre Hunde ein, schnappte sich Tüten und begann, die Giftköder einzusammeln. Fast unter jeder Bank wurde sie fündig, sogar in den Mauerritzen. Zudem warnte sie die Hundebesitzer, die ihr entgegenkamen.

Zu ihrem Tierarzt nach Bad Homburg brachte Matzollek die Giftköder, dort wurde ein Schnelltest gemacht. Mit dem Ergebnis: Heroin und Amphetamine wurden festgestellt. Weiter ging es zum 14. Polizeirevier, wo die Beamten bereits informiert waren. Es hatten sich bereits betroffene Hundebesitzer gemeldet, die ersten Tiere waren verstorben.

In den Sozialen Medien wird oft gewarnt

Meldungen über Giftköder gibt es, vor allem in den Stadtteil-Gruppen der Sozialen Medien, immer wieder. Oftmals rund um den Frankfurter Stadtwald - ob in Oberrad, Niederrad, Schwanheim oder Goldstein. Häufig gibt es keine offizielle Bestätigung der Polizei, trotzdem kocht das Thema immer wieder hoch. So wurde erst jüngst von Hunden berichtet, denen in der Tierklinik Hofheim nur knapp das Leben gerettet werden konnte.

Dass jedoch so viele Tiere in solch einem kurzen Zeitraum ums Leben kommen, wie jetzt am Riedberg, das hat Seltenheitswert. „Es gibt zwar viele Hundehasser im Stadtteil, aber das es so weit geht, damit hat niemand von uns gerechnet. Wir sind sauer und traurig“, sagt Beate Matzollek. Traurig, aber mindestens genau so verzweifelt und wütend ist auch die vierköpfige Familie B. Denn für ihren Hund Buddy kam jede Hilfe zu spät. Der portugiesische Wasserhund wurde nur vier Jahre alt. Unter einer der Bänke sei Buddy bei der Morgenrunde verschwunden, zu Hause sei er dann „völlig durchgedreht“, wie auf Drogen, berichtet Marc B. Irgendwann beschloss er, mit ihm zum Tierarzt zu fahren. Buddy wurde immer lethargischer, bei der Ankunft fiel er aus dem Kofferraum schlaff in die Arme seines Herrchens. „Es sind Bilder, die ich nie, nie vergessen werde“, ringt der Familienvater um Fassung. In der Praxis bekam der Hund Infusionen, er stabilisierte sich, die Familie fuhr hoffnungsvoll nach Hause. Doch eine Stunde später kam der Anruf: Buddy war tot. „Für uns ist eine Welt zusammengebrochen. Buddy konnte niemandem etwas zuleide tun. Wer macht so etwas nur“, sagt Marc B. Auch zwei Tage später ist die Familie am Boden zerstört.

Um Buddy, Blacky, Lennox, Ruby und den anderen verstorbenen Hunden zu gedenken, fand gestern im Bonifatiuspark eine Mahnwache statt. Die Polizei hat derweil die Ermittlungen aufgenommen. Eine Warnmeldung wurde bereits am Freitag herausgegeben.

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