+
Mit diesem Motorboot fuhr der Bootseigentümer gestern an den havarierten Katamaran heran.

Selbstgebautes Sport- und Hausboot

„Mein ganzes Leben ist versunken“

  • schließen

Richard Kling (58) wollte seinen Sportkatamaran vor dem Hochwasser in den Osthafen retten. Auf dem Weg dorthin versank das Boot, das dem Sachsenhäuser als Wohnstätte diente, aber halb im Main. Die Bergung wird ein kleines Vermögen kosten. Klings Tochter hat daher eine Spendenkampagne gestartet.

Der Untergang des Sportkatamarans, den Richard Kling als sein „Lebenswerk“ bezeichnet, begann am Freitag gegen 13 Uhr. Kapitän Kling und sein Kumpel Oliver Dehm schipperten gerade vom Wasser-Sport-Club Kaiserlei zum Osthafen, als es plötzlich einen lauten Schlag gab. Kling verließ den Steuerstand auf dem Oberdeck und eilte die Leiter zum offenen Vorderdeck hinunter. Dort angekommen, hatte er kaum Zeit, nach Schäden zu sehen: Der 20-Tonnen-Katamaran neigte sich unvermittelt und kippte auf die rechte Seite. „Der Pizzaofen, der Grill und andere Sachen rutschten mir entgegen, trafen mich und ich fand mich unter Wasser wieder“, erzählt Kling.

Nach dem Auftauchen sei Mitfahrer Dehm schnell da gewesen, um ihm aus dem eiskalten Nass zu helfen. Die beiden Männer retteten sich auf die linke Seite des Boots, die nunmehr nach oben zeigte. Sie warfen den Anker, damit der Katamaran nicht abtreibt, dann stiegen sie auf das herbeigeeilte Begleitboot hinüber – Kling zuletzt, „wie es sich für den Kapitan gehört“.

Richard Kling, der all diese Ereignisse mit bootsmännischer Gelassenheit schildert, weiß sehr gut, dass sein Leib und Leben in großer Gefahr waren. „Der Herrgott wollte mich aber noch nicht“, sagt er augenzwinkernd. „Der hatte sicher Angst, dass ich ihm die Engelchen versaue.“

Der etwa 15 Meter lange und fünf Meter breite Katamaran, den Kling 2010 zu bauen begann und seit mehreren Jahren als Wohnstätte nutzt, hat sich in den ersten beiden Stunden nach der Havarie wieder komplett aufgerichtet. Ein kurzes Stück oberhalb der Kaiserleibrücke liegt er seitdem, einen guten Steinwurf vom nördlichen Mainufer entfernt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat das Wasserfahrzeug gestern Morgen mit einem Stahlseil gegen ein mögliches Abtreiben gesichert. Über das offene Vorderdeck, wo früher Klings Außenküche war, fluten nun Wassermassen.

Der Grund für die Flussfahrt war das Hochwasser. „Wir wollten in den Schutzhafen, weil der Pegel stieg“, sagt Kling, der sein Geld als Bäcker verdient und in Frankfurt auch als Obermeister der Bäckerinnung bekannt ist. Dass sein Katamaran ausgerechnet auf dem Weg in den sicheren Hafen versank, wirkt wie Ironie des Schicksals. „Shit happens!“, sagt Kling trocken und zuckt mit den Schultern. Auf die Frage, was zusammen mit dem Boot versank, wird er dann aber pathetischer: „Mein ganzes Leben!“

In dem überfluteten Teil des Katamarans, wo sich das Wohn- und Schlafzimmer befand, seien technische Geräte wie ein Computer und eine Kamera gewesen. Am stärksten schmerzt Kling aber der Verlust unzähliger Dokumente – vom Bootsführerschein bis zum Kontoauszug. Mit Feuerwehrleuten und einem Motorboot ist Kling gestern früh an das havarierte Wasserfahrzeug herangefahren. „Wir konnten aber nur ein paar Werkzeuge bergen.“ Den Katamaran zu betreten, sei viel zu gefährlich. „Der kann sich ja jeden Moment losreißen oder kentern.“

Kling berichtet, dass das Boot vom Ufer aus mit einem 500-Tonnen-Kran „am Stück“ geborgen werden soll. Der Zeitpunkt dafür stehe noch nicht fest. Der Eigentümer hofft, dass sein Boot bei der Bergung nicht auseinanderbricht und dass vielleicht die Schadensursache zu erkennen ist. Vermutet wird, dass das Boot den Kaiserleifelsen rammte, einer der zwei Pontons beschädigt wurde und voll Wasser lief.

Klings Leidenschaft für Boote entwickelte sich nach eigenen Angaben schon in früher Kindheit. Der Frankfurter besaß schon im Alter von acht Jahren ein Schlauchboot und schipperte mit 3 PS über den Main. In einer Werft bei Niedergründau baute er später unter anderem ein Sportboot. Im Jahr 2010 begann Kling schließlich mit der Verwirklichung seines „Lebenswerks“: einem schwimmenden Haus auf dem Wasser.

Kling hat zum Schutz nur eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Diese habe schon signalisiert, „dass wohl alles an mir hängenbleibt“. Allein die Bergung mit dem Kran könnte nach den Worten des Bootseigentümers 50 000 Euro kosten. Seine Familie und Freunde haben deshalb eine Spendenaktion gestartet. Wer etwas spenden möchte, kann sich im Internet unter informieren. Der Bootsmann ist zwischenzeitig bei seiner Freundin untergeschlüpft. „Ich will mir aber wieder ein Boot zum Wohnen bauen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare