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Mein lieber Biber: Nager kehrt nach Frankfurt zurück – hier hinterlässt er Spuren

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Von: Sabine Schramek

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Angelika Werum an einem angenagten Stamm.
Angelika Werum an einem angenagten Stamm. © Hamerski

Angenagte Bäume in Frankfurt Nieder-Eschbach deuten auf einen ganz besonderen Gast hin: Der Biber ist zurück.

Frankfurt – In Frankfurt Nieder-Eschbach ist ein Biber ausgesprochen fleißig. Er baut Dämme, Biberrutschen und vielleicht auch bald einen Biberbau. Der possierliche, geschützte Nager ist Experte für Wasserbauten und Veganer. Der NABU sucht Ehrenamtliche, die sein Schaffen dokumentieren.

Wie spitze Bleistifte ragen dünne Stämme aus dem Laub am Ufer des Eschbachs. Zwei Weiden sind halb durchgenagt und werden bald Teil eines Biberdammes sein. Aus gefällten Weiden sprießen unten wieder junge Triebe. Ein Rebhuhn guckt neugierig vorbei.

„Junge Triebe mögen Biber am liebsten. Und weil sie nicht klettern können, fällen sie im Winter eben Bäume“, sagt Andreas Glienke vom Naturschutzbund (NABU). Im Winter ernähren sich die Veganer von Baumrinde und Trieben, im Sommer von anderen Pflanzen in und am Wasser. „Kurzfristig fallen einige Bäume, mittelfristig entstehen bessere Feuchtbiotope als Menschen sie je erschaffen können.“

Biber kehrt nach Frankfurt zurück: „Einen Biberbau gibt es hier noch nicht“

Ein breiter Damm aus Stämmen und Ästen staut Wasser, am Ufer ist eine Höhle. "Da ist sein Schlafplatz. Einen Biberbau gibt es hier noch nicht", so Glienke. Dafür gibt es ein Stück weiter eine Biberrutsche. Einen schmalen glatten Pfad, den das an Land träge Tier runterrutscht, um mehr Äste zum Damm zu tragen.

Angelika Werum von der NABU-Gruppe Nieder-Eschbach spricht mit einer Spaziergängerin, die vor wenigen Tagen gesehen hat, wie ein Mann mit einer Mistgabel einen Teil des Dammes zerstört hat. "Das ist absolut verboten. Biber und ihre Bauten sind geschützt", sagt sie empört. Neben Menschen stören auch Hunde das Biberleben.

"Ab 1. März ist Brut- und Setzzeit. Hunde, die nicht an der Leine sind, scheuchen die Tiere hoch oder jagen sie. Das schadet dem Ökosystem sehr. Nicht nur Biber sind gefährdet, sondern auch die wenigen Rebhühner. Es wäre besser für die Natur, wenn die Leute auf richtigen Wegen statt am Flussufer laufen würden", erklärt Glienke.

Biber waren fast ausgestorben, weil sie wegen ihres Fells gejagt wurden. Zwischen 1986 bis 1988 wurden die ersten im Spessart wieder angesiedelt. 2000 wurden die ersten in der Wetterau gesichtet. In Frankfurt gibt es mittlerweile zwölf Vorkommen vor allem am Main und an der Nidda und eben auch am Eschbach und am Erlenbach. Manfred Sattler hat als Biberbeauftragter der Oberen Naturschutzbehörde enormes Wissen über die nachtaktiven putzigen Nager.

Biber kehrt nach Frankfurt zurück: Nicht nur die Nager sind geschützt, sondern auch Dämme und Bauten

Jedes Jahr bekommen sie zwei bis drei Junge und leben dann in einem Bau, dessen Eingang unter Wasser liegt. Sie fressen und graben sich Kammern durch Schlamm und Äste und füllen sie mit Reisig. Nicht nur Biber sind geschützt, sondern auch die Dämme und Bauten.

"Wer einen Damm zerstört, macht sich strafbar", mahnt Sattler. "Biber leben zwei Jahre im Familienverband mit bis zu acht Tieren. Dann werden die Jungtiere vertrieben und sie müssen ein eigenes Revier finden", erzählt der Experte. Dass sich Menschen oft aufregen, dass Biber Bäume fällen, läge daran, dass nur wenige wüssten, dass die Bäume wieder von unten neu austreiben. Die Forderungen, Biber umzusiedeln, lehnt er ab.

"Umsiedlung bedeutet töten", sagt er. "Kein Tier kann ein Ökosystem so gut gestalten wie Biber. Das Anstauen durch Biber-Dämme ermöglicht Flachwasserzonen, in denen sich Amphibien, Libellen und Wasservögel wie Eisvögel ansiedeln. Sie sind so gebaut, dass Wasser und Fische durchkommen und Fischarten, die in Stillwasser leben, bleiben. Dazu wachsen Pflanzen, die die anderen Tiere brauchen."

Biber kehrt nach Frankfurt zurück: "Es ist wahrscheinlich ein junges Männchen"

Glienke erzählt, dass am Eschbach ein Biber zugange ist, der Bäume fällt. "Es ist wahrscheinlich ein junges Männchen", sagt er. Einen Biberbau hat er noch nicht angelegt. In diesem Jahr will Glienke auch wieder Biberführungen machen und dazu auch das Bibermobil aus der Wetterau einladen.

"Wir beobachten, was der Biber macht. Da er auf einer ziemlich großen Fläche unterwegs ist, suchen wir Freiwillige aus Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach, die eine Bibergruppe gründen wollen. Die Ehrenamtlichen sollten nach dem Nager sehen und seine Aktivitäten dokumentieren. "Das wäre sehr hilfreich."

Unterstützung dafür gibt es durch Sattler und die NABU Gruppe Nieder-Eschbach. Alle drei Monate gibt es dann Treffen zum Austausch. Wer mitmachen möchte, kann sich per E-Mai unter Angabe der Telefonnummer bei ne@nabu-frankfurt.de melden. (Sabine Schramek)

Lange waren die baumfällenden Nager in Frankfurt ausgerottet. Seit 2017 kehren sie wieder zurück, nachdem sie im Spessart angesiedelt wurden.

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