Aufgenommen fünf Tage vor dem Unglück: Michael Mirschel (gest.) mit seinen Söhnen Alexander (35, links) und Mario (30, rechts) am Kap der Guten Hoffnung, einer Pflicht-Attraktion für alle Südafrika-Urlauber.
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Aufgenommen fünf Tage vor dem Unglück: Michael Mirschel (gest.) mit seinen Söhnen Alexander (35, links) und Mario (30, rechts) am Kap der Guten Hoffnung, einer Pflicht-Attraktion für alle Südafrika-Urlauber.

Unglück

Sohn spricht über tödlichen Unfall im Urlaub: "Mein Vater war so glücklich über diese Reise"

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Bei einem Unglück auf einem See in Südafrika ist Michael Mirschel aus Frankfurt-Nied gestorben. Nun spricht sein Sohn über den tödlichen Unfall und den Verlust.

Der Schock sitzt noch tief bei Alexander Mirschel. Am Samstag vor einer Woche war der 35-Jährige mit Vater Michael und Bruder Mario, seinen Freunden Shahsad und Robert und der vierköpfigen Crew an Bord eines Luxus-Hausbootes auf dem südafrikanischen Jozini-See in einen Sturm geraten: Das Boot fing Feuer, alle Mann sprangen von Bord, um sich vor den explodierenden Benzintanks zu retten. Doch sein Vater verlor den Überlebenskampf: Er schaffte es nicht bis zum Ufer und ertrank.

Nach einer nervenaufreibenden Odyssee durch südafrikanische Polizei- und Amtsstuben berichtet Alexander Mirschel im Gespräch mit dieser Zeitung immerhin zwei erleichternde Neuigkeiten. Die erste: "Wir vier, mein Bruder Mario und meine Freunde Shahsad und Robert, sind am Donnerstag sicher nach Frankfurt zurückgekehrt." Die zweite: "Honorarkonsul Malte Kersten in Durban hat persönlich die Verantwortung für den Leichnam meines Vater unterzeichnet und übernommen."

Mann aus Frankfurt stirbt bei Unglück in Südafrika: "Wir waren Handballer bei der SG Nied"

Er kümmere sich um die bürokratischen Hindernisse und legte den Überlebenden ans Herz, "nun für die Familie da zu sein" sowie ärztliche und psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Inzwischen wisse er aber, räumt Alexander Mirschel ein, dass es noch viele Wochen dauern könne, bis der Leichnam seines Vaters in der Heimat ankommen werde. Man plane deshalb vorher schon eine Trauerfeier zur Abschiednahme.

Tatsächlich haben alle vier Überlebenden "einen sehr engen Bezug zum Frankfurter Westen", wie Mirschel weiter erzählt. In Essen geboren, verbrachte sein Vater Michael seine Kindheit in Kassel und zog als junger Mann mit seiner Frau nach Nied. Dort kam er, Alexander, im Januar 1986 zur Welt. Auch sein Bruder Mario sowie die beiden besten Freunde Shahsad und Robert sind gebürtige Nieder. Stolz erzählt er über seine Vereinszugehörigkeit: "Wir alle haben vom Kindergarten an bei der SG 1877 Nied Handball gespielt und bringen es gemeinsam auf über 100 Jahre Vereinsmitgliedschaft."

Mann aus Frankfurt stirbt bei Unglück in Südafrika: „Als hilfsbereiten, geselligen Menschen erlebt“

Als "Handball-Papa" war auch sein Vater Michael der SG Nied und ihren Mitgliedern eng verbunden: "Viele Handballer-Generationen haben ihn als hilfsbereiten, geselligen Menschen erlebt, der sich für keine Unterstützung zu schade war." Auch im Beruf gehörte das Kümmern für Michael Mirschel dazu: Als Beamter beim 1. Polizeirevier in Frankfurt, später bei der Sonderkommission Mitte, brachte er es bis zum Polizeioberkommissar und wechselte 2018 in den vorzeitigen Ruhestand.

35 Jahre lang lebte Michael Mirschel in Nied, ehe er im vergangenen Jahr mit seiner Frau nach Lahnstein bei Koblenz zog. "Damit die beiden näher an meiner Schwester und dem Enkelsohn sind, der jetzt neun Monate ist", erklärt sein Sohn. "Mein Vater wollte etwas ruhiger leben und genoss es sehr, täglich seinen Enkel zu sehen." Und seine eigene Beziehung zu ihm? "Mein Vater und ich hatten ein sehr inniges und tolles Verhältnis, er war immer für mich da", sagt Mirschel.

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Mit seinen beiden Söhnen auf Safari-Urlaub in Südafrika zu gehen habe seinem Vater, dem Familienmenschen, besonders viel bedeutet: "Als ich ihn einlud - er musste lediglich die Flüge bezahlen - und er nach und nach bemerkte, welch vielen Highlights er gemeinsam mit seinen beiden Söhnen erleben würde, platzte er vor Stolz und Vorfreude", erinnert sich Alexander Mirschel. Die Reise selbst übertraf dann zunächst noch die Erwartungen: "Im zweiten Teil der Reise stand für ihn die erste Safari des Lebens an, ich hatte eine tolle Luxus-Lodge gebucht und er war durch und durch glücklich als er zum ersten Mal wilde Elefanten und Löwen entdeckte", erzählt der erfolgreiche Reise-Blogger Mirschel, der inzwischen selbstständiger Berater im Tourismus ist und seit kurzem wieder in Frankfurt, im Europaviertel, wohnt. Immer wieder habe sein Vater Fotos, Videos und glückliche Grüße an die Liebsten zu Hause geschickt, insbesondere "an meine Mutter und Schwester sowie seine ehemaligen Kollegen", berichtet Sohn Alexander.

Die fatale Fahrt in einem Hausboot auf dem Jozini-See hätte der Höhepunkt für den passionierten Angler werden sollen, der jedes Jahr nach Dänemark oder Norwegen fuhr, stets als Kapitän seiner Angelboote auf der Ostsee. "Umso tragischer ist es", sagt sein Sohn, "dass er nun in einem See durch zahlreiche menschliche Fehler der Crew verstarb". Alexander Mirschel erwägt eine Klage gegen den Reiseveranstalter. Ihm gehe es vor allem darum, "dass meine Mitreisenden ihre Schäden und Verluste von irgendeiner Versicherung zurückerhalten und meine Mutter entlastet wird bei der Rückführung und Beisetzung". Sein Gerechtigkeitssinn sehe beim Betreiber so viele Fehler und Punkte, "die ihn einfach in die Verantwortung bringen müssen".

Warum er das schreckliche Drama und seine Trauer auf Facebook in Wort und Bild geteilt hat? "Ich habe gehadert, ob es der richtige Weg ist", räumt Mirschel ein. Nicht um Aufmerksamkeit für seine Person sei es ihm gegangen, "sondern um Klarheit im Verständnis dieser Tragödie und unserer aktuellen Situation". Und auf eine Weise sei es auch ein Protest gewesen gegen früh aufkommende Falschmeldungen. "Damit die Liebsten zu Hause, von allen beteiligten Familien und Freunden, nicht völlig verzweifeln, war es mir wichtig, dass jeder verstehen kann, was passiert ist."(Michael Forst)

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