Kirchenasyl in Frankfurt

„Die Menschen hier sind sehr nett“

Kirchenasyl gibt es auch in Frankfurt. Mahmood Nadeki und Rahman Samimi, beide Mitte 20, sind in der Philippusgemeinde im Riederwald untergekommen. Daria Schelp hat mit ihnen gesprochen.

Als ihr in der Bundesrepublik ankamt, habt ihr euch da gastfreundlich aufgenommen gefühlt?

MAHMOOD NADEKI: Als wir in Deutschland ankamen, erlebten wir viel Freundlichkeit und Güte. Die Menschen hier sind sehr nett, besonders die Kirchenangestellten. Ich habe mich in Deutschland sehr herzlich aufgenommen gefühlt. Wir kamen auf der Suche nach einem friedlichen Ort, und hier haben wir endlich einen gefunden.

RAHMAN SAMIMI: Wir sind aus Afghanistan geflohen, weil es dort gerade viele bewaffnete Konflikte gibt. Es war nicht mehr zum Aushalten. In Deutschland sind wir endlich an einem sicheren Ort. Und die christlichen Gläubigen, denen wir hier begegnet sind, haben uns sehr gastfreundlich aufgenommen.

Und wie sieht es mit der Gastfreundschaft in Afghanistan aus?

NADEKI: Die Menschen in Afghanistan sind auch gastfreundlich, aber nicht gerade Verfolgten gegenüber. Es kommt vor, dass sie Leute wegen ihrer Religion schlecht behandeln.

SAMIMI: Im Moment gibt es in Afghanistan hauptsächlich religiöse oder politische Probleme, zum Beispiel die Konflikte zwischen den Sunniten und Schiiten, den Terror der Taliban und die Selbstmordattentäter.

Wie verbringt ihr eure Freizeit in Deutschland? Dürft ihr die Räume der Gemeinde überhaupt verlassen angesichts eures unklaren Aufenthaltsstatus’?

NADEKI: Ich durfte die Kirche nach meiner Ankunft sechs Monate lang nicht verlassen. Das war sehr schwer für mich. Mittlerweile darf ich hingehen, wo immer ich hinwill, Rahman allerdings noch nicht. Ich besuche seit einiger Zeit Deutschkurse an der VHS. Sobald ich damit fertig bin, werde ich zur Berufsschule gehen. Dort werde ich Maschinenbau- und Automechanikkurse belegen.

SAMIMI: In meiner freien Zeit lerne ich zwei Stunden am Tag Deutsch, den Rest der Zeit sehe ich fern. Ich bin schon seit zwei Monaten in der Kirche und muss noch zwei Monate warten, bis ich sie verlassen darf.

Habt ihr Kontakt zu weiteren Flüchtlingen? Wie empfinden sie die Gastfreundschaft in Deutschland?

NADEKI: Die Flüchtlinge, die ich kenne, denken, Deutschland ist großartig. Ich denke, besonders wer in Frankfurt untergebracht ist, kann sich über nichts beschweren. Frankfurt ist meiner Meinung die beste Stadt für Flüchtlinge. Andere Städte kann ich nicht gut beurteilen, aber ich denke, dass zum Beispiel Berlin kein guter Ort für Flüchtlinge ist. Ein Freund von mir war in Berlin untergebracht. Dort hat er unangenehme Dinge erlebt. Er wurde beispielsweise von Leuten auf der Straße beschimpft. Ich denke, die Leute in Berlin wollen keine Flüchtlinge aufnehmen. In Frankfurt ist es viel besser.

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