Ein Menschenfreund

Stets um den Menschen ging es Gerald Hintze, der Kurator der Weißfrauen Diakoniekirche in der Gutleutstraße war. Ein neues Buch erinnert an Hintze, der 2012 verstarb.

Gerald Hintze war ein Wanderer, ein Flaneur – stets unterwegs in seinem Kiez, dem Bahnhofsviertel, wo die Weißfrauen Diakoniekirche, deren Kurator er ab 2004 war, ihren Sitz hat. Aber auch in anderen Quartieren Frankfurts war der hochgewachsene Grenzgänger unterwegs. Er wollte Orte kennenlernen, Veranstaltungen aller Art standen in seinem Kalender, vor allen Dingen war er an den Menschen in dieser Stadt interessiert.

„Stadt Mensch“ heißt das dieser Tage in der Schriftenreihe des Evangelischen Regionalverbandes/ Kann Verlag erschienene Buch, das Hintze gewidmet ist, der im Dezember 2012 verstarb. Der Mensch, die Stadt – das war das Thema des 1949 in Einbeck geborenen und seit Anfang der achtziger Jahre in Frankfurt lebenden Hintze, der 1983 als Bildungsreferent bei der Evangelischen Erwachsenenbildung angefangen hat.

„Mensch“ leuchtet es bis heute in der Dunkelheit über der Weißfrauen Diakoniekirche. Die von dem Künstler Mirek Macke installierte Leuchtschrift passte zu Hintze. Aus der nach der Schließung des Kaufhauses M. Schneider verbliebenen Reklame wurde der Begriff Mensch. Christian Kaufmann, der Herausgeber des illustrierten Bandes, sagt: „Gerald Hintze brachte sie alle zusammen, die unterschiedlichen Welten, die Wohnungslosen mit den Bankern, die Kunst und die Kirche, das Soziale und das Kulturelle und er zwang sie, sich auf Augenhöhe zu begegnen.“ Kunstaktionen, Ausstellungen sind mit seinem Namen verknüpft, Abende, an denen er im Obdachlosenzentrum Weser 5 als DJ auflegte und auch die von ihm begründete Lange Nacht am Heiligen Abend in der Diakoniekirche kommt einem in den Sinn.

Das Buch spiegelt die Vielfalt des Netzes von Hintze wider, verschiedene Städelschüler haben Künstlerisches zu dem Werk beigesteuert. Neben dem Evangelischen Regionalverband hat auch das Kulturamt der Stadt Frankfurt das Zustandekommen des Buches finanziell unterstützt. Ein besonderer Dank gilt dabei Heide Hintze, der Witwe, die die Macher mit Material aus dem Nachlass und Rat versorgt hat sowie Zylvia Auerbach und Rainer Stenzel für die Gestaltung und Christine Taxer für die Redaktion.

Gerald Hintze: Stadt Mensch, 162 Seiten, 18 Euro, Kann-Verlag, Schriftenreihe des Evangelischen Regionalverbandes, zu beziehen im Buchhandel oder zu bestellen bei karin.schlicht@ervffm.de.

(red)

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