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"Menschenunwürdig" – Ortsvorstand beklagt Zustand der DLRG-Rettungsstation

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Von: Gernot Gottwals

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Seit Jahren ist eine Sanierung des DLRG-Gebäudes am Main fällig - obwohl es Pläne gibt, bleibt die Stadt Frankfurt untätig. Der Ortsbeirat fragt, warum.

Frankfurt – Eintracht-Pokalfieber, Sommerhitze mit Unwetterwarnung: An solchen Tagen brennt auch in der DLRG-Rettungsstation die Luft. Dort absolvierten am vergangenen Donnerstag insgesamt 25 Rettungsleute 16 Einsätze. Und wenn auch nur die Hälfte vor Ort im Dienst ist und Patienten versorgt, dann wird es in der einstöckigen Station am Main richtig eng.

Daher plant die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft in Frankfurt schon seit elf Jahren eine Sanierung und Aufstockung des von Mai bis September an Wochenenden und Feiertagen durchgehend besetzten Gebäudes, in dem jährlich mehr als 50 Helfer rund 200 Einsätze mit einem Rettungsboot und einem Landfahrzeug fahren.

Frankfurt: Sanierung von DLRG-Station immer wieder blockiert

Nur auf den ersten Blick in Ordnung: Das DLRG-Gebäude am Nizza am nördlichen Mainufer von Frankfurt muss dringend aufgestockt und modernisiert werden.
Nur auf den ersten Blick in Ordnung: Das DLRG-Gebäude am Nizza am nördlichen Mainufer von Frankfurt muss dringend aufgestockt und modernisiert werden. © Michael Faust

Doch Einwände und unklare Zuständigkeiten zwischen den Behörden und den Hafen- und Marktbetrieben blockieren das Projekt. Nun versucht Ortsvorsteher Michael Weber (CDU) mit einem Antrag an den Magistrat im Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleutviertel, Innenstadt) zu vermitteln.

Es soll endlich geklärt werden, wem das DLRG-Gebäude und das Grundstück gehört und welches Amt für eine Sanierung einschließlich Aufstockung zuständig ist – und wieviel Geld die Stadt für die Sanierung dazugibt.

DLRG Frankfurt: Rettungsstation mit undichtem Dach und Platzmangel

Die Dringlichkeit zeigt Dennis Hartmann, Bezirksleiter der DLRG Frankfurt, vor Ort: "Das Dach ist undicht, die Heizungs- und Sanitäranlagen genügen den Vorschriften nicht mehr, die Fenster sind nur einfach verglast, an manchen Stellen sind die Rahmen schon angefault", erläutert er. Es seien mindestens noch drei Schlafplätze und eine Dusche erforderlich, auch mit Rücksicht auf das weibliche Personal.

"Uns fehlt ein separater Behandlungs- und Ruheraum für die Patienten, die sich ja auch erholen müssen." In einem 30 Quadratmeter kleinen, nur durch einen Paravent abgeteilten Sanitäts-, Aufenthalts-, Ess- und bei Bedarf zusätzlichem Schlafraum fehle es an Platz. Der Bedarf nach mehr Fläche für einen weiteren Arbeitsplatz im Funkraum komme hinzu, so Hartmann.

DLRG Frankfurt: Grünflächenamt lehnt Aufstockung der Rettungsstation ab

Er erläutert, dass ein ursprünglich angedachter Neubau auch wegen der Erschließungskosten von rund 1,5 Millionen Euro nicht weiter verfolgt worden sei. "Da die Bausubstanz noch ordentlich ist, möchten wir jetzt eine Teilaufstockung um zwei Drittel im westlichen Teil des Gebäudes." Die Kosten werden auf 275.000 Euro veranschlagt. Dabei wird der Abstand des in den 1960er Jahren durch die Reederei Köln-Düsseldorfer errichteten Gebäudes zur benachbarten Kastanie gewahrt.

Hartmann erklärt, behördliche Gespräche und Lösungsversuche habe es immer wieder mit dem Grünflächen-, Stadtplanungs- und Amt für Bau und Immobilien gegeben. Einwände habe es einem ablehnenden Bescheid der Bauaufsicht zufolge vor allem seitens des Grünflächenamtes gegeben, das offenbar nicht an einer einvernehmlichen Lösung interessiert sei, so Hartmann.

Da kritisiere man die notwendige Aufstockung als überdimensioniertes Gebäude im "Naturraum des Nizza", welches die Aussicht auf Dom und Altstadt verstelle. "Dabei geht man jedoch von völlig falschen Zahlen und Größenvorstellungen aus", stellt Hartmann fest.

Frankfurt: DLRG-Gebäude laut Ortsvorsteher in „katastrophalem Zustand“

Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt Susanne Schierwater, Sprecherin des Umweltdezernats: "Die DLRG stellt einen unverzichtbaren Bestandteil der Gefahrenabwehr am Main dar. Es liegt daher im Interesse des Magistrats, dass sie ihre Leistungen an diesem exponierten Standort auch in Zukunft anbieten kann." Daher sei man an einer dezernatsübergreifenden Lösung interessiert, wolle aber der Beantwortung der Fragen durch den Magistrat nicht vorgreifen.

Die Sprecherin der Hafen- und Marktbetriebe Bianca Winkel erklärt, nur die Ufermauer vor dem Gebäude sei im Eigentum der Hafen- und Marktbetriebe. Die haben zusammen mit der HFM-Managementgesellschaft zwar zur Vermeidung von Störungen an den Schiffsliegeplätzen beim Bauablauf ein Mitspracherecht, nicht aber bei der Höhe und Gestaltung des Gebäudes.

"Das Gebäude der DLRG ist in einem katastrophalen Zustand. Die ehrenamtlichen Helfer leisten jeden Sommer unzählige Stunden, um die Sicherheit am Mainufer zu gewährleisten", betont Ortsvorsteher Weber. Doch um Menschen zu retten und Patienten fachgerecht zu versorgen, müssten die Räume, die sich in einem menschenunwürdigen Zustand befänden, dringend saniert werden. (Gernot Gottwals)

Zu Beginn der Schwimmsaison stellt der DLRG in Hessen derzeit einen kaum zu stemmenden Ansturm auf Schwimm-Kurse fest.

Sitzung des Ortsbeirats 1

Die Sitzung ist heute um 19 Uhr im Römer, Plenarsaal, Besuchereingang Römerberg 23, Zugang nur mit medizinischer Maske.

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