Shirin Weiß (li.) und Kimberly Eaton sind mit ihrem Leistungskurs ?Gesundheitslehre? an die Konstablerwache gekommen, um sich das begehbare Modell eines menschlichen Gehirns anzuschauen und sich über die Erkrankung Multiple Sklerose zu informieren.
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Shirin Weiß (li.) und Kimberly Eaton sind mit ihrem Leistungskurs ?Gesundheitslehre? an die Konstablerwache gekommen, um sich das begehbare Modell eines menschlichen Gehirns anzuschauen und sich über die Erkrankung Multiple Sklerose zu informieren.

Multiple Sklerose Aktionstag

Ins menschliche Gehirn geschaut

  • VonAlexandra Flieth
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Wie sieht das menschliche Gehirn aus? Ein begehbares Modell, das zum gestrigen neunten Welt-MS-Tag auf der Konstablerwache aufgestellt wurde, lockte viele Besucher. Organisiert hatte die Aktion der Landesverband Hessen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft.

Neugierig betrachten Kimberly Eaton und Shirin Weiß (beide 18 Jahre) das Innere des Modells eines menschlichen Gehirns. Es ist begehbar, rund 2,40 Meter tief, 3,60 Meter breit und gut zwei Meter hoch. Das Modell zeigt nicht nur, wie das menschliche Gehirn aufgebaut ist. Es veranschaulicht auch plastisch, was beispielsweise bei einem Schlaganfall passiert, wo sich Tumore bilden oder wo ein Stent, also eine Gefäßstütze, gelegt werden kann. Außerdem laufen im Inneren kurze Informationsfilme über das Zentrale Nervensystem.

Kimberly und Shirin besuchen die zwölfte Klasse der Rackow-Schule in der Eckenheimer Landstraße 303. Mit Mitschülern aus dem Leistungskurs „Gesundheitslehre“ und ihrer Lehrerin Birgit Ross sind sie zur Konstablerwache gekommen. Dort ist das Modell aufgebaut.

Anlass ist der neunte Welt-MS-Tag. Hiermit wird auf die Erkrankung Multiple Sklerose, kurz MS, aufmerksam gemacht und aufgeklärt. Organisiert hat die Aktion zum Motto „Multiple Sklerose – Alles geht, aber eben nur anders“ der Landesverband Hessen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).

Bundesweit sind rund 200 000 Menschen an MS erkrankt. „In Hessen gibt es geschätzt circa 8000 MS-Patienten. Man vermutet aber, dass die Dunkelziffer höher ist“, sagt Sonja Thelen, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim DMSG-Landesverband Hessen. Der Landesverband hat 4 000 Mitglieder.

Frühe Diagnose wichtig

Auf MS hat sich auch Dr. Eckart Lensch spezialisiert. Er ist Oberarzt an der DKD Helios Klinik Wiesbaden, Facharzt für Neurologie und sitzt im ärztlichen Beirat der DMSG-Hessen. „Statistisch gesehen gibt es etwa 150 MS-Betroffene auf 100 000 Einwohner“, erklärt Lensch. „Im Vergleich zu Diabetes oder Schlaganfall ist es eigentlich noch eine seltene Erkrankung“, fügt er hinzu. Besonders wichtig sei es, die MS frühzeitig zu diagnostizieren. Lensch rät dazu, bei ersten Symptomen sofort einen Arzt aufzusuchen.

„Wenn die Sehschärfe innerhalb eines Tages deutlich abfällt und der Augenarzt nicht erkennen kann, woran es liegt, dann hat es nichts mit den Augen, sondern etwas mit dem Gehirn zu tun“, beschreibt der Neurologe ein Symptom, das auf MS hinweisen kann. Klarheit könne eine Kernspintomografie bringen. „MS-Betroffene sehen oftmals verschwommen, doppelt oder ganze Flächen erscheinen wie ein großer schwarzer Fleck“, sagt Sonja Thelen. Sie greift zu einem Infoblatt, auf dem mit Fotos dargestellt wird, wie sich diese Seh-Einschränkungen zeigen können.

Doch was passiert bei MS im Gehirn? „MS ist eine Autoimmunerkrankung“, sagt Lensch. Das Entzündungs-System des Körpers greife nicht nur Erreger an, sondern auch eigenes Körpermaterial. „Es ist überaktiv“, beschreibt er. Bezogen auf MS sei dies die Ummantelung der Nervenfasern, die sogenannte Myelinschicht. Diese wird angegriffen und es entsteht eine Schädigung. Die Folge ist, dass die reibungslose Weiterleitung von Reizen verlangsamt oder unterbrochen wird.

„Hineinfühlen“

Luca Bornhöft (18) ist ebenfalls im Leistungskurs „Gesundheitslehre“ an der Rackow-Schule und steht an der „Fühlstation“, die gleich neben dem Gehirn-Modell aufgebaut ist. Auf einem Tisch liegen spezielle Brillen und Handschuhe. Luca zieht sich beides an. „MS Patienten haben häufig ein Taubheitsgefühl an den Fingern“, erklärt Thelen. Hiermit sei es schwierig, ganz alltägliche Dinge zu machen wie Knöpfe zu öffnen. Luca probiert es aus und versucht mit den Handschuhen eine Knopfleiste zu öffnen. „Ich finde es sehr spannend. Das ist ganz anders als die bloße Theorie in der Schule“, sagt der Gymnasiast.

Informationen über MS gibt es unter im Internet

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