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Fährt einen heißen Reifen: Oliver Rohloff von der veranstaltenden Messe & Event GmbH.

Fahrt in die Zukunft

Messe VELO begeistert Aussteller und Besucher

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Holzfahrräder, Elektroantrieb, verblüffende Accessoires – die Messe VELO lockt Tausende an die Eissporthalle und belegt: Für viele ist der Drahtesel eine echte Herzensangelegenheit. Auch Minister Al-Wazir fährt mit.

In diesem Jahr feiert das Fahrrad Geburtstag. 1817 fuhr Karl Drais mit seinem selbst erfundenen Laufrad von Mannheim nach Schwetzingen. Das vergangene Wochenende war für die Radfahrer Frankfurts und Umgebung geradezu ein Fest, rund 10 000 Besucher kamen trotz herrlichstem Badewetter. Viele fuhren auf dem Oval an der Eissporthalle mit Drahteseln im Kreis. Zu ihnen gehörte auch Christopher Fiori, Geschäftsführer der Offenbacher Kickers. Mit Kind und Frau schaute er in der Eissporthalle vorbei. „Wir suchen nach Möglichkeiten, unsere kleine Tochter sicher mit dem Fahrrad zu transportieren“, sagte der junge Vater Fiori, der seit anderthalb Jahrzehnten erstmals wieder Besitzer eines Fahrrads ist. „Wir haben uns verschiedene Sitzgelegenheiten angeschaut“, so Mutter und Vater Fiori.

An Anschauungsmaterial mangelte es nicht, denn in der Eissporthalle und rundherum ging zum zweiten Mal die VELO, eine Erlebnismesse rund ums Fahrrad, über die Bühne. Und wenn es nach Oliver Rohloff, Geschäftsführer der Frankfurter Messe & Event GmbH, geht, ist damit noch lange nicht Schluss. „Es gibt ein drittes Mal, denn die VELO wird total gut angenommen“, so Rohloff. „Wir haben nicht nur glückliche Besucher, sondern auch zufriedene Aussteller.“

Rund 200 Marken und Aussteller waren auf dem Gelände vertreten, deutlich mehr als bei der Premiere. Unter ihnen auch Martin Schlimbach und sein Auszubildender Javed Hasseli. Gemeinsam bilden sie die Firma Teamwerk 46 aus Pohlheim. Der Clou ihrer Fahrräder ist, dass die Rahmen aus Holz bestehen. „Aber unsere Haupterwerbsquelle ist immer noch die Tischlerei“, stellt Schlimbach. klar Kein Wunder. Schließlich „haben wir für’s erste Fahrrad 250 Stunden gebraucht“, sagte Schlimbach. Aber das Radbauen ist Herzensangelegenheit, obwohl oder gerade weil es sich dabei um anspruchsvolles Handwerk mit sehr hohem Arbeitsaufwand handelt. „Wir wollten auch mal etwas anderes bauen“, sagt Schlimbach zu seiner Idee.

Von der Serienreife sind Teamwerk 46 allerdings noch ein ganzes Stück entfernt – nur sechs Räder haben sie bisher gebaut. „Wir versuchen momentan, die Arbeitszeit zu reduzieren und ein Fahrrad in gut 120 Stunden fertigzustellen“, so Schlimbach, der auch gleich die Vorteile nennt, die ein Holzrad hat: „Das Material ist schockabsorbierend.“ Und, es dürfe auch nicht vergessen werden, „die Draisine, das erste Fahrrad, war auch aus Holz“. Für Teamwerk 46 war es übrigens das erste Mal, „dass wir uns mit einem Radfahrpublikum konfrontieren. Wir wollen neue Kunden gewinnen“. Aber der Aufwand hat sich gelohnt, „denn es sind viele an unseren Produkten interessiert“. Das wird Oliver Rohloff gern hören, der die Messebesucher als „total gut gelaunt und kauffreudig“ beschrieb. „Frankfurt habe Aussteller, die Vergleiche etwa mit Berlin ziehen könnten“, sagt er begeistert. Accessoires, die in der Hauptstadt wenig nachgefragt seien, etwa hochwertige Oberbekleidung und Schuhe für radelnde Manager auf dem Weg zur Arbeit, kämen am Main ausgesprochen gut an.

Ebenfalls überzeugt von der Messe ist deren Schirmherr Tarek Al-Wazir (Grüne), Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister, der mit dem Fahrrad, das er sich zu Ostern geleistet hat, zur Messe kam. „Dass man die Fahrräder gleich ausprobieren kann, das ist eine gute Sache – und ich hoffe, dass sich die Messe etabliert“, so Al-Wazir. „Die Elektrounterstützung gibt völlig neue Möglichkeiten“, sagte er zur Zukunft des Fahrrads.

Er selbst fährt allerdings kein E-Bike. Überhaupt sitze er selten im Sattel und trete weniger in die Pedale, als er gerne tun würde. Doch der derzeitige Trend in Sachen Fahrrad stimmt den Grünen-Politiker optimistisch. „Wir haben in den vergangen Jahren in Frankfurt erlebt, dass sich der Radverkehr ungefähr verdoppelt hat“, sagt Al-Wazir. Es gelte nun, über geeignete Maßnahmen nachzudenken. Der schmale Radweg genüge nicht mehr. Zur Stärkung des Radverkehrs in Hessen stellt das Verkehrsministerium im laufenden Jahr mehr als 10 Millionen Euro bereit. „Erstmals können wir in diesem Jahr alle von den Gemeinden beantragten Projekte fördern“, sagte Al-Wazir , der für defensives Radfahren plädiert. „Im Zweifel lieber einmal zuviel gebremst.“ Nur die Entwicklung des Radfahrens. soll ungebremst weitergehen.

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