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Prozess

Mit dem Messer zum Sex gezwungen

Said M. muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht wegen Vergewaltigung verantworten. Laut Anklage hatte der heute 25-Jährige im Januar 2015 eine flüchtige Bekannte in seine Wohnung gelockt –

Said M. muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht wegen Vergewaltigung verantworten. Laut Anklage hatte der heute 25-Jährige im Januar 2015 eine flüchtige Bekannte in seine Wohnung gelockt – mit dem Versprechen, sie dort zu bekochen. In der Wohnung habe er sie dann mit einem Messer und den Worten „Du wirst jetzt alles machen, was ich will, du Schlampe“ bedroht. Nachdem er sie mehrfach vergewaltigt habe, habe er sie mit dem Hinweis, sie habe „drei Sekunden Zeit zu gehen, sonst schneide ich dir den Kopf ab“, fortgejagt. Die Frau flüchtete, so schnell sie konnte, ihre Kleider unter dem Arm, in die Nachbarwohnung, wo man Hilfe holte.

Im September dieses Jahres saß Said M. vier Tage lang in Untersuchungshaft. Allerdings nicht wegen der Vergewaltigung. Ein Bankautomat hatte M. Ende Juni mangels Kontodeckung das Bargeld verweigert. Daraufhin habe er sich laut Staatsanwaltschaft „in seiner Ehre gekränkt“ gefühlt, in der Bank randaliert und die alarmierten Polizisten mit massiver Gegenwehr sowie als „Hurensöhne“ und „Missgeburten“ begrüßt. Der U-Haft folgte eine kurzzeitige Unterbringung: Das Gericht wollte wissen, ob M. zurechnungsfähig sei. Das Ergebnis der Untersuchung besagte offensichtlich, dass er es ist.

Am ersten Verhandlungstag will Said M. sich zu den Tatvorwürfen nicht äußern. Das ist vielleicht auch besser so, denn die Einlassungen zu seiner Person zeigen: Entweder ist M. zu dumm zum Lügen – oder er gibt sich keine Mühe. Ein Beispiel: Sein Vater, sagt er, sei Arzt, seine Mutter Krankenschwester in einem Krankenhaus gewesen, das Terroristen in die Luft gejagt und beide getötet hätten. Offenbar mehrfach: Einmal kurz nach M.s Geburt, einmal bei seiner Einschulung und ein paarmal dazwischen – die diesbezüglichen Zeitenangaben ändern sich minütlich.

Auf den Vorhalt des Richters, laut Akten sei seine Mutter keine Krankenschwester, sondern Hausfrau und sein Vater kein Arzt, sondern Bauer gewesen und außerdem nicht tot, sondern offiziell verschollen, räumt M. ein: Gut, sein Vater sei kein richtiger Arzt gewesen, habe sich aber oft im Krankenhaus aufgehalten, und wenn nicht, habe er gerne im Garten gejätet, sei also auch Bauer gewesen. Und seine Mutter sei zwar keine richtige Krankenschwester gewesen, habe aber oft bei Geburten geholfen.

(sb)

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