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Micky Rosen (links) und Alex Urseanu, Geschäftsführer der Gekko Hotel Group, in ihrem Luxus-Hotel Roomers.

Roter Faden, Folge 274

Micky Rosen und Alex Urseanu sind ziemlich beste Freunde

Die Erfinder der Roomers-Hotels, Micky Rosen und Alex Urseanu, begannen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit im Jahr 2002 mit ihrem ersten gemeinsamen Projekt, dem Hotel Bristol. In diesem Jahr wurden sie als Hoteliers des Jahres geehrt. Zuvor hatten sie schon die Gerbermühle übernommen. Ihnen widmen wir die Folge 274 unserer Serie "Der rote Faden", in der wir Menschen vorstellen, die Besonderes für Frankfurt leisten.

Es ist einer dieser glutheißen Tage, an denen dieser Sommer in Frankfurt so überreich ist. Mehr als 30 Grad zeigt das Thermometer, und im Patio der Luxusherberge im Bahnhofsviertel sitzt Micky Rosen (50) und sagt: „Ich kriege Gänsehaut.“ Noch immer ist dieser Moment, als er und sein kongenialer Partner Alex Urseanu (46) als Hoteliers des Jahres 2018 gekürt wurden, für ihn so plastisch und detailreich und vor allem mit der ganzen emotionalen Wucht präsent, dass diese ihn buchstäblich mit Haut und Haaren ergreift. Gänsehaut also bei mehr als 30 Grad im Schatten des Innenhofes des Luxushotels Roomers: Unter Schatten spendenden Sonnenschirmen sitzen Micky Rosen und Alex Urseanu nebeneinander im weich gepolsterten Lounge-Sofa. Der Innenhof der Edelherberge ist ein ruhiger Ort im quirligen Bahnhofsviertel. Aus den weit geöffneten Türen der Hotelbar tropfen gedämpfte Geräusche verhaltener Betriebsamkeit, dazu wie weit entfernt dezente Hintergrundmusik. Tiefenentspannt präsentieren sich die beiden Hausherren und lässig sowieso. Was sich auch in ihrem Outfit abbildet: Beide sind in Jeans und T-Shirt unterwegs, sichtlich edel, Farbe egal, Hauptsache schwarz.

Micky Rosen rührt in einem Glas mit schwer identifizierbarem Inhalt. Dem fragenden Blick begegnet er sogleich grinsend mit der erhofften Auskunft: „Eiskaffee.“ Die klassischen Zutaten dieser Sommersüßigkeit hat er freilich längst zu einer Art Emulsion zusammengerührt, von der er ab und an Kleinportionen durch ein Trinkröhrchen zu sich nimmt. Alex Urseanu wirkt dagegen wie der Purist vom Dienst: Er trinkt Wasser. Ohne Schnickschnack, ohne Halm, ohne Zusatzstoffe.

Diese Entspanntheit, die diese beiden Frankfurter Unternehmer so selbstverständlich zeigen, ist also nicht Attitüde oder Inszenierung. „Sie entspricht durch und durch unserem Lebensgefühl“, erklärt Alex Urseanu. Genau das wollen sie, verdichtet und veredelt, als Oberton in der Atmosphäre ihrer Hotels zum Klingen bringen. „Weil uns das in den Häusern der klassischen Ketten immer gefehlt hat“, sagt Urseanu. Dass Entspanntheit für ihn und Rosen keinesfalls die gefühlte Schwester von Wurschtigkeit, nicht einmal deren entfernte Nachbarin ist, sondern das genaue Gegenteil: Kompromisslos hohe Professionalität und einen ebensolchen Qualitätsanspruch hätte er nicht betonen müssen. Weil das Portfolio ihrer in der Gekko Group zusammengeführten Hotels, Bars, Eventlocations für sich und genau diese Sprache spricht – auch wenn zwischen Servus Heidi, dem rustikalen bayerischen Wirtshaus in München, und The Pure, dem stylisch-minimalistischen Hotel mit Bar und Restaurant in Frankfurt, Niddastraße, in gewisser Weise Welten zu liegen scheinen.

Zehn Betriebe in Frankfurt und Berlin, München und Baden-Baden, rund 1000 Mitarbeiter, das ist das Imperium der Gekko-Group, aufgebaut von Micky Rosen und Alex Urseanu. 1999 kreuzten sich die Wege der beiden, irgendwo in Frankfurt. „Wir waren nicht befreundet, aber man kannte sich eben. Frankfurt ist ja klein, und wir waren beide in der Hotel- und Gastro-Branche tätig“, beschreibt Micky Rosen den Beginn dessen, was heute eine geschäftliche Erfolgsgeschichte ist. „Wir sind nicht über unsere Freundschaft Partner geworden, sondern über unsere Partnerschaft Freunde“, ist Urseanus Sicht auf den Start in die unvergleichliche gemeinsame Karriere, die sehr wenig zu tun hat mit dem Backen kleiner Brötchen und sehr viel mit unternehmerischem Mut, dem großem Wurf und einem sicheren Instinkt für Trends. Dass die beiden inzwischen längst auch ziemlich beste Freunde sind, muss keiner von beiden besonders betonen. Das erlebt, wer ihnen gegenübersitzt: wie sie da nebeneinander, körpersprachlich zugewandt, auf dem Sofa sitzen, wie sie die Sätze des anderen ergänzen, wie sie sich anfrotzeln, wie sie sich freuen über die Auszeichnung Hoteliers des Jahres, gleichsam den Oscar der Beherbergungs-Branche. „War ein feierlicher Moment, die Preisverleihung“, kommentiert Micky Rosen. Die Laudatio des Jury-Vorsitzenden hat er noch fast wörtlich im Ohr. Darin war die Rede von der Liebe zum Leben und der Leidenschaft, diese zu teilen. Von vielen Projekten der beiden „gegen den Strom“. Und davon, dass Gefühl stets eine große Rolle spiele und die Hotels, Bars, Eventlocations der beiden „Orte der Verführung“ seien. „Genau das war von Anfang an unsere Idee und ist bis heute unser Anspruch“, betont Alex Urseanu.

Der Anfang, das war 2002 das Hotel Bristol in der Ludwigstraße. Rosen und Urseanu ließen das Haus umfassend umbauen. Als sie es 2003 eröffneten, präsentierten sie das erste Lifestyle-Hotel der Stadt: 143 Zimmer, vier Sterne. Der Clou indessen waren Hotelbar und Sommer-Lounge – und sind es bis heute. Partyvolk und Presse hyperventilierten geradezu vor Begeisterung über die Eröffnung des neuen, luftigen Szenetreffs in Bahnhofsnähe, was eigentlich alles andere als eine Prestige-Adresse in der Stadt ist. Die Frankfurter Allgemeine, für notorische Schwärmereien in Superlativen eher unverdächtig, schrieb gar vom „schönsten Garten der Stadt“. Während die Stadt also noch applaudierte und womöglich auch ein bisschen staunte ob des neuen Doppelgestirns am Gastro-Himmel, war für die beiden Gefeierten klar: Da geht noch mehr.

Sieben Jahre später, im Jahr der Eröffnung ihres ersten Roomers-Hotels, gründeten Rosen und Urseanu die Gekko Group als Dachgesellschaft für ihre visionären Hotel- und Gastroprojekte. Sie umfasst derzeit sieben Hotels mit rund 800 Zimmern, dazu Bars, Restaurants, Boardinghäuser und Immobilien. Insgesamt arbeiten rund 1000 Mitarbeiter in der Firma.

Damit ist für die beiden Hoteliers des Jahres aber noch nicht Schluss. Längst haben sie das nächste Projekt in der Pipeline: das Gekko House. Unter diesem Arbeitstitel entsteht an der Mainzer Landstraße gerade der Neubau eines 130-Zimmer-Hotels. „Ein neues, cooles Brand“ verspricht Micky Rosen im schönsten Unternehmersprech. Das Lifestyle-Hotel habe „die gleiche DNA und gleiche Philosophie wie Roomers, ist aber jünger und noch unkomplizierter“. Es soll ganz ohne Kostentreiber wie Spa, Portier, Room-Service rund um die Uhr oder Tagungsbereich auskommen. „Also eine Art Roomers für Einsteiger“, kommentiert Rosen. Was schon fast eine Art Markenzeichen der Gekko-Hotellerie ist, soll auch dieses neue Haus auszeichnen: Es soll gastro-betont sein, mit Restaurant und Dachterrasse. Der Name des Lokals im Erdgeschoss steht schon fest: Chicago Williams. Der Name ist Konzept. Unter gleicher Bezeichnung betreibt Nawid Samawat, ein Freund der Frankfurter Bauherren, in Berlin-Mitte ein solides und sehr beliebtes Grill-Restaurant. Demnächst sollen die Grillgenüsse also auch in Frankfurt serviert werden. Rosen und Urseanu zeigen damit wieder einmal, dass sie nicht nur umtriebige Unternehmer, sondern zudem glänzende Netzwerker sind. Wenn sich die Kooperation mit ihrem Freund Samawat auch nur halb so gut anlässt wie die mit Duc Ngo, einem Superstar der Berliner Gastro-Szene, dann läuft es wieder mal rund für die beiden.

Duc Ngo, seit vielen Jahren ein guter Freund von Rosen und Urgeanu, verantwortet die Konzeption der betont japanischen Küche im Moriki, dem Restaurant, das die beiden 2013 im Erdgeschoss der Deutsche-Bank-Türme eröffnet haben. „The Duc“, wie der Berliner vietnamesischer Herkunft in der Branche und von Bewunderern genannt wird, ist bekannt für Experimentierfreude, Qualitätsbewusstsein und vor allem für überraschende Geschmackserlebnisse. Damit liegt er geradezu genial auf gleicher Linie wie Rosen und Urseanu, die genau das zwar nicht kulinarisch, gleichwohl gestalterisch umsetzen.

Und sie haben einen weiteren Freund überzeugt, für ein neues Zukunftsprojekt mit ihnen zusammenzuarbeiten. Piero Lissoni, italienischer Star-Architekt aus Mailand, hat den Auftrag, ein zweites Roomers in Frankfurt zu gestalten, angenommen. Der Mann ist im Thema: Er hat auch das Innenraumkonzept des Roomers Baden-Baden erarbeitet. Das neue Frankfurter Roomers im schicken Westend dürfte auch für einen Architekten seines Formates einen besonderen Reiz haben. Geplant sind 136 Zimmer und Suiten mit einzigartigem Blick auf den Grüneburgpark, weshalb die vollständige Bezeichnung der neuen Nobelherberge Roomers Park View sein wird. Das Projekt Park View umfasst zwei Gebäude: einen Hotelturm mit 19 Stockwerken und einen weiteren Turm mit 26 Stockwerken, in dem hochklassige Eigentumswohnungen entstehen. „Das Hotel wird sich auf Suiten und ein besonderes Gastronomiekonzept konzentrieren, wie man es vom Roomers bereits kennt“, erklärt Micky Rosen die besonderen Akzente der exquisiten Hochhaus-Herberge, die voraussichtlich Ende 2020 öffnen wird. Der Clou wird die Bar in der 19. Etage mit Aussicht auf die Skyline und ein exklusiver Spa-Bereich im 18. Stockwerk sein. Das Verblüffende, sagt Alex Urseanu, sei das Vorstellungsvermögen von Micky Rosen. Auf kargen Baustellen, in halbfertigen Bauten sehe er gleichsam vor seinem geistigen Auge bereits das fertige Ergebnis. „Hier kommt die Lobby hin und da das Restaurant, die Zimmer machen wir so und die Bar so – und genau so funktioniert es dann auch“, beschreibt Urseanu die besonderen Talente des Freundes und scheint darüber immer noch verblüfft zu sein wie ein Junge über den Zauberer, der ein Kaninchen aus dem Hut zieht. Alex staunt, Micky schmunzelt, und der Betrachter ahnt: Diese zwei kongenialen Partner sind noch lange nicht am Ende ihrer Karriere angekommen.

Dass sie auch bodenständig können, zeigen sie mit der Gerbermühle, die sie nach jahrelangem Dornröschenschlaf wieder zum Leben erweckt und 2016 schließlich gekauft haben. Kaum etwas ist frankfurterischer und für Frankfurter sentimentaler besetzt als die Gerbermühle. Johann Wolfgang von Goethe ging weiland dort ein und aus, feierte dort seinen 66. Geburtstag und verewigte die idyllisch am Mainufer gelegene Mühle gar im „Osterspaziergang“ seines großen Werkes „Faust“. Der literarische Ruhm, den dies der Gerbermühle eintrug, verhinderte freilich nicht, dass sich ihr Zustand über Jahrzehnte in beklagenswerter Weise verschlechterte. Ende 2001 war sie schließlich so baufällig, dass ihr damaliger Eigentümer sie schloss. Vier Jahre lang rottete das im 16. Jahrhundert erbaute Haus vor sich hin. Im Sommer 2005 übernahmen Rosen und Urseanu die heikle Mission der Reanimierung der Gerbermühle und öffneten zunächst provisorisch die Gartenwirtschaft für Gäste. Bis 2007 wurde das Mühlenhaus saniert, um- und ausgebaut. Das Ergebnis ließ ganz Frankfurt vor Zufriedenheit aufseufzen. Die Gerbermühle war in Schönheit und Gediegenheit gleichsam wiederauferstanden, und niemanden hätte es gewundert, wäre auch noch der alte Herr Goethe um die Ecke spaziert gekommen. Die Gerbermühle, nunmehr ein Hotel im gehobenen Landhausstil mit 19 Gästezimmern und gemütlichem Restaurant, ist wieder, was sie mal war: ein Schmuckstück, und der unter alten Kastanien gelegene Sommergarten mit 500 Sitzplätzen ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Frankfurter. Die Entscheidung, das Kulturdenkmal Gerbermühle unter das Dach der Gekko Group zu holen, hat viel zu tun mit dem Lebensgefühl von Micky Rosen und Alex Urseanu. „Wir sind Frankfurter durch und durch und wollen Botschafter dieser tollen Stadt sein“, sagt Rosen, und Urseanu stimmt zu, und nichts daran klingt pathetisch oder peinlich.

Micky Rosen und Alex Urseanu, die Hoteliers des Jahres 2018, haben alles, was sie vorzuweisen haben, selbst erarbeitet. Das erdet sie. Das schweißt sie zusammen. „Wir haben denselben Background, haben von null angefangen, uns hochgekämpft und hochgearbeitet“, beschreibt Alex Urseanu die vielleicht wichtigste Gemeinsamkeit mit seinem Partner.

Micky Rosen ist ein echter Frankfurter, geboren und aufgewachsen in der Mainmetropole, seine Eltern waren Gastronomen im Bahnhofsviertel. Nach dem Abitur machte er die Lehre zum Hotelkaufmann im Hotel Intercontinental. Schon früh war er ein echtes Multitalent und organisierte Hochzeiten, Bar Mizwas und andere Events. Er sang sogar in einer Band. „Mir war früh klar, dass ich in dieser Branche bleiben will, aber mein eigenes Süppchen kochen werde“, sagt er rückblickend. Sechs Jahre lang managte er mehrere Hotels in Frankfurt. Eventplanung blieb sein Steckenpferd, auch als er erste Immobilien kaufte und mit Serviced Apartments auf den Beherbungsmarkt ging. Mit seinem Room Organisation Service (ROM) übernahm er das Facility Management der Appartements der Dresdner Bank. Dann kam das erste gemeinsame Projekt mit Alex Urseanu – das Hotel Bristol, der Beginn der Gekko Group. Als ausgebildeter Gastronom, leidenschaftlicher Gastgeber und Unternehmer treibt Rosen von jeher und heute vielleicht mehr denn je vor allem sein untrügliches Gespür für die Zeichen der Zeit an.

Alex Urseanu kam in Bukarest zur Welt. Nur wenige Monate nach seiner Geburt wanderte seine Mutter mit ihm nach Israel aus, kam mit drei Jahren nach Berlin und zwei Jahre später nach Frankfurt. Nach dem Abi studierte er zunächst Jura, beendete das Studium aber vorzeitig, da er sein eigenes Kaffeehaus eröffnete. Parallel zur Selbstständigkeit absolvierte er eine verkürzte Ausbildung im Steigenberger Airport Hotel. Mitte der 90er Jahre ging er nach Verkauf seines Cafés nach Tel Aviv, arbeitete dort im Sheraton Hotel. Bei seiner Rückkehr nach Frankfurt war er fest entschlossen, selbstständiger Hotelier zu werden, gründete aber doch erst einmal eine Einzelhandelskette mit 13 Shops für Mode und Geschenkartikel. 2001 war es dann so weit: Bristol, Gekko – die Geschichte ist hier schon erzählt.

Muss noch erwähnt werden, dass Rosen und Urseanu glühende Eintracht-Fans sind? Nein. Weil das klar ist für die zwei, denen Frankfurt Heimat ist, die das Lebensgefühl der Stadt aufsaugen und mitgestalten und die, so einfach ist es am Ende, ihre Stadt lieben.

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