Stefan Böhm-Ott, Referent von Oberbürgermeister Peter Feldmann, im Gespräch mit Michael Martis und weiteren Mitgliedern der Mieterinitiative Wallauer Straße. Zu dem gewünschten Gespräch mit dem Oberbürgermeister persönlich kam es indes nicht.
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Stefan Böhm-Ott, Referent von Oberbürgermeister Peter Feldmann, im Gespräch mit Michael Martis und weiteren Mitgliedern der Mieterinitiative Wallauer Straße. Zu dem gewünschten Gespräch mit dem Oberbürgermeister persönlich kam es indes nicht.

Anwohner der Wallauer Straße

Mieter demonstrieren vorm Römer

  • VonGernot Gottwals
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Über Vermüllung, Ratten und eine kräftige Mieterhöhung nach der Sanierung haben sich Vertreter der Mieterinitiative Wallauer Straße vor dem Römer beschwert. Das gewünschte Gespräch mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) kam indes nicht zustande.

Bezahlbarer Wohnraum für alle Frankfurter gehört zu den erklärten Zielen von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der sich gerne bürgernah gibt. „Doch es war uns trotz mehrerer Anfragen in seinem Büro nicht möglich, einen Termin mit ihm zu bekommen und ihm über die Missstände in unserem Wohnblock der Vonovia in der Wallauer Straße zu berichten“, kritisiert Michael Martis, Sprecher der Mieterinitiative.

Überall Ratten

Deshalb zogen gestern einige Mieter auf den Römerberg und demonstrierten mit Fotos, auf denen Ratten und Müllhalden zu sehen waren, gegen ihre Wohnverhältnisse, die sie für immer unzumutbarer halten. „Ich musste sogar schon meinen Kinderwagen vor den Ratten in Sicherheit bringen“, klagte die Mutter Hafida Azdi Ahmad, als man die Gruppe einige Minuten später in Empfang nahm, und verwies auf die schlechte Gesundheit ihrer Familie wegen Feuchtigkeit und Schimmel.

Anstelle des Oberbürgermeisters kam sein Referent Stefan Böhm-Ott und erklärte, das Stadtoberhaupt sei wegen eines vollen Terminkalenders verhindert. „Unsere Angelegenheit ist wirklich sehr dringend, warum kann man Herrn Feldmann nicht mal eine halbe Stunde lang holen?“, fragte Martis. „Ein persönliches Gespräch wird heute leider nicht möglich sein“, bedauerte Böhm-Ott.

Vor rund einem Jahr begann die Sanierung des Wohnblocks in der Wallauer Straße. Schon vor der Übernahme und Vorbereitung der Sanierung durch die Deutsche Annington (seit 2015 Vonovia) kam es zu Spannungen mit den Mietern, die eine „Luxussanierung“ mit Fahrstühlen anstelle der dringend notwendigen Trockenlegung der feuchten Wände und Reparaturen defekter Rohrleitungen beanstandeten.

Nach mehreren Klagen über die Sanierungsprobleme und Belästigungen durch die Baustelle auch im Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) hatten mehrere fehlerhafte Wasserabrechnungen im November, für die sich die Vonovia entschuldigte, zur erneuten Konfrontation geführt (wir berichteten mehrfach). „Ich werde auf jeden Fall das Ordnungsdezernat und die Bauaufsicht informieren und für einen baldigen Ortstermin sorgen“, versprach Böhm-Ott. Die Bauaufsicht sei auch wegen der Rattenplage schon informiert, habe aber bislang nur kurzfristig etwas bewirken können, sagte Martis. „Obwohl sogar Vertreter der Vonovia an Ort und Stelle waren und versprachen, Lösungen für all diese Probleme zu finden, ist offenbar immer noch nichts passiert“, schimpfte Eyup Yilmaz, Ortsbeiratsmitglied der Linken.

Alles halb so schlimm

Dem widerspricht Vonovia-Sprecherin Bettina Benner: „Wir wollten, um alle Probleme zu besprechen, einen Mieterbeirat gründen und haben zu einer Sitzung zum Ende des vergangenen Jahres eingeladen.“ Doch weil es Schwierigkeiten bei der Terminabstimmung gegeben habe, habe es diese Sitzung nicht gegeben. Gegen die Ratten, die vermutlich vom Bau- und zusätzlichem Hausmüll angelockt worden seien, habe man bereits einen Kammerjäger mit Giftködern beauftragt. Zudem habe man viele Wohnungsmängel in Abstimmung mit der Bauleitung beseitigt und den bereits beanstandeten teuren Einbau der Aufzüge gestrichen, so dass die Mietanpassung deutlich geringer ausfalle. Und wo sich Mieter durch die Baustelle belästigt fühlen, werde man im Einzelfall auch Mietminderung prüfen.

Böhm-Ott erklärt, man werde sich bald ein Bild von den Gegebenheiten vor Ort machen. Und ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister könne zumindest in Aussicht gestellt werden.

Der Immobilienkonzern Vonovia kündigt einer Tagesmutter in Frankfurt. Andere Mieter hatten sich zuvor beschwert.

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