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Die Gründerinnen der Mieterinitiative, Gabrielle Kinateder (links) und Joanna Abbou, wehren sich gegen drastische Mieterhöhungen.

Niederrad: Protest

Mieter machen gegen Erhöhung mobil

  • vonStefanie Wehr
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Modernisierung der Adolf-Miersch-Siedlung können sich viele nicht leisten.

Die Nassauische Heimstätte (NH) will Anfang 2021 in der Adolf-Miersch-Siedlung die Modernisierung fortsetzen. Die Wohnungsbaugesellschaft hat vor, die Mieten dort drastisch zu erhöhen.

Ab Mitte Februar sind die Gebäude in der Jugenheimer Straße an der Reihe, alles 50er-Jahre-Häuser, die teilweise noch mit Gaseinzelöfen ausgestattet sind. Stattdessen soll ein gasbefeuerter Brennwertkessel mit Wärmepumpe installiert werden. Bäder und Küchen werden modernisiert und neue Zähler eingebaut. Die Fassaden erhalten eine neue Dämmung. Balkone werden durch Vorstellbalkone ersetzt.

Außerdem werden die Gebäude aufgestockt - so wie derzeit in der Fritz-Kissel-Siedlung in Sachsenhausen, wo die Mieter, die sich wegen der Pandemie vor allem zu Hause aufhalten, unter erheblichem Baulärm und chaotischer Bauplanung leiden. 14 neue Wohnungen sollen entstehen. An der Melibocusstraße 48 wird zudem verdichtet: Zwei neue Wohngebäude mit 32 Wohnungen werden nächstes Jahr gebaut.

Die Mieter der Jugenheimer Straße sind in heller Aufruhr. Schon am Jahresanfang, als die Modernisierung und die damit einhergehenden Mieterhöhungen angekündigt wurden, gründeten sie deshalb die Mieterinitiative Adolf-Miersch-Siedlung. Jetzt rücken die Maßnahmen näher, die NH verschickt Briefe mit Terminen und der Bitte um schriftliche Einwilligung. "Die Mieterhöhung ist gerade jetzt zur Coronazeit sehr schlimm für die Bewohner, sie machen sich große Sorgen um die Zukunft", sagt Gabrielle Kinateder von der Mieterinitiative. "Viele sind Rentner, die sich das nicht leisten können. Viele jüngere Bewohner sind wegen Corona in Kurzarbeit oder sind gar arbeitslos geworden. Die Situation belastet alle sehr." Noch dazu habe die NH Maßnahmen angekündigt, die Anfang des Jahres noch nicht zur Debatte standen. "Fassadendämmung und Aufstockung sind uns neu", sagt Kinateder. Zudem sei mit Belastung durch Baulärm, Dreck und vorübergehende Ausquartierung zu rechnen.

"Vorgehensweise ist unmoralisch"

Die Mieter sind enttäuscht von der NH. Die Corona-Krise werde ausgenutzt: Mieter würden angerufen und zu Einzelgesprächen geladen, wo sie die Einverständniserklärung unterzeichnen sollten. Mieter fühlten sich bedrängt. "Es wird großer Druck ausgeübt".

In einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und den hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir (Grüne) fordern sie, die Gesprächstermine auszusetzen. "Viele Bewohner sind betagt oder haben Behinderungen und gehören zur Covid-19-Risikogruppe", mahnt die Initiative. Angesichts der wirtschaftlichen Engpässe, in die viele Mieter ohnehin wegen der Pandemie geraten seien, seien die Modernisierung und die Mieterhöhungen schlicht unmoralisch. "Die Nassauische Heimstätte zeigt ein rücksichtsloses Verhalten, das im Widerspruch zu ihren eigenen Unternehmenswerten steht."

Nach Angaben der Nassauischen Heimstätte betragen die Mieterhöhungen zwischen 84 und 132 Euro im Monat. Die Mieterinitiative hat sogar noch höherere Zahlen errechnet: Auf Mieter einer 63 Quadratmeter großen Wohnung käme inklusive monatlicher Vorauszahlungen für Heizung und Warmwasser und für die neuen Zähler eine Mieterhöhung von bis zu 190 Euro zu.

Die Initiative hält die umfassende Modernisierung für unnötig. "Wir brauchen keine neue Zentralheizung. Modernere Gaseinzelöfen und eine neue Dämmung wären ausreichend", so Kinateder. "Die Kostenerhöhungen sind zu drastisch." Vier Mieter seien deshalb schon weggezogen. Darunter eine alte Dame, die seit 30 Jahren in der Siedlung gewohnt hatte. "Sie hatte Glück, weil ihr Sohn ihr geholfen hat, etwas Neues zu finden. Das haben hier nicht alle." Stefanie Wehr

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