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Mieter verzweifelt über geflutete Wohnungen

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Von: Michael Forst

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Putz und Tapete lösen sich: Janet und Emanuel Abu-Osei zeigen die Schäden, die das Wasser in ihrer Wohnung hinterlassen hat.
Putz und Tapete lösen sich: Janet und Emanuel Abu-Osei zeigen die Schäden, die das Wasser in ihrer Wohnung hinterlassen hat. © Maik Reuß

Die Bewohner eines Hochhauses im Goldsteiner Heisenrath fühlen sich mit Wasserschäden alleingelassen.

Goldstein. Die vierköpfige Familie Abu-Osei in Goldstein hat ein Weihnachtsfest unter menschenunwürdigen Bedingungen verbracht. In ihrer kleinen Wohnung in der ersten Etage des elfstöckigen Wohnhauses in der Straße Im Heisenrath 16 war bereits am vorvergangenen Sonntag mit Fäkalien und Urin getränktes Wasser durch die Decke gesickert, die Wände hinuntergelaufen und hatte den Boden regelrecht geflutet. Sogar von der Deckenlampe tropften trübe Rinnsale und machten ihr Zuhause unbewohnbar.

Dennoch mussten Janet Abu-Osei, ihr Mann Emanuel, ihre Tochter Orabel (12) und ihr Sohn Maxwell (17) die vergangenen Tage in der stinkenden Wohnung verbringen - im Zimmer des Sohnes, das von dem Unglück im Kleinen noch am wenigstens abbekommen hatte. Auslöser des Ganzen war mutmaßlich eine verstopfte Abflussleitung bei einem Ehepaar in einer Wohnung in den oberen Stockwerken.

"Es ist so schlimm", sagt die Mutter Janet Abu-Osei, während sie auf die durch das Wasser verzogene Fliesen in ihrem Bad und die gelblichen Flecke an der Tapete zeigt. "Die Teppiche habe ich alle rausgenommen, sie waren alle komplett von dem dreckigen Wasser bedeckt", berichtet sie.

Sofort mit den Kindern zur Mutter

Eine Etage über ihr traf es Monika Klopp, ihren Lebensgefährten und ihre drei Kinder ebenfalls schlimm. Auch ihre Wohnung stand zwischenzeitlich in Teilen unter Wasser. "Zwei meiner Kinder, die unter Neurodermitis leiden, habe ich sofort zu meiner Mutter gebracht, weil der Stress ihre Krankheit noch schlimmer macht", erzählt sie. "Und mein Sohn will gar nicht mehr nach Hause."

Urin lief von den Wänden herunter

Monika Klopp berichtet von dramatischen Szenen, von die Wände herunterlaufendem Urin, davon, wie ihr Lebensgefährte verzweifelt durchs Treppenhaus lief, um die Obermieter zu bitten, kein Wasser laufen zu lassen. "Als das Wasser durch die Elektrik tropfte, habe ich die Sicherung abgestellt, meine Kinder geschnappt und bin zu meiner Mutter gelaufen." Eine Kanalreinigungsfirma saugte am Dienstag danach das Wasser ab, das schon auf den Hausflur gelaufen war, eine Putzfrau moppte am Mittwoch durch die Wohnung. Doch der Gestank bleibt allgegenwärtig in der Wohnung. Von der Reparatur-Annahmestelle E-Repa der ABG Holding, so erzählt Monika Klopp, habe sie nur die Auskunft erhalten, dass für den Januar ein Maler beauftragt werde, um die Wände neu zu streichen.

"Die Leute hier fühlen sich mit ihren Problemen von der ABG Holding alleine gelassen", sagt Hausbewohnerin Ilona Jones. Die resolute Frau hatte, als sie von der dramatischen Situation erfuhr, die Feuerwehr alarmiert, um die Wasserzufuhr im Keller abzustellen. Das sei jedoch misslungen, denn die Leitungen seien nicht markiert gewesen. "Der Feuerwehrmann war stinksauer, weil nicht erkennbar war, welche Leitung zu was gehört", berichtet Jones. Sie beklagt sich auch darüber, dass die Mieter oft abschätzig von den Service-Mitarbeitern behandelt werden, wenn sie sich telefonisch mit Problemen an sie wenden. "Da heißt es schon mal, man solle doch ausziehen, wenn es einem hier nicht gefalle", erzählt Ilona Jones.

Dem widerspricht Frank Junker, Vorsitzender der Geschäftsführung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt: "Für unseren Reparaturdienst E-Repa gilt, wie für uns selbst auch, dass freundlich und sachlich mit unseren Mietern kommuniziert wird. Auch sieht er keine Versäumnisse seitens der ABG Holding: Es seien "durch unseren Reparaturdienst E-Repa alle erforderlichen Aufträge zur akuten Schadensbeseitigung, zur Ursachenfindung und deren Behebung zeitnah erteilt und zur akuten Schadensbeseitigung auch bereits ausgeführt" worden. Ferner schreibt er, dass "der zuerst beauftragte Rohrreinigungsdienst von der Mieterin im 2. OG bei der Ausführung seiner Arbeiten zur akuten Schadensbeseitigung in der Wohnung so massiv beleidigt wurde, dass er die Arbeiten abbrach". Daraufhin musste eine weitere Firma beauftragt werden. "Die dadurch verursachte Verzögerung haben wir nicht zu vertreten." Ungeklärt bleibt indes, warum die Familie Abu-Osei immer noch auf Hilfe wartet. Ihre Wohnung taucht nicht in den von Junker aufgeführten Notdienstmeldungen auf. Michael Forst

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