Mieterproteste zeigen Wirkung

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Die Unzufriedenheit der Vonovia-Mieter in der Wallauer Straße über die Wohnsituation, Sanierung und Mieterhöhungen reißt nicht ab. Nach massiven Beschwerden im Ortsbeirat 1 will das neue Stadtteilparlament nun Vertreter des Wohnungsunternehmens, der Bauaufsicht und des Wohnungsamtes einladen.

Die Stellwand mit Fotos von Wohnungen mit Schimmel an Wänden und Decken sowie Mieterprotesten geriet im Versammlungsraum der Paul-Hindemith-Schule schnell zum Blickfang – auch oder gerade, weil sie die Mieter in der Wallauer Straße ohne Absprache mit dem Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) aufgebaut hatten. Doch dieser Umstand war einer langen und lebhaften Diskussion nicht abträglich.

„Ich habe zwei Kinder, unsere ganze Familie ist an den Bronchien erkrankt. Und doch werden wir immer wieder vertröstet, der Schimmel in unserer Wohnung wird höchstens stellenweise entfernt und kommt wieder“, beschwerte sich eine Mieterin. Eine weitere Bewohnerin war den Tränen nahe, als sie ihre Ängste äußerte, die Umbau- und Mieterhöhungspläne der Vonovia würden dazu führen, dass sie sich die Wohnung nicht mehr leisten könnte. Ein Mitmieter verwies auf andere Städte, wo die Vonovia mit ihrer Vermietungspolitik bereits „Ghettos“ geschaffen habe. „Auf die vergangenen Mieterhöhungen haben wir jetzt im Juli noch mal 15 Prozent zusätzlich bekommen“, erklärte Mieter Michael Martis.

Wie berichtet, hat die Vonovia (früher Deutsche Annington) im vergangenen Februar mit 3,5 Millionen Euro teuren Sanierungsmaßnahmen im Wohnblock an der Wallauer Straße begonnen. Da die Mieter Luxussanierungen mit aus ihrer Sicht unnötigen Fahrstühlen befürchteten, während viele Wohnungen mit feuchten Wänden und defekten Rohrleitungen immer mehr dem Verfall preisgegeben seien, hatten sie Proteste organisiert. Die Vonovia hatte zwischenzeitig eingelenkt, eine Instandsetzung der Wohnungen mit Abarbeitung aller aufgelisteten Schäden versprochen und bei Mieterhöhungen Kappungsgrenzen in Aussicht gestellt, so dass die durchschnittliche Miete nach der Modernisierung bei circa 8,14 Euro pro Quadratmeter liegt.

Doch die Klagen der Bewohner auch über die mangelnde Sicherung der Baustellen reißen nicht ab. „Wenn so viele Maßnahmen nicht oder gegen unseren Willen umgesetzt werden, dann fragen wir uns, wo unsere Rechte als Mieter in der Demokratie bleiben“, betonte Martis, was auch im Ortsbeirat selbst kontroverse Reaktionen auslöste: Während Stephan Korte (FDP) Verständnis für die Schaffung einer Öffentlichkeit zu den Mieterproblemen äußerte, aber gleichzeitig die Grenzen des Ortsbeirats als Rechtsinstitution aufzeigte und auf den privaten Rechtsweg mit Anwälten verwies, nahm Kai-Oliver Tiffany (Linke) die Politik sehr wohl in die Pflicht: „Vonovia hat frühere Eisenbahnerwohnungen günstig übernommen und ist hier nur auf Rendite aus.“

„Die Vonovia hat in einem Treffen mit Ortsbeiratsmitgliedern die Umbau- und Instandhaltungsmaßnahmen vorgestellt und versichert, jetzt wieder Hausmeister und Sachverständige einzusetzen“, berichtete Eva Triantafillidou (Grüne). „Wir sollten nun die Wohnungsgesellschaft selbst einladen und uns die Maßnahmen vorstellen lassen, um zu einer Klärung zu kommen“, schlug sie vor. Der neue Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) will Kontakt zum Mieterschutzverein aufnehmen, Ralf Schmidt-Berberich (Grüne) will noch weitergehen: „Bei solchen Beschwerden brauchen wir schon Vertreter der Bauaufsicht und des Amtes für Wohnungswesen“, betonte er. „Es wäre wichtig, dass Vertreter des Ortsbeirats solche aufwendigen Sanierungen kritisch begleiten, weil es auch in anderen Stadtteilen zur Gentrifizierung kommt“, regte Helga Roos vom Sportkreis Frankfurt an.

„Wir arbeiten im Rahmen der Sanierung die Mängelliste ab. Doch manche Mieter sind für eine Terminierung einfach sehr schwer erreichbar“, erklärt Vonovia-Sprecherin Bettina Benner auf Anfrage zu den Vorwürfen. „Dort, wo sich Schimmel etwa an den Fensterlaibungen gebildet hat, wird dieser Schaden beim Einbau der neuen Fenster behoben.“ Auch von Vertrösten könne keine Rede sein. Die Baustelle werde zusätzlich durch Zäune gesichert, um das Betreten der Gerüste zu verhindern. Die Mieterhöhung zum Juli um 15 Prozent sei dagegen ein bedauerlicher Systemfehler gewesen, von dem 35 Mieter betroffen seien. „Diese Anpassungen werden alle zurückgenommen und die Mieter entsprechend informiert.“

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