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Mietspiegel: Wohnen in Frankfurt wird jährlich zwei Prozent teurer

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Der Magistrat hat den Mietspiegel für 2018 rückwirkend zum 1. Juni in Kraft gesetzt. Gegenüber dem Zahlenwerk von 2014 ist die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter Wohnraum in Frankfurt von 8,66 Euro auf nun 9,36 Euro gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von rund zwei Prozent jährlich.

Die Mieten sind das Top-Thema in der Stadt. Schließlich ist die Eigentumsquote in keiner westdeutschen Stadt so niedrig wie in Frankfurt. Nur knapp 20 Prozent der Bewohner der Mainmetropole leben in den eigenen vier Wänden, der Rest zahlt Miete. Wie viel, bestimmt auch der Mietspiegel.

„Die Befürchtung, dass die Mieten durch die Decke gegangen sind, hat sich nicht bewahrheitet“, betonte gestern Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Die Erhöhung falle sogar niedriger aus als beim Mietspiegel 2014. Damals betrug von 2010 auf 2014 die Steigerung 11,3 Prozent. Angesichts von Preiserhöhungen für Eigentumswohnungen im zweistelligen Bereich pro Jahr sei die Mieterhöhung moderat. Dass die von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) für die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding vor rund eineinhalb Jahren verordnete Mietpreisbremse eine dämpfende Wirkung auf den Mietspiegel gehabt haben könnte, konnte Josef nicht bestätigen. Die frei finanzierten Wohnungen der ABG Holding sind mit einer durchschnittlichen Nettokaltmiete von 7.98 Euro pro Quadratmeter im Monat ohnehin günstiger als der Durchschnittswert des Mietspiegels. Nach Angaben von Christian von Malottki, der im Auftrag des Instituts für Wohnen und Umwelt den Mietspiegel erstellte, lässt sich der Effekt von Feldmanns Mietpreisbremse auch in Zukunft nicht statistisch nachweisen.

Dass der Preisanstieg für das Wohnen dennoch in den vergangenen vier Jahren insgesamt um 4,6 Prozent über der Teuerungsrate lag, unterstrich Axel Tausendpfund, Geschäftsführer des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft. Ebenfalls 4,6 Prozent über der Inflationsrate seien aber bereits die Mieten in den Jahren 2010 bis 2014 gelegen.

Gemäß den gesetzlichen Vorgaben bildet der Mietspiegel nicht die aktuellen Marktmieten ab, sondern die Mieten, die in den letzten vier Jahren geändert oder neu vereinbart wurden. Von den rund 370 000 Wohnungen in Frankfurt werden die Sozialwohnungen sowie selbst genutztes Wohnungseigentum nicht erfasst.

Die ermittelten Preissteigerungen im neuen Mietspiegel entsprechen laut Tausendpfund dem üblichen Rahmen für stark prosperierende Märkte. Rolf Janßen, Geschäftsführer des Frankfurter Mieterschutzvereins mit rund 20 000 Mitgliedern, erklärte, dass das auf wissenschaftlicher Basis erstellte Zahlenwerk überhöhte Mieten verhindere.

Die aktuelle Untersuchung brachte auch neue Erkenntnisse. Im Unterschied zum Vorgängerwerk gibt es im Mietspiegel 2018 einen Abschlag für sehr einfache Lagen, in denen allerdings nur rund drei Prozent der Wohnungen liegen. Das übrige System der Wohnlagen entspricht dem aus dem letzten Mietspiegel. Allerdings hat sich diesmal kein Preiseinfluss besonders lärmbelasteter Straßen nachweisen lassen, so dass auch hier die Zuschläge für gehobene oder sehr gute Wohnlagen verlangt werden können.

Dass für eine Wohnung mit einer guten energetischen Ausstattung mehr Geld verlangt werden kann, konnte ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Mieter honorieren aber eine Einbauküche oder einen Stellplatz. Für eine Küche auf dem Flur wird dagegen ein Abschlag fällig. Interesse besteht auch an einem barrierefreien Zugang zur Wohnung oder an einer Fußbodenheizung.

Der neue Mietspiegel 2018 basiert auf über 3537 Interviews repräsentativer Mieterhaushalte und rund 500 schriftlichen Angaben von Vermietern. Das Zahlenwerk dient der Begründung eines Erhöhungsverlangens zur Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete und der Überprüfung der Angemessenheit gezahlter Mieten. Es ist in Kürze im Amt für Wohnungswesen und über den Buch- und Zeitschriftenhandel sowie in Bürgerämtern für drei Euro erhältlich.

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