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Mike Josef lässt sich in die Pflicht nehmen

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Von: Thomas Remlein

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SPD-Oberbürgermeisterkandidat Mike Josef, geboren in Kameshly (Syrien), aufgewachsen in Ulm, zum Studium und Beruf nach Frankfurt gekommen, derzeit Dezernent für Planen, Wohnen und Sport.
SPD-Oberbürgermeisterkandidat Mike Josef, geboren in Kameshly (Syrien), aufgewachsen in Ulm, zum Studium und Beruf nach Frankfurt gekommen, derzeit Dezernent für Planen, Wohnen und Sport. © dpa

Der 39-Jährige legt den Frankfurter SPD-Parteivorsitz nieder und wird OB-Kandidat

„Der richtige Kandidat, zur richtigen Zeit und im richtigen Alter“: So stellte die stellvertretende Frankfurter SPD-Parteivorsitzende Ina Hartwig gestern im Foyer des Gallustheaters Mike Josef als Oberbürgermeisterkandidaten ihrer Partei vor. Am Tag zuvor war der 39-Jährige von den Parteigremien einstimmig nominiert worden.

Für Hartwig beinhaltet Josefs Migrationsgeschichte die Botschaft: Man kann nach Frankfurt kommen und etwas werden. Josef könne das Frankfurt von heute perfekt darstellen.

Der Angesprochene erklärte, dass er nicht im Traum daran gedacht habe, als er 1987 mit seinen Eltern als Vierjähriger aus Syrien nach Deutschland eingewandert sei, einmal Oberbürgermeisterkandidat in Deutschlands fünfgrößter Stadt zu werden. Er haben vor seiner Entscheidung zu kandidieren nachgedacht und sich mit seiner Familie und Freunden beraten. Das Ergebnis: „Ich glaube, ich will es und kann es.“ Als Parteivorsitzender trat Josef mit sofortiger Wirkung zurück, denn: „Ich will Oberbürgermeister aller Frankfurter sein.“ Bis zur Neuwahl des SPD-Unterbezirksvorstandes im März/April führen Josefs Stellvertreter Kolja Müller und Ina Hartwig die Partei kommissarisch.

Jugendfreund kommt zur Vorstellung

Zu Josefs Vorstellung als OB-Kandidat hatte sich sein Jugendfreund Dejvid Ristovski aus Ulm extra frei genommen. Ristovski und Josef haben gemeinsam bis zur 5. Klasse die Hauptschule besucht und kennen sich vom Fußballplatz. Beide kickten beim TV Wiblingen, einem Verein in einem Stadtteil von Ulm. Josef wechselte später zum SSV Ulm und ging dann nach Frankfurt zum Studieren. „Warum, wieso?, haben wir damals gefragt“, erinnerte sich der Jugendfreund, der als Industriemechaniker arbeitet. Weil er Eintracht-Fan sei, habe Josef geantwortet. „Nach ein bis zwei Jahren haben wir es immer noch nicht verstanden“, sagte Ristovski. Jetzt freuen sich aber die alten Freunde, wenn Mike sie in Ulm besucht. „Mike hat sich nicht verändert“, sagte Ristovski.

„Familie und Freunde sind Konstanten in meinem Leben“, betonte Josef. Dankbar ist er auch dem evangelischen Pfarrer aus Ulm, der seiner Familie beim Neustart geholfen habe. Es sei ihm eine große Freude gewesen, dessen Sohn später als Dezernent im Römer bei einem Empfang wiedergetroffen zu haben. Die Angehörigen von Josefs Familie waren aramäische Christen, sind aber wegen der Unterstützung des Ulmer Pfarrers (Josef: „Er hat uns am meisten geholfen“) zum evangelischen Glauben übergetreten.

Der soziale Zusammenhalt ist Josefs wichtigstes politisches Anliegen. Dieser sei Grundlage für ein glückliches Leben. Teil einer Stadt zu sein, heiße: gute Schulen und Wohnungen und ein sicherer Arbeitsplatz. Er habe in Frankfurt sein Glück gefunden und wolle davon etwas zurückgeben. Der OB-Kandidat warnte davor, soziale und ökonomische Fragen gegeneinander auszuspielen. Es gebe keinen guten sozialen Zusammenhalt ohne wirtschaftliche Grundlage.

Mit der Abwahl des Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) sei nicht der Mietenstopp oder der kostenlose Eintritt für Kinder und Jugendliche in Museen abgewählt worden. Auf die Frage, ob er für seinen Wahlkampf Querschüsse seines nun abgewählten Vorgängers fürchte, sagte Josef: „Das Verhalten anderer ist unterwegs nicht steuerbar.“ Gleichzeitig verwies er darauf, dass Feldmann mit einer Mehrheit von 95 Prozent abgewählt worden sei. Und Kolja Müller ergänzte, dass beim SPD-Parteitag im Juli 94 Prozent der Delegierten für eine Resolution gestimmt hätten, die den Rücktritt Feldmanns forderte: „Die Sozialdemokratie steht. Das macht mich zuversichtlich.“

Für die CDU soll der ehemalige Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker ins Rennen gehen. Die Grünen wollen am 19. November beraten, wen sie als Kandidaten aufstellen. Der Kreisvorstand der Linken hat Daniela Mehler-Würzbach als Kandidatin vorgeschlagen, die für die Partei im Stadtparlament sitzt.

Thomas REMLEIN

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