Vieles ist zu wuchten in den Frachthallen der Fraport-Tochter FCS - auch jetzt während der Corona-Krise.
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Vieles ist zu wuchten in den Frachthallen der Fraport-Tochter FCS - auch jetzt während der Corona-Krise.

Pandemie

3,5 Milliarden Masken helfen in Frankfurt durch die Corona-Zeit

  • vonKatja Sturm
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In der Frachthalle der Cargo City Süd am Flughafen herrscht auch in der Corona-Krise Hochbetrieb - ganz anders als in den Terminal-Gebäuden für Passagiere nebenan. Denn hier läuft die riesige Logistik für den Nachschub an Schutzmasken.

Frankfurt -Auf den riesigen deckenhohen Regalen, die an ein schwedisches Möbelhaus erinnern, stapeln sich Pakete. Drumherum herrscht in der Frachthalle der Cargo City Süd am Frankfurter Flughafen Hochbetrieb. Zahlreiche Gabelstapler kurven herum. Mehrere Menschen mit leuchtend gelben Arbeitswesten entpacken Paletten aus zuvor sorgfältig mit Folie und Netzen zusammengeschweißten und auf Aluunterlagen angeordneten Kartons. Auf einer Rampe vor dem Gebäude warten Lkw für den Abtransport, auf der anderen Seite, Richtung Vorfeld, gibt es auf dem Vorplatz zwar eine größere freie Stelle. Doch das ist, wie versichert wird, nur ein Zwischenstand und kann sich schnell wieder ändern.

Von einer Coronavirus-Krise, wie sie sich in diesen Tagen in den verödeten Passagier-Terminals am Airport widerspiegelt, ist hier für Außenstehende nichts zu merken. Dennoch ist die Pandemie auch am Frachtflughafen nicht spurlos vorbeigegangen. Sie hat, wie Max Philipp Conrady, der Leiter der Zentrale Frachtinfrastruktur beim Flughafenbetreiber Fraport, sagt, das Geschäft nicht negativ beeinflusst, aber verändert. Während die Passagierzahlen eingebrochen sind, halten sich die Frachtbewegungen etwa auf gleichem Niveau wie auch sonst zu dieser Jahreszeit. Allein das Verhältnis von Ex- und Import hat sich gedreht. 40 Prozent Warenausfuhr stehen nun 60 Prozent Einfuhr gegenüber; vorher war das Verhältnis umgekehrt.

Schnelles Handeln war gefragt

Den größten Anteil an Einzelartikeln machten zuletzt Schutzutensilien wie Nasen-Mund-Masken aus, von denen seit März etwa 3,5 Milliarden nach Deutschland, überwiegend aus Asien kommend, eingeflogen wurden. Da diese Lieferungen deutlich leichter, aber auch kleinteiliger sind als viele andere Produkte, die ansonsten durch den Luftraum schweben, bedarf es zahlreicher Leute, um diese am Boden von einer Station zur anderen weiterzureichen. "Zum Umladen wird hier alles mit der Hand angefasst", erklärt Claus Wagner, Geschäftsführer von Frankfurt Cargo Services (FCS), einem der beiden größten Frachtabfertigungsunternehmen, die ihren Standort im Rhein-Main-Gebiet haben. Um sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen, wurden Umstrukturierungen vorgenommen. Konkurrenzverhältnisse rückten in den Hintergrund, um schnelles, möglichst unkompliziertes Handeln zu ermöglichen. "Wir haben eine Community gebildet", sagt Wagner.

Das ist auch deshalb nötig, weil es die Frachtexperten am Flughafen plötzlich mit Fluglinien und Partnern zu tun haben, die sie vorher nicht kannten. Normalerweise, so Conrady, "fliegt nur, was fliegen muss". Was nicht auf anderen Wegen, über die Straße, die Gleise oder per Schiff, transportiert werden kann. Denn Fliegen ist äußerst kostspielig; der finanzielle Aufwand für einen entsprechenden Transport kann den des Seeweges um ein Hundertfaches übersteigen. Aufgrund des spontanen Bedarfs war besonders in der Anfangszeit der Corona-bedingen Einschränkungen Eile geboten, das nötige Material nach Deutschland zu schaffen. Gleichzeitig fielen bis zu 98 Prozent der Passagierflüge weg. Diese werden sonst mitgenutzt, um Waren von einem Land zum anderen zu bringen.

So haben Chartermaschinen zugenommen, deren Auftraggeber sich oft nicht mit Luftfracht auskennen und deren Personal die Bedingungen in Frankfurt fremd sind. Auch die Planbarkeit bleibt auf der Strecke. Wer wann wo landet und abgefertigt werden muss, erfährt man oft sehr kurzfristig und muss die eigenen Mitarbeiter dann so schnell wie möglich an die entsprechenden Standorte bringen. "Wir müssen extrem flexibel sein", betont Conrady.

Chartermaschinen eingesetzt

Ungenutzte Passagiermaschinen werden teilweise für Transporte umfunktioniert. Dabei werden Pakete zwischen Sitzreihen geklemmt oder in den Gängen aufgereiht. Der Begriff des "Prachters" wird in solchen Fällen verwendet, eine Wortkomposition aus Passagiermaschine und Frachter. Deren Be- und Entladung ist laut Conrady mit einem extrem hohen manuellen Aufwand verbunden.

Von Kurzarbeit wie in vielen anderen Bereichen oder Betrieben ist man entsprechend weit entfernt. Weiterhin wird 365 Tage im Jahr 24 Stunden pro Tag gearbeitet. Zumindest bislang, wie Wagner sagt, für dessen Unternehmen allein etwa 1000 Mitarbeiter in unterschiedlichsten Arbeitsverhältnissen mit dem Frachtgut beschäftigt sind. Für diese musste selbstverständlich ebenfalls für Sicherheit gesorgt werden. Das Personal wurde dafür in feste Gruppen für die verschiedenen Schichten eingeteilt, die möglichst keinen Kontakt miteinander hatten. Für die begleitenden Maßnahmen fielen monatlich weit mehr als 100 000 Euro an. Bislang blieb man so von Krankheitsfällen verschont.

Es lässt sich nicht abschätzen, wie sich alles weiterentwickelt, wenn die Nachfrage an dem medizinischen und hygienischen Material nachlassen und der Export parallel nicht ansteigen sollte. Doch was auch immer passiert - Wagner betont: "Wir sind auf alles vorbereitet." Auch darauf, dass irgendwann wieder Normalität herrscht.

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