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Baustelle Schulcampus Westend

Bau

56 Millionen Euro kostet das Schul-Provisorium, das auf dem Sportplatz der Philipp-Holzmann-Schule entsteht

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) und Baudezernent Jan Schneider (CDU) haben den Startschuss für die Realisierung eines der aktuell größten Schulbauprojekte in der Stadt gegeben.

Vor Steinen und Spachteln haben sich Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) und Baudezernent Jan Schneider (CDU) am Dienstag auf der Baustelle am nördlichen Rand des Campus Westend aufgestellt. Alles symbolisch für den offiziellen Startschuss für den Bau des Übergangsquartiers von Adorno-Gymnasium und Holzhausenschule – doch mit Steinen und Spachtel hat das Vorhaben eigentlich wenig zu tun. Der überwiegende Teil des Gebäudes wird aus Holz bestehen. „Es entsteht die größte Holzmodulanlage Europas“, sagt Weber. „Und das ist ein großer Tag für Frankfurt.“

Ein großer Tag, weil die beiden Schulen lange auf diesen Moment warten mussten. Da ist das Adorno-Gymnasium mit seiner leidvollen Geschichte: 2015 in Containern in Höchst gegründet, sollte es zunächst nach Nied ziehen. Das klappte wegen der Nähe zum Chemiestandort nicht. Dann war ein Umzug in einen Neubau für 2018 auf dem Campus Westend geplant. Klappte auch nicht. Das Areal gehört zwar der Stadt, ist aber als Erweiterungsgelände für die Uni ausgewiesen. Die Stadt hat dort kein Baurecht und hätte die Fläche nur temporär auf unbestimmte Zeit nutzen können.

Ein Deal mit dem Land Hessen wurde ausgehandelt: Frankfurt erhält ein Areal an der Hansaallee, auf dem es für das Gymnasium einen Neubau errichten kann. Das Land bekommt dafür die Fläche auf dem Campus Westend, auf dem die Uni perspektivisch die Bibliothek errichten möchte, die Stadt aber zunächst ein Provisorium für die Schule aufstellen darf. Allerdings: Der Tauschhandel ist bis heute nicht vollzogen. „Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben“, sagt Schneider.

Das Provisorium kann aber schon mal erstellt werden. Dort soll das Adorno im Sommer 2019 einziehen. Für Schulleiter Mathias Koepsell ist der Übergangsstandort auf dem Campus „ein Glücksfall“. Die Kooperation mit der Universität könne nun intensiviert werden und später würde man ja auch an die Hansaallee nur „rüberrücken“. Die Verankerung an die Uni könne bleiben. Die Eltern hoffen derweil einfach nur, dass es wirklich mit dem Umzug 2019 klappt. „Nach dem langen Weg hat man Zweifel“, sagt Anette Ignatzi vom Stadtelternbeirat. „Aber nun wurde früher als geplant mit dem Provisorium angefangen, das ist beruhigend.“

Noch viel länger als Koepsell wartet Josefa Maria Hybner-Kauß, Schulleiterin der Holzhausenschule, auf ein Übergangsquartier. Denn die Grundschule im Westend ist völlig sanierungsbedürftig. „Wir haben Statikprobleme, Schimmel, Risse in den Wänden“, sagt Hybner-Kauß. „Wir freuen uns auf ein schönes Schulhaus.“ Einen Wehrmutstropfen gebe es aber: „Die Klassenräume im Provisorium haben keine Waschbecken.“ In einer Grundschule sei das aber nötig. Man wolle das noch einmal mit den Dezernenten besprechen.

Mehr als 2000 Schüler werden auf dem Campus Westend lernen, bis sie nach maximal fünf Jahren ins sanierte Stammhaus oder den Neubau ziehen können. Doch das Provisorium auf dem Campus „ist keine Übergangslösung, in der man seinem Dasein fristet“, sagt Weber. Es gebe Fachräume und eine Mediathek, auch sei der Ausbau des Ganztags berücksichtigt. Keine Lösung gibt es allerdings derzeit für eine Turnhalle. Zwar soll sie auf dem Gelände an der Hansaallee als erstes gebaut werden, doch bis dahin ist noch nicht klar, wo die Schulen Sportunterricht haben werden.

Derzeit werden auf dem Campus Westend Erdarbeiten vorgenommen, Küche und Mensa gebaut – die einzigen Gebäudeteile in massiver Bauweise. Im Frühjahr werden dann die vorgefertigten Holzmodule gebracht. 56 Millionen Euro kostet das Übergangsquartier. „Aber die Raumzellen werden danach für weitere Projekte genutzt“, sagt Schneider. „Das relativiert den Preis.“

(sabu)

Kommentar von Sören Rabe

Die wachsende Stadt braucht dringend neue Schulgebäude, um mit den steigenden Schülerzahlen mitzuhalten. Deswegen müssen auch unorthodoxe Wege eingeschlagen werden, wie jetzt auf dem ehemaligen Sportplatz der Philipp-Holzmann-Schule. Zum Übergang wird dort innerhalb kürzester Zeit Platz geschaffen, zwei Schulen unterzubringen. Und das lässt sich die Stadt mit 56 Millionen Euro einiges kosten. Fünf Jahre lang soll das Adorno-Gymnasium dort maximal verweilen, die Holzhausenschule kürzer. 56 Millionen Euro für fünf Jahre. Nachhaltig geht anders.

Die Fehler liegen lange zurück, die jetzige Stadtregierung muss das ausbaden, was jahrelang in Sachen Schulbau verschlampt wurde. Die SPD-Dezernentin Sylvia Weber ist erst seit zwei Jahren im Amt, zuvor war das Dezernat 27 Jahre lang in den Händen der Grünen, erst Jutta Ebeling (1989–2012), dann Sarah Sorge (2012–2016). Schon vor zehn Jahren wurde der Sanierungsstau in den Schulen bemängelt, Neubauten gab es nur wenige. Das rächt sich nun massiv. Es muss viel Geld investiert werden für Übergangsbauten, während andere Schulen noch immer auf Sanierungen warten. Im Fall des Sportgeländes der Philipp-Holzmann-Schule musste zudem noch ein Sportverein weichen, der dort beheimatet war. Aber Grundstücke sind in einer Stadt wie Frankfurt eben rar, besonders in zentralen Lagen.

Das Problem wird noch größer, wenn die Verdichtung der bestehenden Stadtviertel voranschreitet. Dort ist einfach kaum noch Platz für Infrastruktur. Anders sieht es in den Randlagen aus, doch dort gibt es große Bedenken gegen neue Quartiere wie im Nordwesten der Stadt. Flächen für Wohnbebauung und Infrastruktur sind dort aber vorhanden.

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