90 Millionen wären futsch

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Derzeit läuft die Untersuchung einer 50-köpfigen Expertengruppe, wie teuer die Sanierung der Städtischen Bühnen wird und ob ein Neubau eine Alternative wäre. Doch in den vergangenen zehn Jahren wurden rund 90 Millionen Euro in das Gebäude am Willy-Brandt-Platz gesteckt. Geld, dass bei einem Abriss futsch wäre.

Die Zukunft von Oper und Schauspiel debattierte das Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung ausführlich. Die Stadtverordnete Elke Tafel-Stein von den Liberalen erkundigte sich beispielsweise in der Fragestunde, welcher Betrag für die Bauunterhaltung in das Gebäude geflossen sei. Jetzt liegt die schriftliche Antwort der Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) vor: Die Beträge summieren sich auf über 90 Millionen Euro.

Der größte Brocken war die Sanierung der Werkstätten mit knapp 60 Millionen Euro. Baubeginn war 2004, die Fertigstellung erfolgte 2011. Es stehen noch Schlussrechnungen aus. Der Abbruch des alten Werkstattkomplexes innerhalb der Theaterdoppelanlage im Sommer 2006 schuf Platz für den Neubau der Produktionsstätten. Ziel war es, „die enge Zusammenarbeit zwischen Spielbetrieb, Bühnenbild, Kostüm und Maske durch die räumliche Konzentration am Standort zu erhalten und gleichzeitig Funktionalität und Betriebsabläufe zu optimieren“. Das Raumprogramm sah auf insgesamt 7700 Quadratmetern Nutzfläche neue Dekorationswerkstätten für Schlosser, Schreiner, Plastiker, Tapezierer, Malersäle, Kostümwerkstätten sowie Werkstätten für den allgemeinen Bühnenbetrieb vor. Die Maler erhielten einen eigenen Saal, der 40 Meter lang und 20 Meter breit ist. Dadurch können sie die Bilder überprüfen, bevor sie zum ersten Mal in der Bühne hängen. Außerdem entstanden zentrale Umkleiden, Duschen, Lagerflächen und zusätzliche Büroflächen. Die umfangreichen Umbauarbeiten fanden während der Theaterferien statt.

Das Projekt war von immensen Kostensteigerungen begleitet. Ursprünglich waren 40 Millionen Euro eingeplant, am Ende wurden es fast 60 Millionen Euro.

Mehrkostenvorlagen

erreichten die Stadtverordnetenversammlung, zunächst über 14 Millionen Euro. Als dann bereits 54.8 Millionen Euro bewilligt waren, kamen Nachforderungen von 5,14 Millionen Euro hinzu, so dass am Ende ein Plus von knapp 20 Millionen Euro zusammenkam.

Ganz unschuldig waren die Stadtverordneten daran nicht: Sie ließen sich eine schönere Fassade viel (Steuer-)Geld kosten. Für den „Rest“ sorgte die Bundesregierung mit der unerwarteten Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007.

Das Projekt des Werkstätten-Neubaus fiel in die Amtszeit des Kulturdezernenten Hans-Bernhard Nordhoff (SPD) und des Baudezernenten Franz Zimmermann (FDP). „Bei Gesamtkosten von über 50 Millionen Euro hätten wir die Werkstätten auf die grüne Wiese verlagert“, sagte damals Jochem Heumann von der CDU-Fraktion und war in dieser Frage im Kulturausschuss einer Meinung mit dem damaligen SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling.

Auch jetzt steht ein Neubau von Schauspiel und Oper an einem anderen Ort zur Debatte. Ins Gespräch gebracht wurde beispielsweise das ehemalige Polizeipräsidium am Platz der Republik. Auch ein Abriss und Neubau am Willy-Brandt-Platz wird erwogen. In beiden Fällen wären die bereits getätigten Investitionen in das bestehende Gebäude verloren. Bis zu einer Komplettsanierung sind noch etwa fünf Jahre Zeit.

Dass lediglich die Hülle des 1963 fertiggestellten Gebäudes marode ist, nicht aber die Bühnentechnik, ist kontinuierlichen Sanierungen zu verdanken. Die Untermaschinerie im Schauspiel wurde von 2002 bis 2009 für rund 9 Millionen erneuert, die Obermaschinerie zwischen 2008 bis 2015 für rund 17,5 Millionen Euro. Die Legionellensanierung an der Westseite des Gebäudekomplexes kostete zwischen 2005 bis 2014 rund 1,9 Millionen Euro die an der Ostseite begann 2009 und wird im nächsten Jahr beendet sein. Kostenpunkt: Rund 2,8 Millionen Euro. Dabei wird das Leitungsnetz der Warm- und Kaltwasserversorgung erneuert, um den in den Rohren existierenden Bakterien den Nährboden zu entziehen.

In die Brandschutzsanierung des Gebäudekomplexes fließen jährlich zwischen einer und 1,4 Millionen Euro.

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