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„Pitch Club“

15 Minuten für eine starke Zukunft

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Um eine Geschäftsidee zu verwirklichen, benötigt man meistens eine ganze Menge Geld. So geht es Finanzdienstleistern genauso wie Start-Ups im kreativen Bereich. Um ihnen ein Startkapital zu beschaffen, haben drei Frankfurter Gründungsexperten den „Pitch Club“ ins Leben gerufen.

15 Minuten Zeit haben die Firmengründer, um andere von ihren Konzepten zu überzeugen. Was für so eine große Aufgabe wenig klingen mag, ist für die anwesenden Start-Ups aber eine Gelegenheit, denn ihnen gegenüber sitzen sicher zwei Dutzend Investoren, die nur ihretwegen gekommen sind und ihre Kurzpräsentationen aufmerksam verfolgen. Am Ende des „Pitch Clubs“ haben sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Kontakt aufzunehmen.

Doch so spontan die Gründerszene in Deutschland auch sein mag: Wenn es um finanzielle Entscheidungen geht, dauert alles seine Zeit. Darum ist es kaum verwunderlich, dass sich die teilnehmenden Start-Ups etwas gedulden mussten, bis ihre Teilnahme an einem ganz besonderen Event im Frankfurter Club Gibson auf der Zeil Früchte trug. Drei Wochen nach dem „Pitch Club“ stehen die meisten von ihnen nun aber tatsächlich in Verhandlungen mit Investoren, die ihr Konzept unterstützen würden. Ihr Auftritt hat sich gelohnt.

„Beim Pitch Club geht es darum, Gründer und Investoren an einen Tisch zu bringen. Denn ohne eine ausreichende Finanzierung haben oft die besten Ideen keine Chance“, sagt Stefan Maas, einer der Initiatoren der Veranstaltung. Zum dritten Mal fand sie Ende Januar statt, die ersten beiden Male im inzwischen geschlossenen Club Katana, dann im Gibson.

In ungezwungener Clubatmosphäre stellen die Start-Ups ihre Geschäftsideen vor, die Kontakte knüpfen Ideen- und Geldgeber mit musikalischer Untermalung und Drinks. Der „Pitch Club“ passt zu dem, was Start-Ups ausmachen soll: originelle Ideen, neue Wege und die Tatsache, dass jeder, der diese beiden Dinge verknüpft und hart genug arbeitet, damit erfolgreich sein kann.

Daran glaubt auch das Team von Jörg Jessen, das eine Möglichkeit zur sicheren Authentifizierung in den Bereichen e-Commerce und e-Banking entwickelt hat. „Secco“ soll das Produkt der Firma Authada heißen, das die Daten auf dem neuen Personalausweis und ein persönliches Kennwort nutzt und durch ein Forschungsprojekt der Hochschule Darmstadt entstanden ist. Im Herbst soll „Secco“ erstmals auf dem Markt beweisen, was es kann. Bis dahin braucht Jessens Firma allerdings noch mal eine ganze Menge Kapital. Vier mögliche Investoren hatten keine drei Wochen später eine mögliche Zusammenarbeit in Aussicht gestellt.

Neben Authada stellten sich noch eine ganze Menge anderer Start-Ups vor: Die mobile App „krittiq“ etwa – ebenfalls ein Hochschulprojekt aus Kassel – erlaubt ihren Benutzern Filme zu kritisieren und ihre Empfehlungen mit Freunden und anderen Benutzern zu teilen. Die Seite Beach-Inspector.com soll ab März ein globales Bewertungsportal für Traumstrände werden. Und das Frankfurter Start-Up „Giromatch“ hat einen Algorithmus entwickelt, um Sparer und Darlehensnehmer zusammenzubringen und damit die Kreditwelt zu revolutionieren. Sie alle benötigen zur Umsetzung ihrer Ideen Geld – viel Geld.

Praktische Gründungserfahrung haben die Initiatoren selbst genug: Stefan Maas hat viele Jahre im Finanzbereich gearbeitet und ist Inhaber eines Start-Ups für Corporate Finance, Daniel Kuczaj ist ebenfalls bereits gründungserfahren durch den Inneneinrichtungs-Dienstleister „Roomhero“, und Sebastian Schäfer ist Ansprechpartner für Existenzgründer im Unibator-Programm der Goethe-Universität. Den Erfolg ihrer Idee bestätigt auch die große Anzahl an Partnern, die den Pitch Club fördern und unterstützen: Wirtschaftsmagazine, eine Wirtschaftskanzlei und eine Marketingagentur gehören dazu.

„In der Start-Up-Szene dreht sich noch alles um Berlin“, betont Maas. „Dabei hat Frankfurt ideale Standortfaktoren: eine Universität, die gute Ideen fördert, in der Umgebung eine starke Metropolregion Rhein/Main mit Städten wie Darmstadt, Wiesbaden und Mainz, wichtige Messen, den größten Deutschen Verkehrsflughafen und jede Menge starker Partner im Finanzsektor“, sind sich Initiatoren, Geldgeber und Start-Ups an diesem Tag einig.

Zu den Investoren, die im Januar teilgenommen haben zählten neben einer Menge Privatinvestoren auch große Kreditinstitute. „Das Format und die Organisation des Pitch Clubs sind überzeugend. Überraschend ist, dass der Pitch Club bereits überregional arbeitet und Anklang findet. Schön wäre es sicherlich, wenn die Investorenanzahl weiter erhöht werden könnte“, sagte eine Unternehmenssprecherin der Deutschen Bank.

Auch für die Initiatoren ist das ein Ziel. Ihr nächster „Pitch Club“ ist bereits in Planung und soll voraussichtlich im Mai stattfinden. Bewerben können sich alle Start-Ups mit einem festen Konzept auf der Internetseite . „Wichtig ist nur, dass sich die Idee schon bewiesen hat und die Planungen etwas weiter fortgeschritten sind“, sagt Maas. Auch dann sollen wieder rund 15 Start-Ups die Investoren von ihrem Ideen überzeugen. Denn der Zulauf zum „Pitch Club“ wird immer größer.

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