Kerstin und Ralf haben eine Collage aus 350 Fotos von Eintracht-Graffitis, -Aufklebern und -Fahnen aus ganz Frankfurt erschaffen. Das Kunstwerk ist jetzt im Eintracht Museum zu sehen.
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Kerstin und Ralf haben eine Collage aus 350 Fotos von Eintracht-Graffitis, -Aufklebern und -Fahnen aus ganz Frankfurt erschaffen. Das Kunstwerk ist jetzt im Eintracht Museum zu sehen.

Eintracht

Mit Adleraugen durch Frankfurt

  • VonSabine Schramek
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Eingefleischte Eintracht-Fans sind Kerstin S. und ihre Lebensgefährte Ralf Z. schon ewig. Während der Corona-Pandemie haben sie zu Fuß die Stadtteile erkundet und dabei so viele SGE-Motive entdeckt, dass sie eine Fotocollage aus 350 Bilder gemacht haben. Sie ist jetzt im Eintracht-Museum zu sehen.

Frankfurt. Beim Bummeln schauen die einen in Schaufenster, nach Pflanzen oder Architektur. Kerstin S. (46) und Ralf Z. (50) suchen nach Graffiti, Aufklebern und Stickern an Laternenpfählen, Wänden und Zäunen. Im Februar 2018 ist dem Paar zum ersten Mal aufgefallen, "dass Eintracht-Motive überall in Frankfurt sind. Ab Mai beim Pokalendspiel ging es dann richtig ab", erzählt Kerstin S. Das hat ihr so gut gefallen, dass sie Fotos von allen SGE-Motiven gemacht hat, die ihr vor das Handy gekommen sind. "Zu Hause hatten wir dadurch schon eine kleinere Collage in der die Fotos nebeneinander hängen. Dann kam Corona, uns war langweilig und wir sind viel spazieren gegangen. Immer auf der Jagd nach Stickern, Sprüchen und Graffiti."

Ralf grinst. "Zu Spielen konnten wir ja nicht gehen wegen Corona, aber ohne Eintracht wollten wir auch nicht sein. Und die Stadtteile zu entdecken, war durchaus spannend", so der Mitarbeiter eines Automobilzulieferers. Er hat damals noch in Bad Homburg gelebt. Vor drei Monaten ist er mit der Orthopädietechnikerin zusammengezogen und sie wohnen jetzt zusammen in Preungesheim. Kerstin mit dem Foto-Handy, Ralf mit dem Adlerblick. Das Paar hat auf seiner Suche 27 von 46 Stadtteilen durchquert. "Die meisten Motive haben wir in Bornheim, rund um das Stadion in Niederrad, in Sachsenhausen und Rödelheim gefunden", berichten sie. Ralf ist sogar unter Brücken geklettert und beide haben sich an die Mainzer Landstraße gestellt und gewartet, bis die Bahn mit Eintracht-Motiven vorbei kam. "Es war gar nicht so leicht, eine Stelle zu finden, um sie fotografieren", meint Kerstin lachend. "Irgendwann hat es dann geklappt." Andere Stadtteile würden anfangs so wirken, als gäbe es nicht viele Eintracht-Motive, doch dann "entdeckt man plötzlich geniale Kunstwerke an Garagen", schwärmen die Adlerjäger.

Langsam entstand ein großes Kunstwerk

Auch an der offenen Graffitifläche am Kaiserleikreisel finden sie immer wieder "die tollsten Motive". Meist seien sie nur kurz zu sehen, "weil sie von den nächsten Sprayern ganz schnell wieder übermalt werden. Das ist total spannend". Die Fotos wurden immer mehr und sie wussten nicht so genau, was sie damit machen sollen. Also haben sie die Bilder in Kästchen sortiert und lange Abende und Wochenenden damit verbracht, sie so zusammenzusetzen, dass ein großes Kunstwerk daraus wird. "Es sollte genauso bunt und vielfältig wie die Eintracht sein, die Bilder wollten wir diesmal überlappend haben und gleichzeitig haben wir ja auch immer wieder neue Motive entdeckt, oder gemerkt, dass irgendwo etwas fehlt. Dann sind wir wieder losgezogen." Nach drei Monaten war das Bild, das sie ursprünglich gar nicht geplant hatten, fertig und bekam den Titel "Mit Adleraugen durch Frankfurt". Für zu Hause war es schlichtweg zu groß und sie wollten es vor allem auch für viele Leute zugänglich machen. "Dann haben wir das Eintracht-Museum angeschrieben. Per Mail kam erst keine Antwort, dann haben wir ein Foto per Facebook-Messenger geschickt und die Reaktion kam prompt", erzählt das Paar strahlend. Jetzt hängt das Werk neben der Leinwand, auf der Filme über die Eintracht gezeigt werden und vor der Kinder rätseln können, ob der nächste Ball ins Tor geht. Kaum jemand geht vorbei, ohne sich erst das ganze Kunstwerk und dann die einzelnen mehr als 350 kleinen Bilder zu betrachten und zu rätseln, wo die Motive wohl gemacht wurden.

Museumsdirektor Matthias Thoma ist ebenfalls fasziniert. "Die beiden haben sich richtig viel Arbeit gemacht und es ist erstaunlich, wie viel Eintracht-Motive in Frankfurt sind. Während der Pandemie sind es wohl noch mehr geworden." Die Reaktionen seinen toll. "Einige haben schon Poster von dem Kunstwerk gefordert."

Thoma ist froh, dass jetzt auch wieder Führungen mit bis zu 25 Leuten im Museum am Stadion möglich sind. "Am letzten Spieltag konnten wir auch zum ersten Mal wieder Getränke für 50 Leute ausschenken. Die Fans hat's gefreut." Kerstin und Ralf waren auch beim Spiel. "Uns gefällt es, dass wir im Museum etwas für die Fans beisteuern können. Wir sind der Eintracht sehr verbunden. Wenn das Museum Poster machen will, ist das natürlich toll und kann es gerne machen. Dann gibt es an ganz vielen Wänden bei Fans kunterbunte Eintracht-Lichtblicke."

Eintracht Museum

Das Museum in der Haupttribüne des Stadions ist dienstags bis sonntags durchgehend von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 5 Euro Eintritt, ermäßigt kostet es 3,50 Euro.

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