Hier ist Fingerspitzengefühl gefordert: Andreas Müller (li.) und Richard Schmidt vom Ortsverband Frankfurt-West des BUND ersetzen veraltete Elemente des Nisthilfekastens. foto: maik Reuss
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Hier ist Fingerspitzengefühl gefordert: Andreas Müller (li.) und Richard Schmidt vom Ortsverband Frankfurt-West des BUND ersetzen veraltete Elemente des Nisthilfekastens.

Sossenheim: Wildbienen & Co.

Mit Bambus, Pappe und Lehm: So hilft man Insekten beim Nisten

  • vonAlexandra Flieth
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SOSSENHEIM Kästen stehen schon seit 15 Jahren im Unterfeld

Wie ein Mosaik aus hölzernen Rechtecken und Quadraten setzt sich das Innere der Insekten-Nisthilfe unweit der Chlodwig-Poth-Anlage im Sossenheimer Unterfeld zusammen. Eingesetzt werden die unterschiedlich großen Elemente, die mit kleinen Röhrchen aus Bambus oder Pappe gefüllt sind oder in die Löcher gebohrt wurden, in eine fast quadratische Holzkonstruktion. Gedacht ist diese Nisthilfe vor allem für den Nachwuchs von Wildbienen, aber auch von anderen solitär lebenden Insekten. Der Durchmesser der Röhrchen ist daher ebenso verschieden wie die Größe der Tiere, die darin ihre Eier ablegen.

Wie damals alles anfing

Vor gut 15 Jahren hat der Ortsverband (OV) Frankfurt-West des BUND, der 1991 gegründet wurde, die Nisthilfe an diesem Ort aufgestellt - eine von zweien, die in unmittelbarer Nähe zueinander stehen.

Das Innere des Konstrukts ist in die Jahre gekommen und soll von Grund auf erneuert werden. Vier beim OV engagierte Mitglieder machen sich an die Arbeit, haben Werkzeuge und neue Holzelemente mitgebracht, durch die das bereits Vorhandene ersetzt werden soll.

Rund drei Stunden Zeit haben sie dafür eingeplant. Dass bei dem Angebot oftmals umgangssprachlich von einem Insektenhotel gesprochen wird, findet BUND-Mitglied Andreas Müller vom OV Frankfurt-West falsch. "Es ist kein Hotel, es kostet nichts, und die Tiere verbleiben länger als eine Woche", sagt er ironisch. Wegen immer weniger natürlicher Nistmöglichkeiten in der Natur seien Angebote wie dieses für die Diversität und damit für den Artenschutz äußerst wichtig.

Ausgerichtet ist die Insektennisthilfe, die für mehrere tausend Tiere Platz bietet, zur Sonne hin. Die Lage ist dabei relevant, besonders für die Larven, die Wärme benötigen, um sich zu entwickeln und zu schlüpfen.

Die kleinen Röhrchen, in denen die Eier abgelegt werden, bieten daher nicht nur Schutz für den Insektennachwuchs, sondern sind gleichzeitig auch so etwas wie ein Brutkasten. Um diese Elemente kümmert sich unter anderem BUND-Mitglied Richard Schmidt.

Mit selbst angerührtem Lehm verschließt er schließlich jeweils eine Seite eines Konglomerates an Röhrchen aus Pappe. Mehrere dieser als Gruppen zusammengefassten Teile liegen nun vor ihm auf der Wiese. Hiermit sollen die Lücken, die bei der Neugestaltung - Andreas Müller selbst spricht von einer Sanierung - zwischen den verschiedenen Holzelementen entstehen, geschlossen werden.

Hornissen haben sich eingerichtet

Durch den Abbau der alten Elemente wurde auch ein Hornissen-Nest sichtbar, das dahinter erbaut wurde. Andreas Müller zeigt das Gebilde, das auch weiterhin dort seinen Platz behalten und nicht entfernt werden soll.

Es verdeutliche ihnen, dass der Hohlraum hinter den Holzelementen auch von staatenbildenden Insekten genutzt werde. "Die verschiedenen neuen Elemente wurden in einer Behindertenwerkstatt angefertigt und von uns gekauft", erzählt BUND-Mitglied Jutta Erich vom OV Frankfurt-West.

Finanziell ermöglicht wird die Neugestaltung der Insektennist-hilfe im Sossenheimer Unterfeld durch eine Spende der "wunder-Stiftung", deren Ziel es ist, die Lebensqualität in Frankfurt, der Heimatstadt des Stiftungsgründers Dr. Armin Wunder, sowie der angrenzenden Region zu verbessern und somit einen Beitrag für den Umwelt- und Naturschutz zu leisten.

Damit die Insektenlarven auch vor ihren natürlichen Fressfeinden besser geschützt sind, wird vor den verschiedenen Elementen noch ein Draht angebracht. "Damit die Vögel die Larven mit ihren Schnäbeln nicht aus den Röhrchen ziehen können", sagt Jutta Erich. Dass die neu gestaltete Insektenhilfe gut angenommen wird, ist sich Andreas Müller sicher. Er rechne damit, dass die neuen Bewohner spätestens in 14 Tagen einziehen werden. alf

Helfer sind willkommen

Ob es um den Rückschnitt von Obstbäumen auf Streuobstwiesen geht, das Sammeln von Abfällen an Fließgewässern oder um Büroaufgaben: Die Ortsgruppen des BUND suchen immer Helfer. Mehr auf bund-frankfurt.de/mitmachen/

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