Schoppen vor dem Schuppen: Jungkelterer Timo Keck kann es kaum erwarten, im Herbst wieder loslegen zu dürfen. Das Handwerk hat er von seinem Vater gelernt . Doch bis der neue Ebbelwei fertig ist, heißt es, sich den alten gut einzuteilen. foto: sauda
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Schoppen vor dem Schuppen: Jungkelterer Timo Keck kann es kaum erwarten, im Herbst wieder loslegen zu dürfen. Das Handwerk hat er von seinem Vater gelernt . Doch bis der neue Ebbelwei fertig ist, heißt es, sich den alten gut einzuteilen.

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  • VonSabine Schramek
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Zum perfekten Ebbelwei-Glück fehlt dem Hobby-Kelterer nur noch eine Streuobstwiese

Ebbelwei schmeckt am besten, wenn man ihn selber macht. Davon ist Jungkelterer Timo Keck völlig überzeugt. Seit fünf Jahren ist der Mechatroniker-Student begeistert dabei, wenn es um Ernte und Pressen geht. Oder derzeit ums Genießen. Jetzt fehlt ihm nur noch eine Streuobstwiese zum Glück.

Auch Rosé fließt ins Glas

Im Schuppen steht ein großer Kanister, im Garten ein Rotweinfass aus Eichenholz. Aus beiden fließt Apfelwein. Der eine hell und gelb, der andere dunkler und leicht roséfarben. "Man sieht und schmeckt den Unterschied", sagt Timo Keck fachmännisch und lacht. Der Mechatroniker-Student feiert am Samstag seinen 24. Geburtstag. Wegen Corona nur im kleinen Kreis, aber mit Apfelwein. Auf dem Tisch stehen Flaschen voller Hausschoppen "Mühlberger Abbelgebabbel Cuvée" und ein Bembel im Schwenker, auf dem "Toms Bester" steht. "Der ist von meinem Vater", erzählt Timo. "Der hat mich mit reingezogen. Mit sanfter Gewalt, weil ich in der Familie am meisten Apfelwein trinke."

Seit fünf Jahren ist Keck dabei. "Ich habe einmal mitgemacht und es macht einfach unglaublich viel Spaß, wenn man in der Gruppe Äpfel wäscht, maischt, presst und probiert", schwärmt er.

Sein Vater ist Mitglied im Skiclub Oberrad, ebenso wie weitere zehn Leute, die nichts lieber tun, als Äppler machen und trinken. "Ohne Corona gibt es dann natürlich auch jedes Jahr das Kelterfest beim Schecker und das Apfelweinfest auf dem Buchrainplatz. Hoffentlich geht das in diesem Jahr wieder", so der junge Mann. Als Keck das erste Mal aktiv dabei war, haben sie die Äpfel in den ersten drei Jahren bei Bauern im Spessart gekauft. "Über 1000 Liter sind rausgekommen und wir hatten hier fast 400 Liter", sagt er stolz. "Mein Vater grillt gerne und da geht der Schoppen oft über die Gartenzäune, um gemeinsam mit den Nachbarn zu feiern."

Vor zwei Jahren war die Gruppe bei einer Apfelversteigerung im Taunus. Als Gruppe haben die Kelterer mehr als 20 Bäume ersteigert. "Zwei Wochenenden lang haben wir die ganzen Äpfel abgeschüttelt und gesammelt. Zwei Wochen später haben wir sie gekeltert. Das hat noch mehr Spaß gemacht."

Überall auf der Suche

Nicht nur Keck, sein Vater, sondern auch sein Onkel keltert gern. "Unser Traum ist es, eine eigene Wiese mit eigenen Äpfeln zu haben. Wir suchen momentan überall. In Frankfurt, im Taunus und im Spessart und hoffen, dass wir etwas finden. Dann können wir jedes Jahr mit dem Club und Nachbarn unsere eigenen Bäume pflücken", hofft der Student. Für ihn gibt es kaum etwas Schöneres, als beim Schecker-Hoffest die Presse zu benutzen. "Da machen wir beim Hoffest Schaukeltern und verkaufen Süßen im Fünf-Liter-Kanister. Damit bekommen wir den Kaufpreis für die Äpfel wieder rein."

Lustig sei es, wenn die Söhne vom Gärtner Rainer Schecker in der Tonne rumspringen, um den Trester zu verdichten. Wenn die Abfälle getrocknet sind, bekommt sie der Förster für das Wild im Wald.

Momentan stehen überall die Apfelbäume in voller Blüte und duften süß. Keck blickt auf die abgefüllten Flaschen vom vergangenen Jahr. "2020 war schon etwas schwierig. Es war sehr heiß und sehr trocken. Das tut den Äpfeln nicht so gut. Schmecken tut er trotzdem." Im Garten hält die Familie Hühner, Rhododendron blüht in Weiß und Rosa. An Zäunen und Hauswänden hängen jede Menge Echsen aus Holz und Metall und die schneeweiße Maremannen-Mischlingshündin Ebby freut sich, wenn Oma, Eltern und Keck Junior beim Ebbelwei zusammensitzen. Die Echsen sammeln seine Eltern, die Eier der Hühner sind für den Hausgebrauch.

Ein Spaß für alle Generationen

"Keltern ist etwas für jede Generation, auch wenn die Jüngeren oft lieber keltern lassen, als selbst zu keltern", so der Student. "Die wissen gar nicht, was ihnen entgeht in der Gemeinschaft, im Verein und beim Umgang mit Bäumen und Äpfeln." Die Gruppe, mit denen er beim Ski-Club Oberrad keltert, besteht aus zehn bis zwölf Leuten.

"Wenn wir uns auch noch regelmäßig auf einer eigenen Wiese treffen könnten, wäre es einfach nur perfekt." Keck guckt zufrieden in den grauen Himmel. Dass es dieses Jahr mehr regnet als in den vergangenen Jahren, freut ihn sichtlich. "Die Natur braucht das. Ich bin mir sicher, dass das Apfelweinjahr 2021 ein gutes Jahr wird." SABINE SCHRAMEK

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