Jörg Cavelius (53), Inhaber des Pflegediensts Pflegestern, hat eine faszinierende Modellwelt für sein Schaufenster gebaut.
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Jörg Cavelius (53), Inhaber des Pflegediensts Pflegestern, hat eine faszinierende Modellwelt für sein Schaufenster gebaut.

Geschäft in Niederrad

Mit der Puppengondel auf den Berg

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Winter-Weihnachtsmarktmodell im Schaufenster des "Pflegesterns" verzaubert Klein und Groß

Es ist wieder die Zeit, in der Kinder in der Schwarzwaldstraße am Schaufenster der Hausnummer 39 stehen bleiben und von ihren Müttern von dort so schnell nicht weg zu bewegen sind. Wie hypnotisiert stehen die Kleinen oft schon morgens vor der Schule vor dem Miniatur-Weihnachtsmarkt mit leuchtenden Karussells, Schiffsschaukel, Tannenbäumen, Eisbahn und unzähligen Figürchen und schauen dem sich ständig wiederholenden Jahrmarkttreiben zu. Obendrüber segelt über die gesamte Länge des Fensters eine kleine Ski-Seilbahn mit Gondeln an einer Schnur über die verschneite Szenerie.

Das beleuchtete Schaufenster des Pflegediensts "Pflegestern" übt eine magische Anziehungskraft aus. Unzählige knuffige Details und Figuren gibt es zu entdecken. Wie viele es sind, hat ihr Schöpfer Jörg Cavelius nicht mitgezählt. Er weiß nur, seit Sommer trudeln bei ihm die Pakete ein, die er bestellt hat, eins ums andere mit neuen Mini-Karussells, die er nach und nach in die Landschaft integriert. "Ich bin schon am Überlegen, wie ich es nächstes Jahr neu zusammenbaue", sagt der freundliche Inhaber des Familienunternehmens lachend.

Drinnen im Büro mit Sofa und Besprechungstisch liegt ein beständiger Klang über dem Raum, das Surren und Klappern der Miniaturwelt hört man von draußen nicht. Boxer-Hündin Emma und auch die Kaninchen in ihrem Gehege direkt dahinter scheint es nicht zu stören. Die drei Kaninchen freuen sich über das Karottengrün, das Linda Cavelius ihnen gerade von draußen mitgebracht hat - "ein Geschenk vom Gemüseladen gegenüber. In der Schwarzwaldstraße helfen wir uns alle gegenseitig aus, es ist ein toller Zusammenhalt", berichtet sie.

Auch deshalb, weil sich die beiden in Niederrad seit inzwischen sieben Jahren wohlfühlen, dekoriert Jörg Cavelius so gern das Schaufenster. "Ich habe schon eine Idee fürs Frühjahr: Ich werde den Wäldchestag nachbauen", kündigt Cavelius an. "Dafür gehen wir in den Wald und schauen ganz genau, welche Bäume wo stehen, damit wir es exakt so bauen, wie es in Wirklichkeit ist."

Kindheitsträume umgesetzt

Die Lust an der Miniaturwelt hatte der geborene Saarländer schon als Kind: "Da wollte ich eine Seilbahn, hab' aber keine gekriegt. Eine Eisenbahn durfte ich auch nicht haben", erinnert er sich. Umso beständiger kreist jetzt eine Modelleisenbahn um die Winterlandschaft drumherum. "Die hatten wir hier als erstes, da stand die Eisenbahn und das Aquarium im Schaufenster. Einmal bekamen wir einen Anruf, dass ein Fisch auf den Gleisen liegt. Der war rausgesprungen. Wir liefen schnell zum Laden und halfen ihm zurück ins Wasser. Er lebte noch zwei Jahre weiter."

Auch Linda Cavelius und die gemeinsame Tochter erinnern sich an viele lustige Begebenheiten, die sich rund um das im Viertel bestens bekannte Schaufenster schon ereignet haben. "Wildfremde Menschen winken uns von draußen zu, oder sie kommen rein und plaudern über frühere Zeiten und ihre eigene Eisenbahn. Auch viele alte Leute, die zum Mittagstisch in der Metzgerei Ziaja nebenan gehen, bleiben stehen - sie gucken genauso gern hin wie die Kleinen."

Angeschaltet ist das Schauspiel aber nicht durchweg, sondern morgens von 8 bis etwa 9 Uhr, und abends, wenn es dunkel wird, von 16 bis 19 Uhr - täglich. Denn täglich ist auch der Pflegedienst im Einsatz. "In Niederrad gibt es viele ältere Menschen und deshalb sehr viel Bedarf an Pflege. Allein hier in der Straße gibt es etwa sechs Anbieter", sagen die beiden. Viele Senioren im Stadtteil lebten allein. "Sie haben niemanden mehr, der ihnen helfen kann", berichtet Jörg Cavelius.

Der Hauptteil der Fälle werde von Krankenhäusern und Ärzten vermittelt. Die Fachkräfte des Pflegediensts besuchen die Patienten mehrmals täglich, je nach Pflegegrad fallen verschieden Tätigkeiten an.

Jörg Cavelius ist seit mehr als 30 Jahren Altenpfleger. "Ich habe es im Blut, meine Eltern waren beide Krankenpfleger. Für mich ist es eine Berufung", sagt er. Nach Frankfurt verschlug es ihn auf Umwegen. Hier lernte er bei der Arbeit, damals bei einem Pflegedienst in Oberrad, seine Frau Linda kennen, die in Niederrad aufgewachsen ist. Vor zwölf Jahren gründeten sie zusammen den "Pflegestern".

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