Haben ihr erstes Bier auf den Markt gebracht: Ole Claßen (rechts) und Sebastian Offelmann. Auf der Tafel im Hintergrund arbeiten sie bereits am Rezept für ihr zweites Bier, das im November in den Verkauf gehen soll. FOTO: enrico Sauda
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Haben ihr erstes Bier auf den Markt gebracht: Ole Claßen (rechts) und Sebastian Offelmann. Auf der Tafel im Hintergrund arbeiten sie bereits am Rezept für ihr zweites Bier, das im November in den Verkauf gehen soll.

Hazy Pale Ale

„Yayle“: Frankfurter Bier erobert die Gastro-Szene

  • Sören Rabe
    VonSören Rabe
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Zwei Frankfurter haben ihr erstes Selbstgebrautes herausgebracht und sich dabei bewusst gegen ein klassisches Pils, Weizen oder Lager entschieden.

Frankfurt – Ole Claßen (44) und Sebastian Offelmann (39) sitzen in der Küche. Vor ihnen steht ihr ganzer Stolz: Ihr erstes Bier, das sie auf den Markt gebracht haben. Ein Hazy Pale Ale, eine Hopfenbombe. Es ist trüb, es riecht nach allerlei exotischen Früchten.

Warum ein Pale Ale nach amerikanischer Art? "Weil es eine Nische ist, in der wir uns platzieren können", sagt Sebastian Offelmann. Denn der Markt ist schwierig. Mit einem klassischen Pils, Weizen oder Lager "hat man keine Chance", ist sich Offelmann sicher. Außerdem mögen die beiden Brauer die fruchtigen, obergärigen Biere.

Frankfurter Bier „Yayle“: Es begann mit einem Brauworkshop

Seit 2017 sind die beiden als Hobbybrauer unterwegs. Zuerst klassisch mit dem Einkocher. Ole Claßen, der in der Städelschule bei einem Brauworkshop Feuer fing, hat dann mit der Zeit aufgerüstet mit Töpfen und Rührwerk - alles nach wie vor in der Küche. Dort werkeln sie auch an den Rezepten für die Biere, die in den Verkauf gehen sollen.

Sebastian Offelmann hat den ersten Kontakt mit dem Selbstbrauen am anderen Ende der Welt geschlossen. In Australien, wo viele wegen der teuren Bierpreise selbst brauen, bei einem Freund. Dort habe er dann gesehen, dass der Prozess selbst nicht so schwierig ist. Daheim in Frankfurt wurden dann die ersten Sude im Einkocher ausprobiert.

"Yayle": Der Name für das Frankfurter Bier war eine schwere Geburt

Die Idee, das Selbstgebraute auch zu verkaufen, ist bereits 2019 entstanden. "Think big ist schon immer mein Motto", sagt Sebastian Offelmann. Mit der Zeit habe er dann auch seinen Freund Ole Claßen überzeugen können. Der Weg zur Vermarktung war dann aber noch weit. Die Corona-Pandemie hat auch hier Probleme bereitet.

Über den Bierstil waren sich die beiden schnell einig. Ein Pale Ale, das mit moderaten 5,5 Prozent Alkohol daherkommt. Da kann man dann schon mal zwei oder drei von trinken. Die Namensfindung für das gesamte Projekt war dann schon schwieriger. "Was mir gefiel, fand Sebastian nicht so toll, umgekehrt war es genauso", sagt Ole Claßen und muss noch heute darüber schmunzeln. Bis dann die Eingebung kam: Yayle. Ein Kunstwort, das aus dem freudigen Ausruf "Yay! Ale!" entstand. So ähnlich war es auch bei der Namensfindung des ersten Bieres: Nays. Das Y ist das Wiedererkennungsmerkmal der Yale-Brauerei. Wobei Brauerei eigentlich (noch) nicht korrekt ist. Denn gebraut wird als Lohnsud bei Kuehn Kunz Rosen in Mainz.

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Frankfurter Bier „Yayle“: Zur Aufbewahrung ist die Dose perfekt

"Da gehen wir mit unserem Rezept hin, und sie brauen dann für uns das Bier", sagt Ole Claßen. 15 Hektoliter - also 1500 Liter - ist der kleinste Sud, den die Profi-Brauer aus Mainz herstellen. Abgefüllt wird in Dosen. Dosen? Die haben unter Biertrinkern kein besonders gutes Image. "Die Dose ist das ideale Gefäß, es ist wie ein kleines Fass, kein Licht kommt an das Bier heran", räumt Sebastian Offelmann mit dem Vorurteil auf. Man darf nur nicht den Fehler machen und es aus der Dose trinken. Bier gehört ins Glas, die Yayle-Macher bieten übrigens auch noch gleich das richtige Glas dazu an.

Die regionale Vermarktung ist angelaufen, das Hazy Pale Ale vom Fass gibt es bereits beim Tap House im Westend und dem Naiv (Fahrgasse) sowie in Mainz bei Kuehn Kunz Rosen im Biergarten. Aus der Dose ist das Bier im Bottle Shop des Naiv erhältlich. Und auf der eigenen Website können Craftbier-Fans es bestellen. "Klinken putzen ist jetzt angesagt", so die beiden Brauer, die hauptberuflich in der Veranstaltungsbranche tätig sind.

„Yayle“ aus Frankfurt: Das nächste Rezept steht schon in den Startlöchern

Auch das Design der Dose ist Handarbeit. "Ole ist da der Kreative", sagt Sebastian Offelmann. Claßen hat dabei ein Foto, das er in Oberrad aufgenommen hat und die Skyline zeigt, stark verfremdet. Die Lichtpunkte kommen dabei von vorbeifahrenden Zügen - hazy eben.

Mittlerweile tüfteln die beiden am nächsten Rezept. Auf der Wandtafel in der Küche von Ole Claßen stehen bereits Details, die aber noch geheim bleiben sollen. "Es kann sich immer noch wieder was ändern", erklärt Sebastian Offelmann. Nur so viel sei verraten: Es wird ein New England India Pale Ale, das unter Craftbier-Fans sehr beliebte Neipa. Natürlich wieder stark gehopft. Dabei wollen sie Cryo Hopfen verwenden, ein Hopfenpulver, das den Vorteil hat, mit deutlich geringeren Mengen die gleiche Wirkung zu erzeugen wie die üblichen Pellets. Und es soll mit einer besonderen Hefe vergoren werden: der Kveik. Ein norwegischer Hefestamm, der sich besonders bei warmen Temperaturen wohl fühlt und für weitere fruchtige Aromen sorgt.

Kontakt zu den Bierbrauern aus Frankfurt:

Die Internetseite: www.yayle.de.

Bierbrauer aus Frankfurt haben große Pläne: „Yayle“ bekommt bald Gesellschaft

Im November, so das ambitionierte Ziel, soll das Neipa auf den Markt kommen. Es wird nicht das letzte Bier der beiden Frankfurter sein. Geplant sind drei bis vier verschiedene Biere pro Jahr. Alles gebraut in Mainz. Ob sie mal selbst eine Brauerei eröffnen werden? Bei dem Lebensmotto von Sebastian Offelmann, "Think big", ist das nicht ausgeschlossen. (Sören Rabe)

Auch in Rüsselsheim setzen zwei Bierbrauer auf die Qualitäten des Lokalen. Das „Taunus-Hell“ steht in den Startlöchern.

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